Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Senkt Depressivität über die Darm-Hirn-Achse

    Einzelbefund, unbestätigt

    Stimmung & Stress · Patienten: Reizdarm mit leichter bis mittlerer Angst oder Depression · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    In der Pilotstudie an 44 Personen erreichten 14 von 22 gegenüber 7 von 22 unter Placebo einen Rückgang des Depressionswerts um mindestens zwei Punkte (p = 0,04), begleitet von schwächerer Amygdala-Reaktion [3]. Ein Fachkommentar hielt das Ergebnis für statistisch fragil [4]. Eine Replikation an derselben Zielgröße fehlt; in der Schwangerschaftsstudie mit 184 Teilnehmenden gab es keinen Effekt auf Depressions- und Angstwerte [7]. Tragend ist allein die Pilotstudie [3]; die Schwangerschaftsstudie [7] betrifft eine andere Population. Beleg für „kleine Studien“: 44 Teilnehmende [3]. Beleg für „vom Hersteller finanziert“: Autorinnen und Autoren laut Affiliation beim Nestlé Institute of Health Sciences und beim Nestlé Research Center [3].

  • Hilft gegen Angst

    kein Nutzen

    Stimmung & Stress · Patienten: Reizdarm · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    In der Pilotstudie änderten sich die Angstwerte nicht, obwohl die Depressionswerte sanken [3]. In der Schwangerschaftsstudie unterschied sich der STAI nicht von Placebo [7]. Der angstlösende Befund stammt aus dem Mausmodell (Stufe 2) [1]. Tragend ist allein die Pilotstudie [3]; [7] betrifft Schwangere. Beleg für „kleine Studien“: 44 Teilnehmende [3]. Beleg für „vom Hersteller finanziert“: Autorinnen und Autoren laut Affiliation bei Nestlé [3].

  • Lindert Reizdarmbeschwerden

    kein Nutzen

    Verdauung & Darm · Patienten: Reizdarm · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    In der einzigen Studie an Menschen mit Reizdarm hatte der Stamm keinen signifikanten Effekt auf die Reizdarmsymptome; verbessert waren nur der Depressionswert und die Lebensqualität [3]. Die positiven Reizdarmdaten zu Bifidobacterium longum 35624 betreffen einen anderen Stamm und zählen hier nicht [8]. Beleg für „kleine Studien“: 44 Teilnehmende [3]. Beleg für „vom Hersteller finanziert“: Autorinnen und Autoren laut Affiliation bei Nestlé [3].

  • Schützt vor Depression in Schwangerschaft und Wochenbett

    kein Nutzen

    Schwangerschaft & Fruchtbarkeit · gesund (Schwangere und nach der Geburt) · Mensch, randomisiert vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    In der dreiarmigen Studie an 184 Schwangeren (Einnahme ab etwa der 30. Woche oder erst nach der Geburt) unterschieden sich EPDS- und STAI-Werte nicht von Placebo. Die Werte streuten stark, und der Stamm war nach der Intervention nicht bei allen Teilnehmenden nachweisbar [7]. Beleg für „vom Hersteller finanziert“: laut Interessenangabe sind zehn Autorinnen und Autoren bei der Société des Produits Nestlé beschäftigt [7].

  • Senkt Stress bei Gesunden

    Einzelbefund, unbestätigt

    Stimmung & Stress · gesund (leichter bis mittlerer Stress) · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an 45 Erwachsenen mit leichtem bis mittlerem Stress waren der wahrgenommene Stress und die subjektive Schlafqualität nach sechs Wochen besser als unter Placebo [6]. Die Arbeit ist ausdrücklich explorativ, die Teilnehmerzahl klein, und fast alle Autorinnen und Autoren sind beim Hersteller angestellt. Der Cortisolbefund spricht nicht für den Stamm: Die Aufwachreaktion änderte sich nicht, und die Cortisolantwort auf einen Stresstest ging unter Placebo stärker zurück. Eine Replikation fehlt.

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

vom Hersteller finanziert: Alle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

Wirkweise

Evidenzkarte: Bifidobacterium longum NCC3001

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Der Mechanismus dieses Stamms ist der am besten ausgearbeitete Vagusbefund der Darm-Hirn-Forschung – allerdings an Mäusen und damit Evidenzstufe 2. In einem Modell chemisch ausgelöster Darmentzündung normalisierte Bifidobacterium longum NCC3001 das angstartige Verhalten, ohne die Entzündung selbst zu beeinflussen; bei Tieren, deren Vagusnerv unterhalb des Zwerchfells durchtrennt war, blieb die Wirkung aus. Metabolite des Stamms veränderten die BDNF-Bildung in Nervenzellkultur nicht, senkten aber die Erregbarkeit von Darmnervenzellen [1]. Dieser zweite Befund wurde in einer eigenen Arbeit ausgearbeitet: Der Kulturüberstand senkte an sensiblen AH-Neuronen des Mausdarms die Zahl der Aktionspotenziale, den Eingangswiderstand und den hyperpolarisationsaktivierten Kationenstrom, was auf geöffnete Kaliumkanäle und geschlossene HCN-Kanäle hindeutet [2]. Daraus ergibt sich das Bild: Der Stamm wirkt nicht über das Immunsystem, sondern über die sensible Verschaltung im Darm, die ihr Signal über den Vagus weitergibt.

Beim Menschen gibt es eine Pilotstudie an 44 Erwachsenen mit Reizdarm (Durchfall- oder Mischtyp) und leichter bis mittlerer Angst oder Depression. Nach sechs Wochen hatten 14 von 22 Personen in der Probiotikumgruppe einen Rückgang des Depressionswerts der Hospital Anxiety and Depression Scale um mindestens zwei Punkte, gegenüber 7 von 22 unter Placebo (p = 0,04). Angst und Reizdarmsymptome unterschieden sich nicht; die Lebensqualität war besser. In der funktionellen Magnetresonanztomografie reagierten Amygdala und fronto-limbische Regionen schwächer auf negative Gefühlsreize. Stuhlmikrobiota, Entzündungsmarker, Neurotransmitter und Neurotrophine unterschieden sich nicht; im Urin waren Methylamine und Abbauprodukte aromatischer Aminosäuren niedriger. Vier Wochen nach Ende der Einnahme war der Depressionsvorteil noch messbar [3]. Ein Fachkommentar wies auf die statistische Fragilität dieses Ergebnisses hin [4]; die Studie selbst ist als Pilotstudie angelegt und wurde von Mitarbeitenden eines Lebensmittelkonzerns mitverfasst.

Eine spätere Stoffwechselanalyse derselben Studie fand bei den Teilnehmenden, bei denen der Stamm im Stuhl reichlich nachweisbar war, eine stärkere Besserung von Angst und Depression sowie eine geringere Amygdala-Aktivierung; parallel stiegen Buttersäure, Tryptophan, N-Acetyltryptophan, glycinkonjugierte Gallensäuren und freie Fettsäuren im Plasma, und die Buttersäurekonzentration korrelierte mit den klinischen Maßen [5]. Das sind Zusammenhänge innerhalb einer kleinen Gruppe, kein Wirknachweis; die Autorenschaft liegt überwiegend beim Hersteller.

Bei Gesunden gibt es eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 45 Erwachsenen mit leichtem bis mittlerem Stress, die den Stamm sechs Wochen lang einnahmen. Der wahrgenommene Stress und die subjektive Schlafqualität waren besser als unter Placebo. Beim Cortisol im Speichel spricht der Befund nicht für den Stamm: Die Aufwachreaktion änderte sich nicht, und die Cortisolantwort auf einen standardisierten Stresstest ging in der Placebogruppe stärker zurück als in der Probiotikumgruppe. Die Arbeit ist von den Autorinnen und Autoren selbst als explorativ bezeichnet, und fast alle sind bei einem Lebensmittelkonzern angestellt [6].

Gegen die psychische Wirkung spricht die bislang größte Studie: In einer dreiarmigen, doppelblinden Studie an 184 Schwangeren (Einnahme ab etwa der 30. Woche bis zwölf Wochen nach der Geburt oder nur nach der Geburt) unterschieden sich Depressions- und Angstwerte nach EPDS und STAI nicht von Placebo. Bemerkenswert ist der Zusatz der Autorinnen und Autoren, dass der Stamm nach der Intervention nicht bei allen Teilnehmenden der Verumgruppe nachweisbar war; die meisten von ihnen sind beim Hersteller angestellt [7].

Der Stamm wird gelegentlich mit Bifidobacterium longum 35624 (früher „Bifidobacterium infantis 35624“) verwechselt, dem Reizdarm-Stamm eines anderen Herstellers. Das sind verschiedene Stämme: Für 35624 liegen eigene Reizdarmstudien vor: Eine stammspezifische Metaanalyse von 2026 bescheinigt diesem Stamm eine Wirkung auf Reizdarmbeschwerden, NCC3001 ist dort nicht vertreten [8]. Diese Daten gelten nicht für NCC3001 und umgekehrt. Ebenso ist die Neuordnung der Gattung Lactobacillus ohne Bedeutung für Bifidobakterien [9], während bei Bifidobacterium longum die Unterteilung in Unterarten (longum, infantis, suis) zu beachten ist [10].

Zur Besiedlung: Stuhlnachweise sagen nichts über die Darmschleimhaut, und die Besiedlung ist individuell und meist vorübergehend [11] – was zu dem Befund passt, dass der Stamm in der Schwangerschaftsstudie nicht bei allen nachweisbar war [7]. Fallberichte zu Bakteriämien mit Bifidobakterien betreffen vor allem Frühgeborene und schwer kranke Menschen [12]; die EFSA hat den QPS-Status der betroffenen Arten 2026 nicht geändert [13]. Rechtlich ist der Stamm nicht in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel geführt [14], und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht [15].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Sensible AH-Neuronen des Plexus myentericusIonenkanalnegativer Modulator Tierversuch[1][2]
Vagusafferenzen (subdiaphragmal)StrukturAktivator Tierversuch[1]
Amygdala und fronto-limbische Regionen (Reaktion auf negative Reize)Strukturnegativer Modulator Mensch, randomisiert[3]
Buttersäure im PlasmaSonstigesSpiegel ↑ Mensch, randomisiert[5]
Tryptophan und N-Acetyltryptophan im PlasmaSonstigesSpiegel ↑ Mensch, randomisiert[5]
Glycinkonjugierte Gallensäuren im PlasmaSonstigesSpiegel ↑ Mensch, randomisiert[5]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekein Effekt · Neurotrophine im Serum unverändert; Metabolite des Stamms änderten die BDNF-mRNA in Nervenzellkultur nicht[1][3]
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkein Effekt · Entzündungsmarker im Serum unverändert; im Mausmodell blieb auch die Darmentzündung selbst unbeeinflusst[1][3]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Darmbarrierekeine Daten
  • Mikrobiomkein Effekt · Zusammensetzung der Stuhlmikrobiota unverändert; der Stamm war nach der Intervention nicht bei allen Teilnehmenden nachweisbar[3][7]
  • Kurzkettige Fettsäuren↑ · Buttersäure im Plasma höher und mit den klinischen Maßen korreliert; Zusammenhangsanalyse einer kleinen Studie, kein Wirknachweis[5]
  • Gallensäuren↑ · glycinkonjugierte Gallensäuren im Plasma höher (Stoffwechselanalyse derselben Pilotstudie)[5]
  • Darmhormonekeine Daten
  • Darm-Hirn-Achsemoduliert · Mensch: schwächere Amygdala-Reaktion auf negative Reize bei Reizdarm; Maus: angstlösend nur bei intaktem Vagus, Erregbarkeit sensibler Darmneuronen gesenkt[1][2][3]
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · lebende Bakterien als Pulver oder Kapsel

    In allen drei Humanstudien oral. Der Nachweis im Stuhl gelang nicht bei allen Teilnehmenden [7]; dort, wo er reichlich gelang, waren die klinischen Maße besser – ein Zusammenhang, kein Wirknachweis [5]. Stuhlnachweise sagen nichts über die Schleimhaut [11].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Reizdarm mit Angst oder Depression (Pilotstudie)

    randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Reizdarm (Durchfall- oder Mischtyp) mit leichter bis mittlerer Angst oder Depression · n = 44 · 6 Wochen Einnahme, Nachbeobachtung bis Woche 10

    Gemessen: Angst und Depression (HADS), Reizdarmsymptome, Lebensqualität, funktionelle Magnetresonanztomografie, Mikrobiota, Metabolom

    Ergebnis: Depressionswert besser (14 von 22 gegenüber 7 von 22, p = 0,04), Angst und Reizdarmsymptome unverändert, Lebensqualität besser, schwächere Amygdala-Reaktion auf negative Reize; Mikrobiota, Entzündungsmarker und Neurotrophine unverändert.[3]

    Mensch, randomisiert

  • Stoffwechselanalyse derselben Pilotstudie

    Nachanalyse einer randomisierten Studie · Patienten: Reizdarm ohne Verstopfung · n = 35 · 6 Wochen

    Gemessen: Plasmametabolite, Nachweis des Stamms im Stuhl, Amygdala-Aktivierung

    Ergebnis: Reichlicher Stuhlnachweis ging mit besseren Angst- und Depressionswerten und geringerer Amygdala-Aktivierung einher; Buttersäure, Tryptophan und glycinkonjugierte Gallensäuren im Plasma höher. Autorenschaft überwiegend beim Hersteller.[5]

    Mensch, randomisiert

  • Stimmung in Schwangerschaft und Wochenbett (PROMOTE)

    randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, drei Arme · Patienten: Schwangere und Frauen nach der Geburt · n = 184 · ab etwa 30. Schwangerschaftswoche bzw. ab Geburt bis 12 Wochen nach der Geburt

    Gemessen: Depressions- und Angstsymptome (EPDS, STAI)

    Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo in irgendeinem Stimmungsmaß; starke Streuung der Werte; der Stamm war nicht bei allen Teilnehmenden der Verumgruppe nachweisbar.[7]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Bakteriämie bei Risikogruppen

    Zu NCC3001 selbst gibt es keine Fallberichte. Die EFSA fasst 2026 die Datenlage für Bifidobacterium spp. zusammen: Bei 9 von 2109 Frühgeborenen, die über mehr als zehn Jahre Mehrstamm-Präparate erhielten, traten Bakteriämien mit Bifidobakterien auf (0,4 %), ohne zugeschriebenen Todesfall; dazu kommt ein Fall bei einem 80-jährigen Mann mit mehreren Vorerkrankungen, der kein Probiotikum eingenommen hatte. Der QPS-Status der Arten blieb unverändert [12]. Die sechs beschriebenen Fälle auf einer Neugeborenen-Intensivstation betreffen Bifidobacterium breve, also eine andere Art [11].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Herstellerbeteiligung und kleine Fallzahl

    Die positive Pilotstudie und ihre Stoffwechselanalyse wurden von Beschäftigten eines Lebensmittelkonzerns mitverfasst [3][5], ebenso die Schwangerschaftsstudie [7]. Die Pilotstudie umfasste 44 Personen, und ein Fachkommentar hielt das Ergebnis für statistisch fragil [4].

    Keine Daten

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Der Stamm siedelt sich dauerhaft im Darm an“

    In der Schwangerschaftsstudie war der Stamm nach der Einnahme nicht bei allen Teilnehmenden nachweisbar [7]. Die Besiedlung der Darmschleimhaut ist individuell und meist vorübergehend; Keime im Stuhl sagen nichts über die Schleimhaut [11].

  • teilweise belegt

    „Dieser Stamm wirkt über den Vagusnerv auf das Gehirn“

    Die Vagusabhängigkeit ist bei Mäusen gezeigt: Nach Durchtrennung des Vagus blieb die angstlösende Wirkung aus [1], und der Kulturüberstand senkte die Erregbarkeit sensibler Darmneuronen [2]. Beim Menschen wurde der Vagus nicht untersucht; dort gibt es nur die veränderte Amygdala-Reaktion [3]. Mausbefunde zur Darm-Hirn-Achse sind Evidenzstufe 2.

  • widerlegt

    „Es ist derselbe Stamm wie der bekannte Reizdarm-Stamm 35624 (früher B. infantis 35624)“

    Das sind zwei verschiedene Stämme verschiedener Hersteller. Die Studien zu 35624, darunter eine stammspezifische Metaanalyse mit positivem Reizdarmergebnis, gelten nicht für NCC3001 [8].

  • nicht belegt

    „Der Stamm hilft gegen Reizdarmbeschwerden“

    In der einzigen Studie an Menschen mit Reizdarm blieben die Darmsymptome unverändert; verbessert waren nur Depressionswert und Lebensqualität [3].

  • nicht belegt

    „Was für Bifidobacterium longum gilt, gilt auch für NCC3001“

    Wirkungen sind stammspezifisch. Für den Stamm 35624 derselben Art bescheinigt eine stammspezifische Metaanalyse eine Wirkung bei Reizdarm, für NCC3001 nicht [7]; umgekehrt gelten die Darm-Hirn-Befunde zu NCC3001 nicht für andere longum-Stämme. Zu beachten ist zudem die Unterteilung der Art in Unterarten [10].

Rechtlicher Status

Deutschland
nicht verifiziert (AMIce/PharmNet und Marktstatus nicht geprüft); eine Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel wird hier nicht getroffen.
EU
Kein Eintrag zu Bifidobacterium-longum-Stämmen in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [14]. Nach VO (EU) Nr. 432/2012 gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu diesem Stamm [15]. Ob „probiotisch“ als Angabe zulässig ist, wurde nicht geprüft. Bifidobacterium longum (Synonym B. infantis) gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09426, Abruf 26.10.2026) [16]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Bifidobacterium longum mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [17]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
USA
nicht verifiziert
Andere Länder
nicht verifiziert

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Lässt sich der Depressionsbefund der Pilotstudie in einer ausreichend großen, unabhängigen Studie wiederholen?
  • Ist die Buttersäure im Plasma Ursache oder Begleiterscheinung der Besserung?
  • Warum war der Stamm bei einem Teil der Teilnehmenden im Stuhl nicht nachweisbar, und hängt das mit dem Ausbleiben der Wirkung zusammen?
  • Gibt es beim Menschen einen Hinweis auf die vagale Vermittlung, etwa über Herzfrequenzvariabilität oder Befunde bei vagotomierten Personen?

Referenzen

  1. Bercik P, Park AJ, Sinclair D, Khoshdel A, Lu J, Huang X, et al. The anxiolytic effect of Bifidobacterium longum NCC3001 involves vagal pathways for gut-brain communication. Neurogastroenterol Motil. 2011;23(12):1132–9. doi:10.1111/j.1365-2982.2011.01796.x · PubMed
  2. Khoshdel A, Verdu EF, Kunze W, McLean P, Bergonzelli G, Huizinga JD. Bifidobacterium longum NCC3001 inhibits AH neuron excitability. Neurogastroenterol Motil. 2013;25(7):e478–84. doi:10.1111/nmo.12147 · PubMed
  3. Pinto-Sanchez MI, Hall GB, Ghajar K, Nardelli A, Bolino C, Lau JT, et al. Probiotic Bifidobacterium longum NCC3001 reduces depression scores and alters brain activity: a pilot study in patients with irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2017;153(2):448–459.e8. doi:10.1053/j.gastro.2017.05.003 · PubMed
  4. Meyer C, Vassar M. The fragility of probiotic Bifidobacterium longum NCC3001 use for depression in patients with irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2018;154(3):764. doi:10.1053/j.gastro.2017.09.055 · PubMed
  5. Martin FP, Cominetti O, Berger B, Combremont S, Marquis J, Xie G, et al. Metabolome-associated psychological comorbidities improvement in irritable bowel syndrome patients receiving a probiotic. Gut Microbes. 2024;16(1):2347715. doi:10.1080/19490976.2024.2347715 · PubMed
  6. Boehme M, Rémond-Derbez N, Lerond C, Lavalle L, Keddani S, Steinmann M, et al. Bifidobacterium longum subsp. longum reduces perceived psychological stress in healthy adults: an exploratory clinical trial. Nutrients. 2023;15(14):3122. doi:10.3390/nu15143122 · PubMed
  7. Fries LR, Boehme M, Lavalle L, Sakwinska O, Chughlay F, Keddani S, et al. The impact of ingestion of Bifidobacterium longum NCC3001 on perinatal anxiety and depressive symptoms: a randomized controlled trial. Sci Rep. 2025;15(1):11250. doi:10.1038/s41598-025-95651-1 · PubMed
  8. Maslennikov R, Gosteeva E, Ananeva V, Korshunova L, Kravtsowa A, Poluektova E, et al. Strain-specific systematic review with meta-analysis of probiotics efficacy in the treatment of irritable bowel syndrome. J Clin Med. 2026;15(3):1152. doi:10.3390/jcm15031152 · PubMed
  9. Zheng J, Wittouck S, Salvetti E, Franz CMAP, Harris HMB, Mattarelli P, et al. A taxonomic note on the genus Lactobacillus: description of 23 novel genera, emended description of the genus Lactobacillus Beijerinck 1901, and union of Lactobacillaceae and Leuconostocaceae. Int J Syst Evol Microbiol. 2020;70(4):2782–858. doi:10.1099/ijsem.0.004107 · PubMed
  10. Mattarelli P, Bonaparte C, Pot B, Biavati B. Proposal to reclassify the three biotypes of Bifidobacterium longum as three subspecies: Bifidobacterium longum subsp. longum subsp. nov., Bifidobacterium longum subsp. infantis comb. nov. and Bifidobacterium longum subsp. suis comb. nov. Int J Syst Evol Microbiol. 2008;58(Pt 4):767–72. doi:10.1099/ijs.0.65319-0 · PubMed
  11. Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J, Mor U, Dori-Bachash M, Bashiardes S, et al. Personalized gut mucosal colonization resistance to empiric probiotics is associated with unique host and microbiome features. Cell. 2018;174(6):1388–1405.e21. doi:10.1016/j.cell.2018.08.041 · PubMed
  12. Sakurai Y, Watanabe T, Miura Y, Uchida T, Suda N, Yoshida M, et al. Clinical and bacteriologic characteristics of six cases of Bifidobacterium breve bacteremia due to probiotic administration in the neonatal intensive care unit. Pediatr Infect Dis J. 2022;41(1):62–5. doi:10.1097/INF.0000000000003232 · PubMed
  13. EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ), Allende A, Alvarez-Ordóñez A, Bortolaia V, Bover-Cid S, De Cesare A, et al. Update of the list of qualified presumption of safety (QPS) recommended microbiological agents intentionally added to food or feed as notified to EFSA 23: suitability of taxonomic units notified to EFSA until September 2025. EFSA J. 2026;24(1):e9824. doi:10.2903/j.efsa.2026.9824 · PubMed
  14. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810); abgerufen am 24.10.2026.
  15. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Konsolidierte Fassung vom 17.05.2021 (CELEX 02012R0432-20210517); abgerufen am 24.10.2026.
  16. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: Bifidobacterium longum [Datenbank]. POL-NF-09426, letzte Änderung 26.01.2024 [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
  17. EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ). Updated list of QPS-recommended microorganisms for safety risk assessments carried out by EFSA. Appendix E – Updated list of QPS recommended biological agents (Panel Statement 24, Juni 2026), Blätter „QPS List“ und „Excluded from QPS“ [Datensatz]. Zenodo; Version vom 17.09.2026 [zitiert 26.10.2026]. doi:10.5281/zenodo.22812707 doi:10.5281/zenodo.22812707
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Zahlen an Abstracts geprüft: n = 44, 14 von 22 gegenüber 7 von 22, p = 0,04, fehlender Effekt auf Angst und Reizdarmsymptome [3]; n = 184, drei Arme, kein Stimmungseffekt, Stamm nicht bei allen nachweisbar [7]; Metabolitbefunde und Gruppengrößen 16 gegen 19 [5].
  • Mausbefunde: Vagotomie hebt die angstlösende Wirkung auf, Entzündung unbeeinflusst, BDNF-mRNA in Zellkultur unverändert [1]; Senkung der AH-Neuron-Erregbarkeit mit Kalium- und HCN-Kanal-Deutung [2]. Beide als Evidenzstufe 2 eingetragen.
  • Interessenkonflikte in den COI-Angaben: Beschäftigte eines Lebensmittelkonzerns als Mitautorinnen und Mitautoren in [5] und [7].
  • Rechtsstatus: konsolidierte Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810) selbst abgerufen und durchsucht, 0 Treffer für Bifidobacterium-Stämme [14]; konsolidierte VO (EU) Nr. 432/2012 durchsucht, keine Angabe zu diesem Stamm [15].
  • Abgrenzung zu Bifidobacterium longum 35624 geprüft: verschiedene Stämme; die Unterartengliederung von B. longum ist belegt [10].
  • Studie an Gesunden [6] am Abstract geprüft: randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind, 45 Erwachsene mit leichtem bis mittlerem Stress, 6 Wochen; wahrgenommener Stress und subjektive Schlafqualität besser als unter Placebo, Cortisol-Aufwachreaktion unverändert, Rückgang der Cortisol-Stressantwort in der Placebogruppe stärker. Laut COI-Angabe sind 13 der 16 Autorinnen und Autoren bei Société des Produits Nestlé angestellt.
  • Risikoangaben am EFSA-Volltext geprüft (PMC12824592): Für Bifidobacterium spp. nennt das Update 2026 Bakteriämien bei 9 von 2109 Frühgeborenen unter Mehrstamm-Präparaten und einen Fall bei einem 80-jährigen Mann ohne Probiotikumeinnahme; der QPS-Status blieb unverändert.
  • Präzisions-Flags (m004; Regeln Leitfaden 26.10.2026; Teilnehmendenzahlen, Richtung und Finanzierung am 26.10.2026 per PubMed efetch an Abstract, COI-Angabe und Affiliationen geprüft): „Senkt Depressivität“, „Hilft gegen Angst“ und „Lindert Reizdarmbeschwerden“: tragend jeweils [3] (Population Reizdarm; [7] betrifft Schwangere, [8] einen anderen Stamm); kleine_studien – [3] 44; herstellerfinanziert – [3] Affiliationen Nestlé Institute of Health Sciences und Nestlé Research Center. „Schützt vor Depression in Schwangerschaft und Wochenbett“: herstellerfinanziert – [7] COI: zehn Autorinnen/Autoren Beschäftigte der Société des Produits Nestlé. „Senkt Stress bei Gesunden“: kleine_studien – [6] 45; herstellerfinanziert – [6] COI: Beschäftigte der Société des Produits Nestlé.
  • 26.10.2026, Gegenprüfung der Präzisions-Flags (m004): Belege für die gesetzten Flags zusätzlich in die begruendung übernommen („Beleg für …“, Leitfaden „Präzisions-Flags“); Zahlen und Angaben erneut per PubMed efetch (Abstract, Interessen- und Förderangaben, Affiliationen) geprüft: [3] Affiliationen Nestlé Institute of Health Sciences SA und Nestlé Research Center; [7] Interessenangabe: zehn Autorinnen und Autoren „employees of Société des Produits Nestlé S.A.“. In der begruendung von „Senkt Depressivität“ und „Hilft gegen Angst“ steht jetzt auch, dass [7] eine andere Population betrifft und das Ergebnis nicht trägt.
  • 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-09426 „Bifidobacterium longum“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 26.01.2024). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.

Nicht verifiziert

  • Der Inhalt des Fachkommentars zur statistischen Fragilität [4] war nicht zugänglich; belegt ist nur der Titel samt Aussagerichtung. Eine Zahl (Fragilitätsindex) steht deshalb nicht im Profil.
  • Von der stammspezifischen Reizdarm-Metaanalyse [8] wurde nur der Abstract gelesen; er nennt ausdrücklich Bifidobacterium longum 35624, Lacticaseibacillus rhamnosus GG und Lactiplantibacillus plantarum 299v als wirksam und NCC3001 nicht. Die Einzelstudien dieser Metaanalyse wurden nicht geprüft.
  • Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet) nicht geprüft.
  • Handelsnamen, unter denen NCC3001 verkauft wird, wurden nicht belegt und stehen daher nicht im Profil.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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