Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Hilft beim Abnehmen

    kleiner Nutzen

    Energie & Stoffwechsel · gesund (Übergewicht) · Mensch, randomisiert

    Die einzige Metaanalyse nennt die Form nicht (Volltext geprüft) und zählt nach der Ausnahme für Thioctsäure („ohne Angabe = Racemat“, Tilman, 25.10.2026) für dieses Profil. Sie fand in zehn placebokontrollierten RCTs 1,27 kg mehr Gewichtsverlust (95-%-KI 0,25–2,29) und BMI −0,43 kg/m², nur kurzfristig und in einer Mischung aus Übergewichtigen und Menschen mit Diabetes, metabolischem Syndrom, rheumatoider Arthritis oder Fettleber [5]. Kleiner, kurzfristiger Effekt; Langzeitdaten fehlen. Das gebündelte Werbeversprechen („starkes Antioxidans, senkt den Blutzucker und hilft beim Abnehmen“) ist nach K4 zerlegt.

  • Senkt den Blutzucker

    kein Nutzen

    Energie & Stoffwechsel · gesund (Erwachsene, auch mit Übergewicht) · Mensch, randomisiert

    Die Metaanalysen nennen die Form nicht und zählen nach der Ausnahme für Thioctsäure („ohne Angabe = Racemat“, Tilman, 25.10.2026); keine nennt eine andere Form, und laut Volltext [9] verwendete die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien racemische Alpha-Liponsäure. Bei übergewichtigen Erwachsenen blieben Nüchternblutzucker und HOMA-IR unverändert (elf RCTs, 704 Personen) [9]; über gemischte Populationen fand eine Metaanalyse keinen Effekt auf Nüchternblutzucker und HbA1c, nur Insulin und HOMA-IR sanken leicht (28 Studien, 1016 Teilnehmende; Gesundheitsstatus als Quelle der Heterogenität; nur Abstract geprüft) [6]. Senkungen fanden sich vor allem bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen [7][8]; sie stehen im eigenen Versprechen an Kranke und tragen dieses Versprechen an Gesunde nicht.[7][8]

  • Senkt den Blutzucker bei Stoffwechselerkrankungen

    uneinheitlich

    Energie & Stoffwechsel · Patienten: Stoffwechselerkrankungen · Mensch, randomisiert

    Die Metaanalysen nennen die Form nicht und zählen nach der Ausnahme für Thioctsäure („ohne Angabe = Racemat“, Tilman, 25.10.2026). Zwei Metaanalysen fanden niedrigere Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werte: über 24 RCTs an Menschen mit Stoffwechselerkrankungen (SMD Glukose −0,54, HbA1c −1,22) [8] und über 41 RCTs, deren Population das Abstract nicht eingrenzt (HbA1c WMD −0,35; 95-%-KI −0,55 bis −0,15) [7]. Eine Metaanalyse über 28 Studien an Gesunden und Kranken fand keinen Effekt auf Nüchternblutzucker und HbA1c und nennt den Gesundheitsstatus als Quelle der Heterogenität [6]; in NATHAN 1 (Thioctsäure-Präparat, Diabetes mit Polyneuropathie, Blutzucker nicht Zielgröße) unterschied sich HbA1c nach vier Jahren nicht von Placebo [11]. Widersprüchliche Befunde gleicher Stufe ergeben „uneinheitlich“. Nur Abstract geprüft bei [6], [7] und [8].

  • Lindert Nervenschmerzen bei diabetischer Polyneuropathie

    kleiner Nutzen

    Schmerz · Patienten: diabetische Polyneuropathie · Mensch, randomisiert

    SYDNEY 2 und die Metaanalyse nennen nur „alpha-lipoic acid“ und zählen nach der Ausnahme für Thioctsäure („ohne Angabe = Racemat“, Tilman, 25.10.2026). SYDNEY 2 (181 Patienten, fünf Wochen oral) fand in allen Dosisgruppen einen besseren Symptomscore TSS einschließlich stechender und brennender Schmerzen, mit dosisabhängig mehr Übelkeit, Erbrechen und Schwindel (nur Abstract geprüft) [10]. Die Metaanalyse fand signifikante TSS-Senkungen oral und intravenös; klinisch relevant sei der Nutzen vor allem intravenös, ob die Besserung nach wenigen Wochen oraler Gabe klinisch relevant ist, sei unklar [12]. NATHAN 1 mit ausgewiesenem Thioctsäure-Präparat prüfte keinen Schmerz als Hauptziel: Der primäre Endpunkt (Score der neurologischen Beeinträchtigung) unterschied sich nicht (p = 0,105), der TSS war sekundär, lag zu Beginn niedrig und unterschied sich nach vier Jahren nicht [11]. Kleiner, kurzfristiger Nutzen; Langzeitdaten zum Schmerz fehlen. Herstellerbeteiligung in NATHAN 1 [11].

Wirkweise

Evidenzkarte: Alpha-Liponsäure (Racemat)

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Liponsäure ist ein essenzieller Kofaktor der Pyruvat-Dehydrogenase, der α-Ketoglutarat-Dehydrogenase und der Dehydrogenase der verzweigtkettigen Ketosäuren; der Körper bildet sie selbst und bindet sie an diese Enzymkomplexe [1]. Natürlich kommt nur das R-Enantiomer vor; freie Liponsäure und Dihydroliponsäure bilden ein Redoxpaar mit antioxidativen Eigenschaften [2]. Handelsübliche Alpha-Liponsäure ist dagegen racemisch: Das Gemisch aus R- und S-Form wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und als Arzneimittel bei diabetischer Neuropathie eingesetzt [3], und Thioctsäure ist als Racemat beschrieben [4]. Nach der Ausnahme für Thioctsäure im Leitfaden zählen Studien, die nur „Alpha-Liponsäure“ oder „Thioctsäure“ ohne Formangabe nennen, für dieses Racemat-Profil, solange die Quelle keine andere Form nennt; für die R-Form zählen sie nicht. In einer chemoproteomischen Studie hemmte nur die reduzierte R-Form mehrere Histon-Deacetylasen in physiologisch relevanten Konzentrationen [3].

Oral wird das Racemat schnell und fast vollständig aufgenommen, die absolute Bioverfügbarkeit liegt wegen des starken Abbaus in der Leber aber nur bei etwa 30 %; abgebaut wird es vor allem durch S-Methylierung und β-Oxidation [2]. Die Spitzenspiegel der R-Form lagen nach dem Racemat um 40 bis 50 % über denen der S-Form, die Halbwertszeit bei etwa einer halben Stunde [4].

Die folgenden Metaanalysen und SYDNEY 2 nennen die verwendete Form nicht und zählen nach dieser Ausnahme für das Racemat. Zum Gewicht fand eine Metaanalyse aus zehn placebokontrollierten RCTs einen kleinen, kurzfristigen Vorteil: 1,27 kg mehr Gewichtsverlust und ein um 0,43 kg/m² niedrigerer BMI [5]; die Studien schlossen Menschen mit Übergewicht, aber auch mit Diabetes, metabolischem Syndrom, rheumatoider Arthritis oder Fettleber ein. Beim Blutzucker hängt das Ergebnis von der Population ab. Eine Metaanalyse aus 28 Studien an Erwachsenen fand keinen Effekt auf Nüchternblutzucker und HbA1c, nur Insulin und HOMA-IR sanken leicht; als eine Quelle der Heterogenität nennt sie den Gesundheitsstatus der Teilnehmenden [6]. Eine Metaanalyse aus 41 RCTs fand dagegen signifikant niedrigere Werte für Nüchternblutzucker und HbA1c (gewichtete Mittelwertdifferenz beim HbA1c −0,35; 95-%-KI −0,55 bis −0,15) [7], und eine Metaanalyse aus 24 RCTs an Menschen mit Stoffwechselerkrankungen fand niedrigere Nüchternglukose, HbA1c, Triglyceride sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin (standardisierte Mittelwertdifferenzen −0,54, −1,22, −0,58, −0,64 und −0,44) [8]. Bei übergewichtigen Erwachsenen änderten sich Blutfette, HOMA-IR und Nüchternblutzucker nicht; die Mehrzahl der in diese Metaanalyse eingeschlossenen Studien verwendete laut Volltext racemische Alpha-Liponsäure [9]. Bei diabetischer Polyneuropathie besserte sich in SYDNEY 2 (181 Patienten) der Symptomscore TSS (stechender und brennender Schmerz, Parästhesien, Taubheitsgefühl der Füße) nach fünf Wochen in allen drei Dosisgruppen stärker als unter Placebo, mit dosisabhängig mehr Übelkeit, Erbrechen und Schwindel [10]. NATHAN 1 (460 Patienten, vier Jahre) verwendete das Thioctsäure-Präparat Thioctacid HR. Der primäre Endpunkt war ein zusammengesetzter Score der neurologischen Beeinträchtigung (NIS-LL und sieben neurophysiologische Tests), kein Schmerzscore; er unterschied sich nicht (p = 0,105), der NIS war besser. Der Symptomscore TSS war nur sekundärer Endpunkt, lag schon zu Beginn niedrig und unterschied sich nach vier Jahren nicht; auch HbA1c unterschied sich zwischen den Gruppen nicht. Schwere unerwünschte Ereignisse traten unter Alpha-Liponsäure häufiger auf (38,1 % gegenüber 28,0 %); drei Koautoren waren beim Hersteller des Prüfpräparats angestellt, die Randomisierungsliste erstellte dessen Statistikabteilung [11]. Eine Metaanalyse fand für den TSS sowohl bei oraler als auch bei intravenöser Gabe signifikante Senkungen; klinisch relevant sei der Nutzen vor allem bei intravenöser Gabe, ob die Besserung nach wenigen Wochen oraler Gabe klinisch relevant ist, sei unklar [12]. Im direkten Vergleich mit der R-Form gab es unter dem Racemat mehr Magen-Darm-Beschwerden, bei doppelter Gesamtmenge Liponsäure [13].

Formulierungen und Herkunft: Neben Kapseln und Tabletten gibt es Retardtabletten, Infusionslösungen (Arzneimittel) und Salze wie das Natrium- oder Trometamolsalz. Vergleichende Humandaten zu Formulierungen mit klinischem Endpunkt wurden nicht gefunden; die R-Form hat ein eigenes Profil.

Eingeordnet am Wirkort Zelle mit Mitochondrium, Glutathion-Zyklus, Keap1–Nrf2 und Plasmamembran; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: nicht ausgewählt (Evidenzstufe unter 3).

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Pyruvat-Dehydrogenase- und α-Ketoglutarat-Dehydrogenase-KomplexEnzymBindungproteingebundener Kofaktor (nur R-Form); im Körper neu gebildet Labor[1]
Redoxpaar Liponsäure/DihydroliponsäureSonstigesBindungantioxidative Eigenschaften des Redoxpaars Labor[2]
Histon-Deacetylasen (HDAC1, 2, 3, 6, 8, 10)EnzymHemmernur der R-Anteil in physiologisch relevanten Konzentrationen (Zellversuche) Labor[3]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukoseunklar · Nüchternblutzucker und HbA1c bei Stoffwechselerkrankungen in zwei Metaanalysen gesenkt, bei Übergewichtigen und in einer Metaanalyse über gemischte Populationen unverändert; HbA1c in NATHAN 1 nicht verschieden (Studien ohne Formangabe zählen als Racemat)[6][7][8][9][11]
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselunklar · Triglyceride, Gesamt- und LDL-Cholesterin bei Stoffwechselerkrankungen gesenkt, bei Übergewichtigen unverändert (Metaanalysen ohne Formangabe, zählen als Racemat)[8][9]
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Racemat (Tabletten, Kapseln)

    ≈ 30 % (Mensch, wegen starker Leberextraktion)

    Schnelle, fast vollständige Aufnahme; Halbwertszeit ≈ 0,5 h; R-Form im Plasma stärker vertreten als S-Form [2][4].[2][4]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Intravenös · Infusion (Arzneimittel)

    In der Metaanalyse zur Polyneuropathie mit klarerem klinischem Effekt als die orale Gabe; Form nicht angegeben [12].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Metaanalyse Gewicht

    Metaanalyse von 10 RCTs, placebokontrolliert · Übergewicht und verschiedene Erkrankungen · kurzfristig (laut Abstract)

    Gemessen: Gewicht, BMI

    Ergebnis: −1,27 kg (KI 0,25–2,29), BMI −0,43 kg/m² gegenüber Placebo; Form nicht angegeben (zählt als Racemat).[5]

    Mensch, randomisiert

  • Metaanalyse Blutzucker

    Metaanalyse von 28 Studien · Erwachsene, gesund und mit Erkrankungen · n = 1016 · verschieden

    Gemessen: Glukose, HbA1c, Insulin, HOMA-IR

    Ergebnis: Glukose und HbA1c unverändert; Insulin und HOMA-IR leicht gesenkt; Gesundheitsstatus als Quelle der Heterogenität; Form nicht angegeben (zählt als Racemat).[6]

    Mensch, randomisiert

  • Metaanalyse Blutzucker und Entzündung

    Metaanalyse von 41 RCTs · Erwachsene (Population im Abstract nicht eingegrenzt) · verschieden

    Gemessen: Nüchternblutzucker, HbA1c, Insulin, HOMA-IR, Entzündungsmarker

    Ergebnis: Nüchternblutzucker und HbA1c signifikant gesenkt (HbA1c WMD −0,35; KI −0,55 bis −0,15); Insulin und HOMA-IR unverändert; Form nicht angegeben (zählt als Racemat).[7]

    Mensch, randomisiert

  • Metaanalyse Stoffwechselerkrankungen

    Metaanalyse von 24 RCTs · Patienten: Stoffwechselerkrankungen · verschieden

    Gemessen: Glukose, HbA1c, Insulin, HOMA-IR, Blutfette

    Ergebnis: Nüchternglukose, HbA1c, Triglyceride, Gesamt- und LDL-Cholesterin gesenkt (SMD −0,54, −1,22, −0,58, −0,64, −0,44); HDL unverändert; Form nicht angegeben (zählt als Racemat).[8]

    Mensch, randomisiert

  • Metaanalyse Übergewichtige

    Metaanalyse von 11 RCTs · Erwachsene mit BMI ≥ 25 · n = 704 · verschieden

    Gemessen: Blutfette, HOMA-IR, Nüchternblutzucker

    Ergebnis: Kein signifikanter Effekt auf einen der Marker; Form nicht angegeben (zählt als Racemat; laut Volltext überwiegend racemische Präparate).[9]

    Mensch, randomisiert

  • SYDNEY 2

    RCT, doppelblind, vier Arme · Patienten: diabetische Polyneuropathie · n = 181 · 5 Wochen

    Gemessen: Total Symptom Score (stechender und brennender Schmerz, Parästhesien, Taubheitsgefühl)

    Ergebnis: Alle Dosisgruppen besser als Placebo; dosisabhängig mehr Übelkeit, Erbrechen, Schwindel; Präparat im Abstract nicht genannt (zählt als Racemat).[10]

    Mensch, randomisiert

  • NATHAN 1

    RCT, doppelblind, multizentrisch · Patienten: leichte bis mittelschwere diabetische Polyneuropathie (Thioctsäure-Präparat Thioctacid HR) · n = 460 · 4 Jahre

    Gemessen: Zusammengesetzter Score (NIS-LL plus sieben neurophysiologische Tests)

    Ergebnis: Primärer Endpunkt nicht verschieden (p = 0,105); NIS besser; TSS (sekundär, niedriger Ausgangswert) und HbA1c nicht verschieden; schwere unerwünschte Ereignisse 38,1 % gegenüber 28,0 %.[11]

    Mensch, randomisiert

  • R-Form gegen Racemat

    randomisierte, doppelblinde Überkreuzstudie · Patienten: progrediente Multiple Sklerose · n = 20 · 2 × 7–10 Tage

    Gemessen: Magen-Darm-Verträglichkeit, R-Exposition

    Ergebnis: Unter dem Racemat mehr Magen-Darm-Meldungen (60 gegenüber 31) bei gleicher R-Exposition.[13]

    Mensch, randomisiert

  • Kinetik und Metaboliten

    offene Studie, wiederholte Gabe · gesund · n = 9 · 4 Tage

    Gemessen: Plasmaspiegel, Ausscheidung im Urin

    Ergebnis: Hauptweg S-Methylierung und β-Oxidation; 12,4 % der Menge in 24 h im Urin.[2]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Insulinautoimmunsyndrom (Hirata-Krankheit)

    Zunehmend beschriebener Auslöser eines Autoimmunsyndroms mit Insulin-Antikörpern und wiederkehrenden Unterzuckerungen, im Wechsel mit Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten; betroffen sind vor allem Menschen mit bestimmten HLA-DRB1*04-Allelen. Nach Absetzen meist günstiger Verlauf [14].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel

    In SYDNEY 2 nahmen Übelkeit, Erbrechen und Schwindel dosisabhängig zu [10]; im Vergleich mit der R-Form waren Magen-Darm-Beschwerden unter dem Racemat häufiger [13].

    Mensch, randomisiert

  • Schwere unerwünschte Ereignisse in der Langzeitstudie

    In NATHAN 1 traten schwere unerwünschte Ereignisse unter Alpha-Liponsäure häufiger auf als unter Placebo (38,1 % gegenüber 28,0 %); Verträglichkeit und Abbrüche wegen Unverträglichkeit unterschieden sich nicht [11].

    Mensch, randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • teilweise belegt

    „Alpha-Liponsäure ist ein starkes Antioxidans, das den Körper vor freien Radikalen schützt“

    Liponsäure und Dihydroliponsäure bilden ein Redoxpaar mit antioxidativen Eigenschaften [2]; ein klinischer Schutz durch Antioxidation ist damit nicht gezeigt, und bei Übergewichtigen änderten sich Stoffwechselmarker nicht [9].

  • teilweise belegt

    „Alpha-Liponsäure senkt den Blutzucker“

    Bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen fanden zwei Metaanalysen niedrigere Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werte [7][8]; bei Übergewichtigen und in einer Metaanalyse über gemischte Populationen blieben sie unverändert [6][9]. Keine dieser Metaanalysen nennt die Form (sie zählen nach der Ausnahme für Thioctsäure als Racemat); in NATHAN 1 mit einem Thioctsäure-Präparat unterschied sich HbA1c nicht von Placebo [11].

  • widerlegt

    „Alpha-Liponsäure ist völlig unbedenklich“

    Seltenes, aber ernstes Insulinautoimmunsyndrom [14]; dosisabhängig Übelkeit und Schwindel [10].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Schnell und fast vollständig, absolute Bioverfügbarkeit ≈ 30 % wegen hoher Leberextraktion [2]; Spitzenspiegel der R-Form 40–50 % über denen der S-Form [4].
Halbwertszeit
Etwa 0,5 Stunden [4].
Abbau
S-Methylierung und β-Oxidation; 12,4 % der Menge erscheinen binnen 24 Stunden als Liponsäure und Metaboliten im Urin [2].

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige, apothekenpflichtige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Thioctsäure bzw. deren Salzen verzeichnet, oral und parenteral, z. B. Thioctacid 600 HR (Filmtabletten, Status verlängert) und ein Berlithion-Infusionslösungskonzentrat (verlängert); Anwendungsgebiet jeweils Missempfindungen bei diabetischer Polyneuropathie [18]. Die NATHAN-1-Studie nutzte ein Fertigarzneimittel eines deutschen Herstellers [11]. Kein Eintrag „Thioctsäure“ oder „Liponsäure“ in AMVV Anlage 1 [15]. Die kategorie bleibt Supplement (Tilman, 26.10.2026); nach strenger Lesart (in Deutschland nur als Arzneimittel belegt, lebensmittelrechtliche Einstufung rechtlich unklar) wäre auch „Arzneimittel“ vertretbar.
EU
Kein Eintrag „Liponsäure“, „Thioctsäure“ oder „Liponat“ in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [16]. Liponsäure steht weder in Anhang I (Vitamine und Mineralstoffe) noch in Anhang II (zugelassene Verbindungen) der RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 [17]. Im Novel-Food-Katalog kein Eintrag bei Suche nach „thioct“, „lipoic“ und „Liponsäure“ [19]; ein fehlender Eintrag belegt weder die Verkehrsfähigkeit noch ihr Fehlen.
USA
Nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Bleibt der kleine Gewichtseffekt über Monate bis Jahre erhalten, und gilt er auch für Gesunde ohne Begleiterkrankung?
  • Haben R- und S-Form beim Menschen unterschiedliche Wirkungen oder Risiken (etwa beim Insulinautoimmunsyndrom)?
  • Wie häufig ist das Insulinautoimmunsyndrom nach Liponsäure außerhalb Ostasiens?

Referenzen

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  2. Teichert J, Hermann R, Ruus P, Preiss R. Plasma kinetics, metabolism, and urinary excretion of alpha-lipoic acid following oral administration in healthy volunteers. J Clin Pharmacol. 2003;43(11):1257–67. doi:10.1177/0091270003258654 · PubMed
  3. Lechner S, Steimbach RR, Wang L, Deline ML, Chang YC, Fromme T, et al. Chemoproteomic target deconvolution reveals histone deacetylases as targets of (R)-lipoic acid. Nat Commun. 2023;14(1):3548. doi:10.1038/s41467-023-39151-8 · PubMed
  4. Breithaupt-Grögler K, Niebch G, Schneider E, Erb K, Hermann R, Blume HH, et al. Dose-proportionality of oral thioctic acid – coincidence of assessments via pooled plasma and individual data. Eur J Pharm Sci. 1999;8(1):57–65. doi:10.1016/s0928-0987(98)00061-x · PubMed
  5. Kucukgoncu S, Zhou E, Lucas KB, Tek C. Alpha-lipoic acid (ALA) as a supplementation for weight loss: results from a meta-analysis of randomized controlled trials. Obes Rev. 2017;18(5):594–601. doi:10.1111/obr.12528 · PubMed
  6. Mahmoudi-Nezhad M, Vajdi M, Farhangi MA. An updated systematic review and dose-response meta-analysis of the effects of α-lipoic acid supplementation on glycemic markers in adults. Nutrition. 2021;82:111041. doi:10.1016/j.nut.2020.111041 · PubMed
  7. Rahimlou M, Asadi M, Banaei Jahromi N, Mansoori A. Alpha-lipoic acid (ALA) supplementation effect on glycemic and inflammatory biomarkers: a systematic review and meta-analysis. Clin Nutr ESPEN. 2019;32:16–28. doi:10.1016/j.clnesp.2019.03.015 · PubMed
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  11. Ziegler D, Low PA, Litchy WJ, Boulton AJ, Vinik AI, Freeman R, et al. Efficacy and safety of antioxidant treatment with α-lipoic acid over 4 years in diabetic polyneuropathy: the NATHAN 1 trial. Diabetes Care. 2011;34(9):2054–60. doi:10.2337/dc11-0503 · PubMed
  12. Mijnhout GS, Kollen BJ, Alkhalaf A, Kleefstra N, Bilo HJ. Alpha lipoic acid for symptomatic peripheral neuropathy in patients with diabetes: a meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Endocrinol. 2012;2012:456279. doi:10.1155/2012/456279 · PubMed
  13. Cameron M, Taylor C, Lapidus J, Ramsey K, Koop D, Spain R. Gastrointestinal tolerability and absorption of R- versus R,S-lipoic acid in progressive multiple sclerosis: a randomized crossover trial. J Clin Pharmacol. 2020;60(8):1099–106. doi:10.1002/jcph.1605 · PubMed
  14. Vallianou NG, Kounatidis DC, Dalamaga M, Panagopoulos F, Psaroudaki M, Tantsi I, et al. Alpha-lipoic acid as a trigger of insulin autoimmune syndrome: current evidence, a case-based approach, diagnostic pitfalls, and practical management. Metabol Open. 2026;31:100491. doi:10.1016/j.metop.2026.100491 · PubMed
  15. Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5): Stoffe und Zubereitungen nach § 1 Nr. 1. Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 24.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html
  16. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283 des Europäischen Parlaments und des Rates über neuartige Lebensmittel. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810).
  17. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  18. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Thioctsäure“ (Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig); Dokumentanzeigen Thioctacid 600 HR (Zul.-Nr. 6372026.01.00) und Berlithion 600 mg Infusionslösungskonzentrat (47488.00.00) [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
  19. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue [Datenbank]. Durchsicht aller Einträge nach „thioct“, „lipoic“ und „Liponsäure“, kein Eintrag [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle PMIDs per PubMed efetch aufgelöst; DOIs aus dem PubMed-Datensatz übernommen und mit tools/pruefe_profile.py über Crossref geprüft.
  • Abstracts: [2] Bioverfügbarkeit ≈ 30 %, S-Methylierung und β-Oxidation, 12,4 % im Urin, n = 9; [3] Racemat als NEM und Arzneimittel, HDAC nur R; [4] Thioctsäure als Racemat, R-Cmax 40–50 % höher, t½ 0,5 h; [5] zehn RCTs, −1,27 kg (KI 0,25–2,29), BMI −0,43; [6] 28 Studien, 1016 Teilnehmende, Glukose und HbA1c unverändert; [9] elf RCTs, 704 Erwachsene, keine signifikanten Effekte; [10] n = 181, fünf Wochen, dosisabhängig Übelkeit, Erbrechen, Schwindel; [11] n = 460, p = 0,105, SAE 38,1 % gegenüber 28,0 %; [12] i.v. klinisch relevant, oral unklar; [13] n = 20; [14] Insulinautoimmunsyndrom.
  • Volltext [5] (PMC5523816): keine Angabe der Enantiomerenform; Populationen (Diabetes, metabolisches Syndrom, rheumatoide Arthritis, Fettleber, drei Abnehmstudien).
  • Volltext [11] (PMC3161301): Prüfpräparat Thioctacid HR (MEDA Pharma), drei Koautoren bei MEDA Pharma angestellt, Randomisierungsliste von der MEDA-Biostatistik, Honorare mehrerer Autoren von MEDA.
  • AMVV Anlage 1 (24.10.2026) und Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810): keine Treffer für Liponsäure, Thioctsäure, Liponat.
  • PubChem: CID 864 (ohne Stereodeskriptor).
  • Fix-Runde 24.10.2026: Abstracts [7] (41 RCTs, Nüchternblutzucker p = 0,016, HbA1c WMD −0,35, KI −0,55 bis −0,15) und [8] (24 RCTs, Patienten mit Stoffwechselerkrankungen, SMD Glukose −0,54, HbA1c −1,22, TG −0,58, TC −0,64, LDL −0,44, HDL n. s.) per efetch gelesen; [6] erneut: Gesundheitsstatus als Quelle der Heterogenität; [9] erneut: BMI ≥ 25, keine signifikanten Effekte.
  • Volltext [11] (PMC3161301) erneut: Prüfpräparat Thioctacid HR; primärer Endpunkt NIS-LL+7 (Beeinträchtigung), TSS sekundär (Ausgangswert 2,4 ± 1,9 gegenüber 2,6 ± 1,8), nach vier Jahren nicht verschieden; HbA1c ohne Gruppenunterschied (p = 0,9313); COI: drei Koautoren Angestellte von MEDA (H.T., U.M., J.M.), einer bis 2006.
  • Abstract [10] erneut: primärer Endpunkt TSS (stechender und brennender Schmerz, Parästhesien, Taubheit), alle Dosisgruppen p < 0,05; Präparat nicht genannt. Volltext über Unpaywall/Verlag am 24.10.2026 nicht abrufbar (Cloudflare).
  • Abstract [12] erneut: TSS-SMD gesamt −2,26, oral −1,78, i.v. −2,81.
  • RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (Cellar, XHTML) gelesen: keine Liponsäure oder Thioctsäure in Anhang I und II.
  • 25.10.2026, Entscheidung q053 (Tilman: „ohne Angabe = Racemat“): Abstracts [5]–[10] und [12] per PubMed efetch erneut gelesen; keines nennt eine andere Form als „alpha-lipoic acid“. Volltext [9] (PMC11969596): die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien verwendete racemische Alpha-Liponsäure. Volltext [12] (PMC3272801) nach Formangaben durchsucht: keine Angabe zu Racemat oder R-Form. Geändert: Abnehmen 0 · nicht untersucht → 4 · kleiner Nutzen; Blutzucker (Gesunde, Übergewicht) 0 · nicht untersucht → 4 · kein Nutzen; neues Versprechen Blutzucker bei Stoffwechselerkrankungen 4 · uneinheitlich; Polyneuropathie-Schmerz 4 · nicht untersucht → 4 · kleiner Nutzen; systeme insulin_glukose erweitert, lipidstoffwechsel wieder aufgenommen. Nur Abstract geprüft: [6], [7], [8], [10].
  • 26.10.2026, Entscheidung n013 (Tilman, Bogen 2; Prüfbericht docs/pruefberichte/rechtsstatus-e20.md, Frage 3 und Block A): kategorie Supplement beibehalten, Arzneistoff-Hinweis (oral und parenteral) in status.deutschland.
  • 26.10.2026, AMIce selbst abgefragt (eigene Sitzung, öffentlicher Teil): Stoffname „Thioctsäure“ (Wirkstoff, Human, verkehrsfähig) 30 Treffer, oral und parenteral (Filter schließt erloschene Dokumente nicht sicher aus, deshalb keine Zahl im Status). Dokumentanzeigen gelesen: Thioctacid 600 HR (Viatris, 6372026.01.00, verlängert, apothekenpflichtig, Wirkstoff Thioctsäure) und Berlithion 600 mg Infusionslösungskonzentrat (Berlin-Chemie, 47488.00.00, verlängert, apothekenpflichtig, Wirkstoff Thioctsäure-Ethan-1,2-diamin-Salz entsprechend Thioctsäure); Anwendungsgebiet jeweils Missempfindungen bei diabetischer Polyneuropathie [18].
  • 26.10.2026, Novel-Food-Katalog (Backend-Export, 979 Einträge) selbst durchsucht: „thioct“, „lipoic“, „Liponsäure“ ohne Treffer [19].

Nicht verifiziert

  • Form der Präparate in [5], [6], [7], [8], [9], [10] und [12] (Abstracts bzw. Volltexte [5], [9], [12] ohne Angabe einer anderen Form); sie zählen nach der Ausnahme für Thioctsäure als Racemat. Einzelstudien der Metaanalysen wurden nicht auf ihre Präparate geprüft.
  • Dass Thioctacid HR racemische Thioctsäure enthält, ist nur über [4] (Thioctsäure als Racemat, Präparat von ASTA Medica) erschlossen; die Fachinformation wurde nicht gelesen.
  • Interessenkonflikte in SYDNEY 2 [10] (Volltext nicht frei zugänglich).
  • Lebensmittelrechtliche Einstufung (kein Katalog- und kein Unionslisteneintrag; rechtlich unklar, Prüfweg Konsultation nach Art. 4 VO (EU) 2015/2283 oder Anfrage BVL/Landesbehörde). Anhang II RL 2002/46/EG nicht neu geprüft.
  • Zusammensetzung der Population in [7] (Abstract ohne Eingrenzung).

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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