Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Wirkweise
Evidenzkarte: Centrophenoxin
Centrophenoxin ist ein Ester aus Deanol (Dimethylaminoethanol) und p-Chlorphenoxyessigsäure. Bei Ratten erhöhte es den Cholingehalt im Gehirn stark, im Hippocampus auch den Acetylcholin-Spiegel; Deanol allein wirkte etwa halb so stark, die Säure gar nicht. Ein Effekt auf den Acetylcholin-Umsatz ließ sich jedoch nicht durchgängig nachweisen [1]. Im menschlichen Plasma zerfällt Meclofenoxat rasch, teils spontan, teils durch Esterasen [2].
Der zweite Forschungsstrang betrifft das Altern. Bei alten Mäusen lernten behandelte Tiere eine Labyrinthaufgabe mit weniger Versuchen, und in Hirnrinde und Hippocampus fand sich weniger Lipofuscin, ein Pigment, das sich mit dem Alter in Nervenzellen ansammelt [3]. Bei Ratten stiegen unter Centrophenoxin die Aktivitäten antioxidativer Enzyme wie Superoxiddismutase und Glutathionperoxidase im Gehirn, und Lipofuscin nahm ab [4]. Im Reagenzglas verringerte Meclofenoxat die Verklumpung von α-Synuclein, dem Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen bei Parkinson [5].
Beim Menschen gibt es fast nur ältere, kleine Studien. In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 50 Menschen mit mittelgradiger Demenz in einem Altenheim verbesserte sich das Gedächtnis bei 48 % der Behandelten gegenüber 28 % unter Placebo [6]. Eine doppelblinde Studie an rüstigen älteren Menschen fand eine bessere Übertragung neuer Information ins Langzeitgedächtnis, aber keinen Effekt auf andere Gedächtnisaspekte [7]. Heute taucht Centrophenoxin vor allem in frei verkauften „Nootropika“ auf: In den USA enthielt es jedes von sieben untersuchten Produkten, aber nur eines nannte die Menge annähernd richtig [8].
Eingeordnet am Wirkort Zelle mit Mitochondrium, Glutathion-Zyklus, Keap1–Nrf2 und Plasmamembran; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: nur ein Tierbefund (Rattenhirn).
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Cholin-Vorrat im Gehirn (über Deanol) | Sonstiges | Freisetzung | Tierversuch[1] | |
| Antioxidative Enzyme (SOD, Glutathionperoxidase, -reduktase) | Enzym | Aktivator | Tierversuch[4] | |
| α-Synuclein-Aggregation | Sonstiges | Hemmer | Labor[5] |
Wirkprofil
- Dopaminlaut Hintergrund einer Laborarbeit in Parkinson-Tiermodellen erhöht; nicht selbst geprüft[5]
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholinmehr Cholin im Rattenhirn, im Hippocampus mehr Acetylcholin; Umsatz nicht durchgängig verändert[1]
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativantioxidative Enzyme aktiver, weniger Lipofuscin (alternde Ratten und Mäuse)[3][4]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Studien am Menschen
Mittelgradige Demenz im Altenheim
Gemessen: Nürnberger Alters-Inventar (Gedächtnis)
Ergebnis: Gedächtnisverbesserung bei 48 % vs. 28 % unter Placebo; halbquantitative Auswertung.[6]
Mensch, randomisiert
Gedächtnis bei rüstigen älteren Menschen
Gemessen: verschiedene Gedächtnismaße
Ergebnis: Bessere Festigung neuer Information im Langzeitgedächtnis, andere Gedächtnisaspekte unverändert; mehr berichtete geistige Wachheit.[7]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Falsch deklarierte Nahrungsergänzungsmittel
In sieben US-Produkten war Centrophenoxin enthalten, aber nur eines gab die Menge innerhalb von ±10 % richtig an; die FDA hat den Wirkstoff nicht zugelassen [8].
Keine Daten
Kaum moderne Sicherheitsdaten
Die Humanstudien sind klein und alt; eine RCT bei Demenz beschreibt das Mittel als gut verträglich [6]. Systematische Sicherheitsdaten nach heutigen Standards fehlen.
Mensch, randomisiert
Rechtlicher Status
Laut Übersicht in der EU kein zugelassener Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln [9].
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- teilweise belegt
„Centrophenoxin entfernt Lipofuscin und verjüngt das Gehirn“
Weniger Lipofuscin bei alten Mäusen und Ratten [3][4]; beim Menschen nicht untersucht, und ob weniger Lipofuscin die Hirnfunktion verbessert, ist offen.
- teilweise belegt
„Centrophenoxin verbessert das Gedächtnis bei Gesunden“
Eine alte doppelblinde Studie an rüstigen älteren Menschen fand nur eine bessere Festigung ins Langzeitgedächtnis [7]; Bestätigungen fehlen.
- teilweise belegt
„Centrophenoxin ist eine starke Cholinquelle für Acetylcholin“
Bei Ratten mehr Cholin und im Hippocampus mehr Acetylcholin, aber kein durchgängig erhöhter Acetylcholin-Umsatz [1].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Nicht verifiziert.
- Halbwertszeit
- Im menschlichen Plasma rasche Spaltung (spontan und durch Esterasen) [2].
- Abbau
- Spaltung in Deanol und p-Chlorphenoxyessigsäure [1][2].
- Weg ins Gehirn
- Erhöht Cholin im Rattenhirn [1].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Früher als Arzneimittel (Helfergin) erhältlich, in einer Studie von 1989 verwendet [6]; aktueller Status nicht verifiziert.
- EU
- Laut einer Übersicht ein früher registriertes Arzneimittel, das heute als nicht zugelassener Bestandteil in „Nootropika“-Nahrungsergänzungsmitteln auftaucht [9].
- USA
- Von der FDA für keine Indikation zugelassen; in Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen [8].
- Andere Länder
- China und andere Länder: verschrieben, u. a. bei Alkoholabhängigkeit und Demenz [8].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Bestätigen moderne, ausreichend große RCTs eine Wirkung auf das Gedächtnis?
- Welcher Spaltprodukt-Anteil (Deanol oder p-Chlorphenoxyessigsäure) erreicht beim Menschen das Gehirn?
- Ist die Verringerung von Lipofuscin funktionell bedeutsam?
Referenzen
- Wood PL, Péloquin A. Increases in choline levels in rat brain elicited by meclofenoxate. Neuropharmacology. 1982;21(4):349–54. doi:10.1016/0028-3908(82)90099-5 · PubMed
- Yoshioka S, Aso Y, Uchiyama M. Kinetics of hydrolysis of meclofenoxate hydrochloride in human plasma. J Pharm Pharmacol. 1987;39(3):215–8. doi:10.1111/j.2042-7158.1987.tb06251.x · PubMed
- Nandy K. Centrophenoxine: effects on aging mammalian brain. J Am Geriatr Soc. 1978;26(2):74–81. doi:10.1111/j.1532-5415.1978.tb02544.x · PubMed
- Roy D, Pathak DN, Singh R. Effect of centrophenoxine on the antioxidative enzymes in various regions of the aging rat brain. Exp Gerontol. 1983;18(3):185–97. doi:10.1016/0531-5565(83)90031-1 · PubMed
- Parui A, Biswas S, Roy I. Meclofenoxate inhibits aggregation of alpha-synuclein in vitro. Protein Pept Lett. 2023;30(5):361–6. doi:10.2174/0929866530666230307113055 · PubMed
- Pék G, Fülöp T, Zs-Nagy I. Gerontopsychological studies using NAI (‘Nürnberger Alters-Inventar’) on patients with organic psychosyndrome (DSM III, Category 1) treated with centrophenoxine in a double blind, comparative, randomized clinical trial. Arch Gerontol Geriatr. 1989;9(1):17–30. doi:10.1016/0167-4943(89)90021-6 · PubMed
- Marcer D, Hopkins SM. The differential effects of meclofenoxate on memory loss in the elderly. Age Ageing. 1977;6(2):123–31. doi:10.1093/ageing/6.2.123 · PubMed
- Cohen PA, Avula B, Khan I. The unapproved drug centrophenoxine (meclofenoxate) in cognitive enhancement dietary supplements. Clin Toxicol (Phila). 2022;60(10):1156–8. doi:10.1080/15563650.2022.2109485 · PubMed
- Jędrejko K, Catlin O, Stewart T, Anderson A, Muszyńska B, Catlin DH. Unauthorized ingredients in “nootropic” dietary supplements: a review of the history, pharmacology, prevalence, international regulations, and potential as doping agents. Drug Test Anal. 2023;15(8):803–39. doi:10.1002/dta.3529 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle DOIs über Crossref aufgelöst, PMIDs passen zu den DOIs.
- Am Abstract: Ester aus Deanol und p-Chlorphenoxyessigsäure, Cholin und Acetylcholin, kein durchgängiger Umsatzeffekt [1]; rasche Hydrolyse im Plasma [2]; Lipofuscin und T-Labyrinth bei alten Mäusen [3]; SOD, GPx, GR, Lipofuscin [4]; α-Synuclein [5]; 50 Personen, 48 % vs. 28 %, Präparat Helfergin (Promonta, Hamburg) [6]; rüstige Ältere, Langzeitgedächtnis [7]; FDA nicht zugelassen, China, 7 Produkte, 1 von 7 korrekt [8]; „previously registered drugs like meclofenoxate“ [9].
- ClinicalTrials.gov: 1 Eintrag zu Meclofenoxat (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Aktueller Zulassungsstatus in Deutschland und der EU nicht in Registern geprüft; ob [9] mit „registered“ die EU meint, ist aus dem Abstract nicht eindeutig.
- Fallzahl, Vergleichsgruppe und Dauer von [7] im Abstract nicht angegeben.
- Weitere ältere deutsch- und russischsprachige Studien (z. B. PMID 6405290, ohne Abstract) wurden nicht ausgewertet.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
Fehler gefunden oder etwas vermisst?
Wünsch dir einen Wirkstoff, schlag eine Verbesserung vor oder melde einen Fehler. Jede Rückmeldung wird gelesen.
Die Website speichert nichts. Der Button öffnet dein E-Mail-Programm mit einer vorbereiteten Nachricht.