Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Dämpft Stress und schützt den Schlaf
nur unter BelastungIn der gepoolten Auswertung dreier doppelblinder Studien an Medizinstudierenden stiegen Speichelcortisol und körperliche Beschwerden vor der Prüfung weniger stark an [4]; in einer eigenen Schlafstudie blieben Tiefschlafanteil und Deltaleistung erhalten, und die im EEG gemessene Einschlafdauer verlängerte sich nicht [6]. Beide Studienreihen stammen aus Belastungssituationen und von Beschäftigten des Herstellers. Außerhalb von Belastung zeigte sich kein Stimmungseffekt [7].
Hebt die Stimmung im Alltag
kein NutzenIn der Studie an 132 Personen mit Durchschnittsalter etwa 62 Jahren änderte sich die Stimmung in der Gesamtgruppe nicht; die Stuhlfrequenz blieb ebenfalls unverändert [7]. Besser wurde die Stimmung nur in der Untergruppe mit der schlechtesten Ausgangsstimmung – ein Untergruppenbefund nach Ausgangswert, keine Belastungssituation. Bei Kranken liegen zwei randomisierte Studien vor: weniger Angst bei chronischem Fatigue-Syndrom [9], kein Gruppenunterschied bei Depression [10]. Für die Alltagsstimmung Gesunder sind sie kein Beleg.
Verbessert Gedächtnis und geistige Leistung
kein NutzenIn derselben Studie gab es keinen positiven Kognitionsbefund; zwei Gedächtnismaße fielen in der Verumgruppe sogar schlechter aus als unter Placebo. Die Autoren halten das für möglicherweise zufällig, und es gibt keine weitere Studie, die das prüft [7]. Zwei negative Einzelmaße einer Studie belegen keinen Schaden, deshalb „kein Nutzen“ und nicht „Verschlechterung“.
Lindert Reizdarmbeschwerden
kein NutzenEine stammspezifische Metaanalyse von 2026 konnte für diesen Stamm keine Wirkung auf Reizdarmbeschwerden belegen, während sie sie für andere Einzelstämme belegte [11]. Gepoolt wurden zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien, die beide ihren Symptomendpunkt verfehlten: 80 Personen ohne Gruppenunterschied im zusammengesetzten Symptomwert [12] und 45 Personen ohne Unterschied bei Symptomen und Gärungsmustern [13]. Die Stufe 4 stützt sich damit auf diese beiden Studien, nicht allein auf die Metaanalyse.
Verbessert die Stuhlgewohnheiten
kein NutzenIn der randomisierten Studie mit fermentierter Sojamilch an 112 gesunden Erwachsenen mit niedriger Bifidobakterienzahl im Stuhl stiegen Zahl der Stuhlgänge und Stuhltage pro Woche über vier Wochen in beiden Gruppen; zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied, auch nicht bei Bifidobakterien-Anteil und kurzkettigen Fettsäuren [14]. Die Metaanalyse zur funktionellen Verstopfung fand für diesen Stamm ebenfalls keinen Effekt (Stuhlfrequenz gewichtete Mittelwertdifferenz −0,2 pro Woche, 95 % KI −0,8 bis 0,9; Konsistenz standardisierte Mittelwertdifferenz +0,26, 95 % KI −0,30 bis 0,82) [15]. In der Stimmungsstudie blieb die Stuhlfrequenz unverändert, allerdings bei niedriger Ausgangshäufigkeit von Verstopfung [7].
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
Wirkweise
Evidenzkarte: Lacticaseibacillus paracasei Shirota (YIT 9029)
Der Stamm trägt die Hinterlegungsbezeichnung YIT 9029 und wird überwiegend als fermentiertes Milchgetränk verzehrt [1]. Die verbreitete Angabe, Minoru Shirota habe ihn 1930 isoliert, ließ sich hier an keiner Primärquelle belegen und steht deshalb nicht als belegte Tatsache im Profil. Taxonomisch ist die alte Bezeichnung „Lactobacillus casei Shirota“ überholt: Der Stamm gehört zu Lacticaseibacillus paracasei [1], und die Gattung Lactobacillus wurde 2020 neu geordnet [2]. In der EFSA-Bewertung von 2026 ist zudem zu beachten, dass sich die Zuordnung von korrektem Namen und Synonym innerhalb der Laktobazillen geändert hat [3].
Die Humandaten zum Stress stammen aus einer gepoolten Auswertung von drei doppelblinden, placebokontrollierten Studien an gesunden Medizinstudierenden, die über acht Wochen vor einer staatlichen Prüfung das fermentierte Milchgetränk oder ein Placebo erhielten. Der prüfungsbedingte Anstieg des Speichelcortisols und die Häufigkeit körperlicher Beschwerden fielen in der Verumgruppe geringer aus. In derselben Arbeit wurde bei Ratten unter Vermeidungsstress ein geringerer Corticosteronanstieg und eine geringere Zahl CRF-bildender Zellen im Nucleus paraventricularis gemessen, und die Gabe in den Magen steigerte die Aktivität vagaler Magenafferenzen [4] – ein Tierbefund (Stufe 2), der als Erklärung dient, aber den Weg beim Menschen nicht beweist. Eine weitere Rattenarbeit zeigte, dass die Gabe in den Magen die stressbedingte Aktivierung sympathischer Nerven der Milz dämpft [5].
Zum Schlaf gibt es eine eigene, über zwei Jahrgänge wiederholte Studie an Medizinstudierenden. Die subjektive Schlafqualität verschlechterte sich vor der Prüfung in beiden Gruppen; unter dem Stamm waren die Fragebogenwerte für Schläfrigkeit beim Aufstehen und Schlaflänge besser, die im EEG gemessene Einschlafdauer verlängerte sich nicht, der Anteil des Tiefschlafs blieb erhalten, und die Deltaleistung im ersten Schlafzyklus stieg [6]. Das sind objektive Schlafmaße und damit mehr als Selbstauskunft – allerdings erneut in einer Belastungssituation und von Beschäftigten des Herstellers durchgeführt.
Außerhalb von Belastung sieht es anders aus. In einer doppelblinden Studie an 132 Menschen mit einem Durchschnittsalter von etwa 62 Jahren veränderte das Getränk die Stimmung insgesamt nicht; nur in der Untergruppe mit der schlechtesten Ausgangsstimmung berichteten die Teilnehmenden danach eher „glücklich“ als „bedrückt“. Zwei Gedächtnismaße fielen in der Verumgruppe schlechter aus, was die Autoren selbst als möglicherweise zufälligen Befund einordnen [7]. Die Stammbezeichnung steht nicht im Abstract dieser Arbeit; dass das Getränk den Shirota-Stamm enthielt, ist über eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 belegt [8].
Bei Kranken gibt es zwei weitere stammgenaue randomisierte Studien mit psychischen Endpunkten. In einer Pilotstudie an 39 Menschen mit chronischem Fatigue-Syndrom gingen die Angstwerte unter dem Stamm stärker zurück als unter Placebo (p = 0,01), und Laktobazillen und Bifidobakterien im Stuhl stiegen; die Studie wurde vom Hersteller finanziert, die Autorinnen und Autoren erklären keine eigene finanzielle Beziehung zu ihm [9]. In einer Studie an 82 Menschen mit Depression und Verstopfung besserten sich Beck-Depressionsinventar und Hamilton-Skala in beiden Gruppen, ohne Unterschied zwischen ihnen; der Gesamtwert des Verstopfungsfragebogens unterschied sich ebenfalls nicht, einzelne Stuhl-Unterpunkte fielen unter dem Stamm besser aus [10].
Bei Darmbeschwerden ist die Lage klarer, als es die Vermarktung vermuten lässt. Eine stammspezifische Metaanalyse von 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Stamm – im Unterschied etwa zu Bifidobacterium longum 35624 oder Lactiplantibacillus plantarum 299v – bei Reizdarm keine Wirkung zeigt [11]. Gepoolt wurden dafür zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien: In einer niederländischen Studie an 80 Personen erreichte der zusammengesetzte Symptomwert nach acht Wochen in keiner Gruppe die vorab festgelegte Besserung um 30 %, und auch nach der Nachbeobachtung unterschieden sich die Gruppen nicht (34 gegenüber 13 % mittlere Besserung, p = 0,06) [12]; in einer australischen Studie an 45 Personen mit früh ansteigender Wasserstoffausscheidung änderten sich weder Symptome noch Gärungsmuster gegenüber Placebo [13] – dort nennt der Abstract nur ein fermentiertes Milchprodukt, die Zuordnung zum Shirota-Stamm stammt aus der Metaanalyse [11]. Für die Stuhlgewohnheiten gibt es eine randomisierte Studie mit fermentierter Sojamilch an 112 gesunden Erwachsenen mit niedriger Bifidobakterienzahl im Stuhl: Zahl der Stuhlgänge und Stuhltage pro Woche stiegen über vier Wochen in beiden Gruppen signifikant, zwischen den Gruppen gab es bei Bifidobakterien-Anteil und kurzkettigen Fettsäuren keinen Unterschied; höher waren unter dem Stamm nur Zahl und Anteil der Laktobazillen im Stuhl [14]. Eine Metaanalyse zur funktionellen Verstopfung fand für diesen Stamm ebenfalls keinen Effekt: Stuhlfrequenz gewichtete Mittelwertdifferenz −0,2 Stuhlgänge pro Woche (95 % KI −0,8 bis 0,9), Stuhlkonsistenz standardisierte Mittelwertdifferenz +0,26 (95 % KI −0,30 bis 0,82), beides nicht signifikant [15]. Das Hauptversprechen bleibt deshalb im Bereich Stimmung und Stress.
Zur Besiedlung: Stammspezifische Persistenzdaten wurden nicht gefunden; allgemein ist die Besiedlung der Darmschleimhaut individuell und meist vorübergehend, und Stuhlnachweise sagen nichts über die Schleimhaut [16]. Rechtlich ist der Stamm nicht in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel geführt [17]; die einzige zugelassene EU-Angabe zu lebenden Kulturen betrifft Joghurtkulturen und die Lactoseverdauung und gilt nicht für diesen Stamm [18]. Für Lacticaseibacillus paracasei sind Einzelfälle invasiver Infektionen nach Probiotikumgabe bei vorbelasteten Kindern beschrieben [19], und die EFSA fasst entsprechende Fallberichte für die Laktobazillen zusammen, ohne den QPS-Status zu ändern [3].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Speichelcortisol unter Prüfungsstress | Hormonachse | negativer Modulator | Mensch, randomisiert[4] | |
| CRF-bildende Zellen im Nucleus paraventricularis | Sonstiges | Expression ↓ | Tierversuch[4] | |
| Vagale Magenafferenzen | Struktur | Aktivator | Tierversuch[4] | |
| Sympathische Nerven der Milz | Struktur | negativer Modulator | Tierversuch[5] | |
| Tiefschlafanteil (N3) und Deltaleistung im EEG | Sonstiges | Aktivator | Mensch, randomisiert[6] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativ
- Stressachsegeringerer Anstieg des Speichelcortisols bei Prüfungsstress (gepoolte Auswertung dreier Studien); bei Ratten weniger Corticosteron und weniger CRF-bildende Zellen[4]
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Darmbarriere
- MikrobiomLaktobazillen im Stuhl höher als unter Placebo, Bifidobakterien-Anteil und kurzkettige Fettsäuren ohne Gruppenunterschied [14]; bei chronischem Fatigue-Syndrom stiegen Laktobazillen und Bifidobakterien [9][9][14]
- Kurzkettige Fettsäuren
- Gallensäuren
- Darmhormone
- Darm-Hirn-AchseMensch: Tiefschlafanteil erhalten, Deltaleistung erhöht; Ratte: vagale Magenafferenzen aktiviert, sympathische Milznerven gedämpft[4][5][6]
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · fermentiertes Milchgetränk
Die Stress- und Schlafstudien verwendeten ein fermentiertes Milchgetränk mit lebenden Bakterien gegenüber einem nicht fermentierten Placebogetränk [4][6]; dasselbe Getränk kam in der Stimmungsstudie zum Einsatz [7][8]. Das ist eine Lebensmitteldarreichung, keine Kapsel.[4][6][7][8]
Mensch, randomisiert
Oral (geschluckt) · fermentierte Sojamilch
In einer randomisierten Studie an 112 Erwachsenen wurde der Stamm in fermentierter Sojamilch gegeben; die Laktobazillen im Stuhl stiegen, die Stuhlgewohnheiten verbesserten sich aber in beiden Gruppen gleich [14].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Prüfungsstress bei Medizinstudierenden (drei gepoolte Studien)
Gemessen: subjektive Angst, Speichelcortisol, körperliche Beschwerden
Ergebnis: Geringerer Anstieg des Speichelcortisols und seltener körperliche Beschwerden als unter Placebo. Teilnehmerzahl der gepoolten Auswertung nicht im Abstract; Autorenschaft beim Hersteller.[4]
Mensch, randomisiert
Schlaf unter Prüfungsstress
Gemessen: subjektive Schlafqualität (OSA-Fragebogen), Einkanal-EEG über Nacht, subjektive Angst
Ergebnis: Schlafqualität verschlechterte sich in beiden Gruppen; unter dem Stamm besser bei Schläfrigkeit beim Aufstehen und Schlaflänge, keine Verlängerung der Einschlafdauer, Tiefschlafanteil erhalten, höhere Deltaleistung im ersten Schlafzyklus. 48 gegenüber 46 Personen.[6]
Mensch, randomisiert
Stimmung und Gedächtnis bei älteren Erwachsenen
Gemessen: Stimmung, Gedächtnis und Kognition, Stuhlfrequenz
Ergebnis: Stimmung insgesamt unverändert; nur in der Untergruppe mit der schlechtesten Ausgangsstimmung besser. Zwei Gedächtnismaße schlechter als unter Placebo. Stuhlfrequenz unverändert. 124 Personen beendeten die Studie.[7]
Mensch, randomisiert
Stuhlgewohnheiten mit fermentierter Sojamilch
Gemessen: Mikrobiota, kurzkettige Fettsäuren im Stuhl, Fäulnisprodukte im Urin, Stuhlgewohnheiten
Ergebnis: Zahl der Stuhlgänge und Stuhltage pro Woche stiegen in beiden Gruppen signifikant; zwischen den Gruppen kein Unterschied bei Bifidobakterien-Anteil, Acetat und kurzkettigen Fettsäuren insgesamt. Höher waren unter dem Stamm Zahl und Anteil der Laktobazillen im Stuhl. Autorenschaft beim Hersteller.[14]
Mensch, randomisiert
Reizdarm nach Rom II
Gemessen: Besserung des zusammengesetzten Symptomwerts um mindestens 30 % (primär), Lebensqualität
Ergebnis: Primärer Endpunkt verfehlt: Nach acht Wochen erreichte keine Gruppe die 30 %; nach der Nachbeobachtung 34 gegenüber 13 % mittlere Besserung ohne signifikanten Gruppenunterschied (p = 0,06). 39 gegenüber 41 Personen.[12]
Mensch, randomisiert
Reizdarm mit früh ansteigender Wasserstoffausscheidung
Gemessen: Wasserstoffausscheidung nach Lactulose, Magenentleerung, Symptome
Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo bei Symptomen und Gärungsmustern; der Verlust des frühen Wasserstoffanstiegs trat in beiden Gruppen ähnlich häufig auf. Der Abstract nennt nur ein fermentiertes Milchprodukt; die Zuordnung zum Shirota-Stamm stammt aus der Metaanalyse.[13]
Mensch, randomisiert
Angst und Depression bei chronischem Fatigue-Syndrom
Gemessen: Beck-Angst- und Beck-Depressionsinventar, Laktobazillen und Bifidobakterien im Stuhl
Ergebnis: Angstsymptome stärker zurückgegangen als unter Placebo (p = 0,01), Depressionswerte ohne Gruppenunterschied; Laktobazillen und Bifidobakterien im Stuhl gestiegen. Vom Hersteller finanziert.[9]
Mensch, randomisiert
Verstopfung bei Depression
Gemessen: Verstopfungsfragebogen PAC-SYM, Beck-Depressionsinventar und Hamilton-Skala, Mikrobiota
Ergebnis: PAC-SYM-Gesamtwert ohne Gruppenunterschied, einzelne Stuhl-Unterpunkte besser; Depressionswerte verbesserten sich in beiden Gruppen gleich. Keine Interessenkonflikte erklärt.[10]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Invasive Infektionen in Einzelfällen
Für Lacticaseibacillus paracasei ist eine Bakteriämie nach Probiotikumgabe bei einem Kind mit Hypoganglionose beschrieben [19]. Die EFSA fasst entsprechende Fallberichte für die Laktobazillen zusammen; sie betreffen fast ausschließlich Menschen mit schweren Grunderkrankungen oder Frühgeborene, und der QPS-Status blieb unverändert [3]. Stammspezifische Fälle zu Shirota sind nicht bekannt.
Mensch, nicht randomisiert
Herstellerbeteiligung in allen positiven Studien
Die Stress-, Schlaf- und Sojamilchstudien wurden von Beschäftigten des Herstellers (Yakult Central Institute und Yakult Honsha) verfasst oder mitverfasst [4][6][14]. Auch die Studie an älteren Erwachsenen, die keinen allgemeinen Stimmungseffekt und zwei schlechtere Gedächtnismaße fand, war nicht unabhängig vom Hersteller: Laut der systematischen Übersichtsarbeit, über die auch die Stammzuordnung belegt ist, stellte Yakult das Prüfprodukt, und die Lebensmittelindustrie war an der Studie beteiligt [7][8]. Die Pilotstudie bei chronischem Fatigue-Syndrom wurde vom Hersteller finanziert [9]. Ohne Herstellerbezug ist damit keine der Studien.
Keine Daten
Darreichung als Milchgetränk
Die Belege beziehen sich auf ein fermentiertes Milchgetränk. Wer Milchzucker nicht verträgt, kann darauf reagieren; Studien zu einer Kapselform dieses Stamms wurden nicht gefunden.
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Der Stamm siedelt sich dauerhaft im Darm an“
Stammspezifische Persistenzdaten wurden nicht gefunden. Die Besiedlung der Darmschleimhaut ist individuell und meist vorübergehend; Keime im Stuhl sagen nichts über die Schleimhaut [16].
- nicht belegt
„Senkt Stress und verbessert die Stimmung – auch ohne besondere Belastung“
Die positiven Befunde stammen aus Prüfungssituationen [4][6]. In der Studie an älteren Erwachsenen im Alltag änderte sich die Stimmung insgesamt nicht [7].
- nicht belegt
„Verbessert das Gedächtnis“
In der einzigen Studie mit Gedächtnistests gab es keinen positiven Befund; zwei Maße fielen in der Verumgruppe schlechter aus als unter Placebo, von den Autoren selbst als möglicherweise zufällig eingeordnet [7]. Zwei negative Einzelmaße einer Studie sind kein Nachweis von Schaden und tragen kein „widerlegt“.
- widerlegt
„„Lactobacillus casei Shirota“ ist der korrekte Name“
Der Stamm gehört zu Lacticaseibacillus paracasei; die Bezeichnung „Lactobacillus casei Shirota“ ist überholt [1][2]. Sie steht deshalb in den Synonymen, nicht im Namen.
- nicht belegt
„Hilft bei Reizdarm“
Zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien verfehlten ihren Symptomendpunkt [12][13], und die stammspezifische Metaanalyse konnte für diesen Stamm keine Wirkung belegen [11]. Das Versprechen steht deshalb auf „kein Nutzen“; die Behauptung bleibt „nicht belegt“ und nicht „widerlegt“, weil beide Studien zusammen nur etwa 125 Personen umfassen und ein Nullergebnis dieser Größe kein Gegenbeweis ist.
- nicht belegt
„Was für Lacticaseibacillus paracasei gilt, gilt auch für den Shirota-Stamm“
Wirkungen sind stammspezifisch [2]. Befunde zu anderen paracasei-Stämmen sind kein Beleg für diesen Stamm, und seine eigenen Befunde gelten nicht für die Art; die Metaanalyse bewertet ausdrücklich Stamm für Stamm [11].
- nicht belegt
„Weil die Bakterien lebend den Darm erreichen, wirkt das Getränk besser“
Überlebensfähigkeit im Magen und Nachweis im Stuhl sind keine klinischen Endpunkte. Zu Magensäurestabilität und Persistenz dieses Stamms wurden keine Daten gefunden, und die Studien mit den klarsten Befunden hängen an einer Belastungssituation, nicht an einem Nachweis lebender Keime [4][6][16].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- nicht verifiziert (AMIce/PharmNet und Marktstatus nicht geprüft); eine Einordnung als Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel wird hier nicht getroffen. Die Darreichung als fermentiertes Milchgetränk steht unter aufnahmewege.
- EU
- Kein Eintrag zu Lacticaseibacillus- oder Lactobacillus-Stämmen in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [17]. Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach VO (EU) Nr. 432/2012 für diesen Stamm; die einzige Angabe zu lebenden Mikroorganismen betrifft Joghurtkulturen und die Lactoseverdauung [18]. Ob „probiotisch“ als Angabe zulässig ist, wurde nicht geprüft. Lacticaseibacillus paracasei gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09446, Abruf 26.10.2026) [20]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Lacticaseibacillus paracasei mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [21]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
- USA
- nicht verifiziert
- Andere Länder
- nicht verifiziert
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Wirkt der Stamm auch ohne akute Belastung, etwa bei chronischem Stress im Beruf?
- Ist der schlechtere Gedächtnisbefund ein Zufall, oder lässt er sich wiederholen?
- Hängt die Wirkung an der Darreichung als fermentiertes Milchgetränk oder am Stamm selbst?
- Gibt es eine unabhängige, nicht vom Hersteller finanzierte oder belieferte Studie zu Cortisol und Schlaf?
- Lässt sich der Befund weniger Angst bei chronischem Fatigue-Syndrom in einer größeren Studie wiederholen?
Referenzen
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Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Nomenklatur: „Lacticaseibacillus paracasei strain Shirota YIT 9029“ ist im Titel von [1] belegt; Lacticaseibacillus paracasei ist laut LPSN (24.10.2026) der gültige Name, die alte Bezeichnung steht in den Synonymen [2].
- Herstellerbeteiligung in den Autorenangaben gelesen: Yakult Central Institute und Yakult Honsha Co., Ltd. in [4]; dieselbe Arbeitsgruppe in [6] und [14].
- Zahlen an Abstracts geprüft: 48 gegenüber 46 Personen in der Schlafstudie [6]; n = 132 und 124 Beendende, Durchschnittsalter 61,8 Jahre [7].
- Stammbezeichnung der Stimmungsstudie [7]: Der Abstract nennt nur „a probiotic containing milk drink“. Dass es das Getränk mit dem Shirota-Stamm war, ist über die systematische Übersichtsarbeit [8] belegt, die das Produkt ausdrücklich benennt – eine Sekundärquelle.
- Stammspezifische Reizdarm-Metaanalyse [11]: Der Abstract nennt ausdrücklich, dass für „Lactobacillus casei Shirota“ keine Wirkung belegt wurde.
- Rechtsstatus: konsolidierte Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810) selbst abgerufen und durchsucht, 0 Treffer für Lactobacillus und Lacticaseibacillus [17]; konsolidierte VO (EU) Nr. 432/2012 durchsucht – die einzige Angabe zu lebenden Kulturen betrifft Joghurtkulturen und die Lactoseverdauung, nicht diesen Stamm [18]. Zum deutschen Status wurde kein Beleg gefunden; status.deutschland steht deshalb auf „nicht verifiziert“.
- Sojamilchstudie [14] am Abstract nachgeprüft: n = 112, 4 Wochen, Population mit niedriger Bifidobakterienzahl im Stuhl; Stuhlgänge und Stuhltage stiegen in beiden Gruppen signifikant, zwischen den Gruppen kein Unterschied bei Bifidobakterien und kurzkettigen Fettsäuren.
- Metaanalyse zur funktionellen Verstopfung [15] am Abstract geprüft: für diesen Stamm Stuhlfrequenz gewichtete Mittelwertdifferenz −0,2 (95 % KI −0,8 bis 0,9) und Konsistenz standardisierte Mittelwertdifferenz +0,26 (95 % KI −0,30 bis 0,82), beides nicht signifikant.
- Die beiden von der Metaanalyse gepoolten Reizdarmstudien einzeln geprüft: Abstract von [12] (39 gegenüber 41 Personen, primärer Endpunkt verfehlt, p = 0,06 nach Nachbeobachtung) und Abstract von [13] (23 gegenüber 22 Personen, keine Symptom- oder Gärungsunterschiede); im Volltext der Metaanalyse (PMC12898053) stehen beide Studien im Abschnitt zu diesem Stamm [11].
- Zwei stammgenaue randomisierte Studien mit psychischen Endpunkten ergänzt: Pilotstudie bei chronischem Fatigue-Syndrom (39 Personen, Angst p = 0,01; im Volltext PMC2664325 steht, dass Yakult Honsha die Studie finanzierte, die Autorinnen und Autoren erklären keine eigene finanzielle Beziehung) [9] und Studie bei Depression mit Verstopfung (82 Personen, keine Gruppenunterschiede bei Beck- und Hamilton-Skala, keine Interessenkonflikte erklärt) [10].
- Herstellerbezug der Studie an älteren Erwachsenen [7]: Im Volltext der systematischen Übersichtsarbeit (PMC12708534) steht, dass Yakult das Prüfprodukt stellte und die Lebensmittelindustrie an der Studie beteiligt war [8]. Die Bezeichnung „unabhängig“ ist deshalb gestrichen.
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Lindert Reizdarmbeschwerden“ → kleine_studien: [12] n = 80 (39 + 41), [13] n = 45 (23 + 22) (je Abstract); laut Begründung tragen diese beiden Studien die Stufe, die Metaanalyse [11] poolt sie.
- 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-09446 „Lacticaseibacillus paracasei“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 26.01.2024). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.
Nicht verifiziert
- Teilnehmerzahl der gepoolten Stressauswertung [4] steht nicht im Abstract; die drei Einzelstudien wurden nicht separat geprüft.
- Die Isolierung des Stamms im Jahr 1930 durch Minoru Shirota ist allgemein bekannt, wurde hier aber nicht an einer Primärquelle belegt; im Profiltext steht sie deshalb nur als Herkunftsangabe ohne Beleganspruch.
- Die Interessenkonflikterklärung der Originalarbeit [7] liegt nicht vor: PubMed führt keine, der Volltext war nicht zugänglich. Der Herstellerbezug ist nur über die Sekundärquelle [8] belegt.
- Zur Studie bei Depression und Verstopfung [10] ist im Abstract nicht angegeben, von wem das Prüfgetränk stammte; die Autorinnen und Autoren sind an chinesischen Hochschulen tätig und erklären keine Interessenkonflikte.
- Für [13] nennt der Abstract keine Stammbezeichnung; die Zuordnung zum Shirota-Stamm stammt aus dem Volltext der Metaanalyse [11] und ist damit sekundär belegt.
- Die Einzelstudien der Metaanalysen [11][15] wurden nicht vollständig geprüft; aus [11] wurden nur die beiden Studien zu diesem Stamm nachgelesen.
- Keine Daten zu Persistenz oder Magensäurestabilität dieses Stamms gefunden.
- Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet) nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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