Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Verbessert das Sozialverhalten bei Autismus

    Einzelbefund, unbestätigt

    Stimmung & Stress · Patienten: Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung · Mensch, randomisiert

    Eine doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie: Sozialverhalten in mehreren Maßen besser, Autismus-Schweregrad, repetitive Verhaltensweisen, Mikrobiom und Immunprofil unverändert [6]. Keine Replikation; drei Autoren bei einem Unternehmen beschäftigt, einer Anteilseigner eines weiteren. Der Mechanismus ist nur in Mäusen gezeigt [4][5] und damit Stufe 2.[4][5]

  • Lindert Reizdarm-Beschwerden

    uneinheitlich

    Verdauung & Darm · Patienten: Reizdarmsyndrom · Mensch, randomisiert vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    Eine Studie mit 140 Erwachsenen fand ab Woche 6 bessere Symptomwerte (GSRS-IBS), bessere Lebensqualität, niedrigere Angstwerte und niedrigeres Calprotectin; sie wurde vom Hersteller teilfinanziert [7]. In der exploratorischen Studie mit 65 Menschen mit Reizdarm und Durchfall waren im Kombinationsarm nach drei Wochen GSRS-Gesamtwert und Schmerzunterwert niedriger als unter Placebo, nach sechs Wochen nicht mehr; die Durchlässigkeit des Darms (primärer Endpunkt) blieb unverändert, und nach Korrektur für multiples Testen war kein Befund signifikant [8]. Auch diese Studie wurde teilweise von BioGaia finanziert, zwei Autoren sind dort angestellt [8].

  • Dichtet die durchlässige Darmbarriere ab

    kein Nutzen

    Verdauung & Darm · Patienten: Reizdarm mit Durchfall · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    Der primäre Endpunkt der exploratorischen Studie mit 65 Teilnehmenden war genau diese Frage: Im Zuckertest unterschieden sich Dünn- und Dickdarmdurchlässigkeit sowie weitere Barrieremarker nicht von Placebo [8]. Die Studie wurde teilweise vom Hersteller BioGaia finanziert, zwei Autoren sind dort angestellt [8]. Die Barrierebefunde der Einzelstämme stammen aus Zellmodellen und sind damit Stufe 1.

  • Macht die Helicobacter-pylori-Therapie verträglicher und erfolgreicher

    kleiner Nutzen

    Verdauung & Darm · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion · Mensch, randomisiert

    Verträglichkeit belegt: weniger Beschwerden und seltener Nebenwirkungen (40,9 gegenüber 62,8 %) in einer doppelblinden Studie mit 100 Betroffenen [10], weniger Bauchschmerzen und Blähungen in einer weiteren mit 80 Betroffenen [11]. Die Eradikationsrate stieg nicht signifikant (75 gegenüber 65,9 %) [10], und ohne Antibiotika wirkte die Kombination praktisch nicht (3 von 24 gegenüber 1 von 24 geheilt, Abbruch der Rekrutierung) [12].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

vom Hersteller finanziert: Alle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

Wirkweise

Evidenzkarte: Limosilactobacillus reuteri DSM 17938 + ATCC PTA 6475 (Zweierkombination)

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Die Kombination enthält zwei verschiedene Stämme derselben Art, Limosilactobacillus reuteri [1]; als lebende Zubereitung ist sie ein Probiotikum im Sinne der ISAPP-Definition [2]. DSM 17938 ist der plasmidbefreite Tochterstamm von ATCC 55730 [3], ATCC PTA 6475 ein davon unabhängiger Stamm. Weil beide Stämme gemeinsam gegeben werden, lassen die Humanstudien nicht erkennen, welcher Anteil auf welchen Stamm zurückgeht. Das ist der Grund, warum diese Kombination ein eigenes Profil hat: Ihre Studien sind keine Evidenz für die Einzelstämme.

Der mechanistische Hintergrund des bekanntesten Versprechens stammt aus Mäusen. In Mausmodellen des Autismus kehrte ATCC PTA 6475 soziale Defizite um, und zwar vagusabhängig und nur bei Tieren mit intaktem Oxytocinrezeptor, ohne die Mikrobiota zu verändern [4]; in einer anderen Mausarbeit hob schon ein Lysat abgetöteter Bakterien den Oxytocinspiegel [5]. Beides sind Mausbefunde zur Darm-Hirn-Achse und damit Stufe 2. Im begleitenden Mausversuch der Humanstudie wirkte 6475, nicht aber der Elternstamm von DSM 17938 [6] – gemeint ist ATCC 55730, nicht DSM 17938 selbst.

Beim Menschen liegt zur Darm-Hirn-Achse eine doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung vor. Der Autismus-Schweregrad, repetitive Verhaltensweisen, die Zusammensetzung des Mikrobioms und das Immunprofil änderten sich nicht; mehrere Maße des Sozialverhaltens besserten sich über verschiedene Instrumente hinweg [6]. Drei Autoren sind bei Altos Labs beschäftigt, einer zusätzlich Anteilseigner von Mikrovia [6]. Bei Reizdarm widersprechen sich zwei Studien. Eine Studie mit 140 Erwachsenen (Rom-IV-Kriterien) fand ab Woche 6 eine Besserung der Symptomskala GSRS-IBS, am Ende auch niedrigeres Calprotectin im Stuhl (30,2 gegenüber 41,6 Milligramm pro Gramm Stuhl; p = 0,019; die Quelle gibt die Einheit als mg/g an, üblich ist µg/g), bessere Lebensqualität und niedrigere Angstwerte, während die Depressionswerte sich nicht unterschieden; der Hersteller BioGaia finanzierte die Studie teilweise und stellte Produkt und Placebo [7]. Eine exploratorische Studie bei 65 Menschen mit Reizdarm und Durchfall prüfte 6475 allein und in Kombination mit DSM 17938. Der primäre Endpunkt, die Durchlässigkeit des Dünndarms im Zuckertest, wurde von keiner der beiden Zubereitungen verändert, ebenso wenig die Dickdarmdurchlässigkeit und die übrigen Barrieremarker. Im Kombinationsarm war dagegen das hochempfindliche C-reaktive Protein nach sechs Wochen niedriger als unter Placebo (p = 0,041), und nach drei Wochen waren die Symptomwerte GSRS-Gesamtwert (p = 0,032) und GSRS-Schmerzunterwert (p = 0,028) niedriger; nach sechs Wochen unterschied sich kein Symptomwert mehr von Placebo. Die Arbeit ist ausdrücklich exploratorisch angelegt: Nach Korrektur für multiples Testen war kein Befund mehr signifikant, die genannten p-Werte sind beschreibend, und die geplante Gruppengröße wurde nicht erreicht [8]. Zu dieser Arbeit erschien später eine Korrektur, die die Angaben zur Datenverfügbarkeit betrifft [9].

Bei Helicobacter pylori ist das Bild klarer. In einer doppelblinden Studie mit 100 Betroffenen senkte die Kombination während der Eradikationstherapie die Beschwerden (GSRS 4 gegenüber 6,8; p < 0,01) und die Zahl der Personen mit Nebenwirkungen (40,9 gegenüber 62,8 %; p < 0,04); die Eradikationsrate stieg nur nicht signifikant von 65,9 auf 75 % [10]. Eine weitere Studie mit 80 Betroffenen unter Vierfachtherapie fand ebenfalls seltener Bauchschmerzen und Blähungen, bei gleicher Eradikationsrate [11]. Als Einzelbehandlung zusammen mit einem Säureblocker, aber ohne Antibiotika, versagte die Kombination: Der Einschluss wurde nach 56 Personen abgebrochen, geheilt waren 3 von 24 gegenüber 1 von 24 unter Placebo [12]. Zur Besiedlung zeigte eine randomisierte Studie mit 26 Betroffenen, dass die Stämme nur während und kurz nach der Gabe nachweisbar waren, die Alpha-Diversität nicht verändert wurde und keine dauerhafte Ansiedlung zustande kam [13]; eine Metagenomstudie unter Eradikationstherapie kam zum selben Schluss [14].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Helicobacter pylori (Keimlast, Atemtest)Mikroorganismus/TaxonAbundanz ↓Abnahme im Atemtest vor der Eradikation gegenüber Zunahme unter Placebo Mensch, randomisiert[10]
Vagusabhängiger, oxytocinrezeptorabhängiger Signalweg (Maus)SignalwegAktivator Tierversuch[4]
Darmbarriere (Zuckertest beim Menschen)Strukturkein Effektprimärer Endpunkt: kein Unterschied zu Placebo Mensch, randomisiert[8]
Calprotectin als Entzündungsmarker im StuhlSonstigesAbundanz ↓30,2 gegenüber 41,6 Milligramm pro Gramm Stuhl (p = 0,019; Einheit wie in der Quelle) Mensch, randomisiert[7]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativmoduliert · Niedrigeres Calprotectin im Stuhl in einer Reizdarmstudie; in der exploratorischen Studie war das hochempfindliche C-reaktive Protein im Kombinationsarm niedriger, die Zytokine blieben unverändert[7][8]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Darmbarrierekein Effekt · Zuckertest bei Reizdarm mit Durchfall ohne Unterschied zu Placebo[8]
  • Mikrobiommoduliert · Keine dauerhafte Ansiedlung (Nachweis nur während und kurz nach der Gabe), Alpha-Diversität unverändert; die Keimlast von Helicobacter pylori sank vor der Eradikationstherapie leicht[10][13][14]
  • Kurzkettige Fettsäurenkeine Daten
  • Gallensäurenkeine Daten
  • Darmhormonekeine Daten
  • Darm-Hirn-Achsemoduliert · Mechanismus vagus- und oxytocinrezeptorabhängig in Mäusen; beim Menschen Sozialmaße in einer Pilotstudie und Angstwerte als sekundärer Endpunkt[4][6][7]
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Kautabletten mit beiden Stämmen

    Lebende Keime wirken im Darmlumen. In einer randomisierten Studie waren die Stämme nur während und kurz nach der Gabe im Stuhl nachweisbar; eine dauerhafte Ansiedlung gelang nicht [13].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Autismus-Pilotstudie

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Pilotstudie · Patienten: Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung · nicht im Abstract genannt

    Gemessen: Autismus-Schweregrad, Sozialverhalten, Mikrobiom, Immunprofil

    Ergebnis: Sozialverhalten in mehreren Maßen besser; Schweregrad, repetitive Verhaltensweisen, Mikrobiom und Immunprofil unverändert.[6]

    Mensch, randomisiert

  • Reizdarm bei Erwachsenen

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, multizentrisch · Patienten: Reizdarmsyndrom nach Rom IV · n = 140 · 14 Wochen plus 2 Wochen Nachbeobachtung

    Gemessen: GSRS-IBS, Stuhlform, Lebensqualität, Angst und Depressivität, Calprotectin

    Ergebnis: Ab Woche 6 bessere Symptomwerte; Lebensqualität und Angstwerte besser, Depressionswerte ohne Unterschied; Calprotectin 30,2 gegenüber 41,6 Milligramm pro Gramm Stuhl (p = 0,019; Einheit wie in der Quelle). Hersteller teilfinanzierte die Studie.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Reizdarm mit Durchfall, Barrierefunktion

    RCT, exploratorisch, drei Arme (6475 allein, Kombination, Placebo) · Patienten: Reizdarm mit Durchfall · n = 65 · 6 Wochen

    Gemessen: Dünndarmdurchlässigkeit im Zuckertest (primär), weitere Barrieremarker, Immunmarker, Symptome

    Ergebnis: Primärer Endpunkt und alle übrigen Barrieremarker ohne Unterschied zu Placebo. Im Kombinationsarm war das hochempfindliche C-reaktive Protein nach sechs Wochen niedriger (p = 0,041) und die Symptomwerte GSRS-Gesamt (p = 0,032) und GSRS-Schmerz (p = 0,028) nach drei Wochen niedriger, nach sechs Wochen nicht mehr; im Einzelstammarm nur eine Tendenz bei Interleukin 6 (p = 0,052). Alle p-Werte beschreibend, nach Korrektur für multiples Testen kein Befund signifikant; geplante Gruppengröße nicht erreicht. Zu der Arbeit erschien eine Korrektur zur Datenverfügbarkeit [9].[8]

    Mensch, randomisiert

  • Helicobacter-pylori-Eradikation, Verträglichkeit

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, drei Phasen · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion, unbehandelt · n = 100 · Vor-, Eradikations- und Nachbeobachtungsphase

    Gemessen: Symptomskala GSRS, Nebenwirkungen, Eradikationsrate, Gastrin-17

    Ergebnis: GSRS 4 gegenüber 6,8 (p < 0,01); Nebenwirkungen bei 40,9 gegenüber 62,8 % (p < 0,04); Eradikation 75 gegenüber 65,9 % (nicht signifikant).[10]

    Mensch, randomisiert

  • Helicobacter pylori unter Vierfachtherapie

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, parallel · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion · n = 80 · 10 Tage Therapie, Probiotikum 30 Tage, Nachbeobachtung bis Tag 56

    Gemessen: Magen-Darm-Symptome (GSRS), unerwünschte Ereignisse, Eradikation

    Ergebnis: Bauchschmerzen bei 42 gegenüber 19 % gebessert, Blähungen bei 25 gegenüber 17 %; Eradikation in 85 % ohne Gruppenunterschied.[11]

    Mensch, randomisiert

  • Kombination als Einzelbehandlung ohne Antibiotika

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, zwei Zentren · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion · n = 56 · 4 Wochen

    Gemessen: Heilung im Atemtest

    Ergebnis: Rekrutierung wegen niedriger Heilungsrate abgebrochen; 3 von 24 gegenüber 1 von 24 geheilt.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Besiedlung und Mikrobiom unter Säureblocker

    RCT, doppelblind · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion · n = 26 · kurzzeitig, Nachbeobachtung 1 Monat

    Gemessen: Nachweis der Stämme, Alpha- und Beta-Diversität

    Ergebnis: Nachweis nur in der Interventionsgruppe und nur einen Monat nach der Therapie; keine dauerhafte Ansiedlung, Diversität unverändert.[13]

    Mensch, randomisiert

  • Metagenom unter Eradikationstherapie

    RCT, einzentrisch · Patienten: Helicobacter-pylori-Infektion · Therapie plus 30 bis 40 Tage

    Gemessen: Zusammensetzung der Mikrobiota, Eradikation

    Ergebnis: Eradikation 78 % in beiden Gruppen; die Kombination konnte Veränderungen der Mikrobiota nicht verhindern.[14]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Bakteriämie bei Risikogruppen

    Das EFSA-QPS-Update 2026 beschreibt Einzelfälle von Infektionen durch Laktobazillen bei Menschen mit schweren Grunderkrankungen oder Immunschwäche und ändert den Status der Gruppe dennoch nicht [17]. Für die Art ist ein tödlicher Sepsisfall bei einem extrem früh geborenen Kind beschrieben, ohne Stammangabe [19].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Verträglichkeit in Studien

    In den Studien traten unerwünschte Ereignisse nicht häufiger als unter Placebo auf [7][11]; in der Studie ohne Antibiotika hatten 5 von 28 unter der Kombination und 3 von 28 unter Placebo Nebenwirkungen, meist Durchfall (p = 0,53) [12].

    Mensch, randomisiert

  • Falsche Sicherheit bei Helicobacter pylori

    Die Kombination ersetzt keine Eradikationstherapie: Zusammen mit einem Säureblocker, aber ohne Antibiotika, wurden nur 3 von 24 Personen geheilt, und die Rekrutierung wurde abgebrochen [12].

    Mensch, randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • widerlegt

    „Die Kombination siedelt sich dauerhaft im Darm an“

    In einer randomisierten Studie waren die Stämme nur während und kurz nach der Gabe nachweisbar, eine dauerhafte Ansiedlung gelang nicht, und die Diversität blieb unverändert [13]; eine Metagenomstudie kam zum selben Ergebnis [14]. Allgemein ist die mukosale Besiedlung durch Probiotika individuell und oft nicht vorhanden [15].

  • nicht belegt

    „Zwei Stämme wirken besser als einer“

    Nur eine Studie enthielt beide Arme nebeneinander, und sie war exploratorisch angelegt, ohne geplanten Überlegenheitsvergleich der beiden Zubereitungen: Beim primären Endpunkt, der Darmdurchlässigkeit, wirkte keine von beiden; die beschreibend signifikanten Befunde zu C-reaktivem Protein und Symptomen traten im Kombinationsarm auf, der Einzelstammarm zeigte nur eine Tendenz bei Interleukin 6 [8]. Aus Sekundärbefunden dreier Arme mit insgesamt 65 Teilnehmenden, die eine Korrektur für multiples Testen nicht überstehen, folgt keine Überlegenheit.

  • teilweise belegt

    „Die Kombination hilft gegen Autismus“

    Die Pilotstudie fand keine Änderung des Autismus-Schweregrads und der repetitiven Verhaltensweisen – gegen diesen Teil der Behauptung spricht also ein negativer Befund. Mehrere Maße des Sozialverhaltens besserten sich dagegen über verschiedene Instrumente hinweg; dieser Befund ist eine einzelne, nicht replizierte Pilotstudie mit Herstellerbindung [6].

  • widerlegt

    „Die Kombination ersetzt Antibiotika bei Helicobacter pylori“

    Ohne Antibiotika heilten 3 von 24 Personen, unter Placebo 1 von 24; die Studie wurde wegen der niedrigen Heilungsrate abgebrochen [12].

  • nicht belegt

    „Die Kombination steigert Oxytocin beim Menschen“

    Oxytocin stieg nur in Mausversuchen, dort sogar nach Gabe abgetöteter Bakterien [5]; der soziale Effekt war in der Maus vagus- und oxytocinrezeptorabhängig [4]. Eine Oxytocinmessung beim Menschen unter diesen Stämmen wurde nicht gefunden.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Keine systemische Aufnahme beabsichtigt; die Stämme wirken im Darmlumen.
Halbwertszeit
entfällt
Abbau
entfällt
Weg ins Gehirn
entfällt; der im Mausmodell gezeigte Weg verläuft über den Vagusnerv [4].

Rechtlicher Status

Deutschland
Wird als Nahrungsergänzungsmittel (Kautabletten) verkauft. Arzneimittelstatus nicht geprüft: nicht verifiziert.
EU
Kein Eintrag zu „Lactobacillus“ oder „Limosilactobacillus“ in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [16]. Das EFSA-QPS-Update 2026 nennt für die Gruppe der Laktobazillen keine Statusänderung [17]. Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zu diesen Stämmen in VO (EU) Nr. 432/2012 [18]. Limosilactobacillus reuteri gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-15141, Abruf 26.10.2026) [20]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Limosilactobacillus reuteri mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [21]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
USA
Nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Bestandteil
im Präparat enthaltener Einzelstamm bzw. im Synbiotikum enthaltenes Präbiotikum

Offene Fragen

  • Welcher der beiden Stämme trägt den Sozialbefund bei Autismus? Die Studie kann das nicht trennen, der Mausversuch deutet auf 6475.
  • Warum besserte sich Reizdarm in der einen Studie deutlich, in der anderen (Durchfalltyp) nicht? Unterschiedliche Untergruppen, Dauer oder Finanzierung?
  • Gibt es eine Studie, die die Kombination direkt gegen einen der Einzelstämme prüft, mit klinischem Endpunkt?
  • Lässt sich die Verträglichkeitsverbesserung bei der Helicobacter-Therapie in Leitlinien einordnen? Die deutschen und europäischen Leitlinien wurden nicht gelesen.

Referenzen

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  2. Hill C, Guarner F, Reid G, Gibson GR, Merenstein DJ, Pot B, et al. Expert consensus document. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2014;11(8):506–14. doi:10.1038/nrgastro.2014.66 · PubMed
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Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle PMIDs und DOIs über PubMed und Crossref aufgelöst (Prüfskript).
  • Produktidentität: Der Handelsname Gastrus steht für die Kombination aus DSM 17938 und ATCC PTA 6475; so benannt in [12], [13] und [14] sowie im Registereintrag NCT04037826 (ClinicalTrials.gov, Abruf 24.10.2026).
  • Kernzahlen: GSRS 4 gegenüber 6,8, Nebenwirkungen 40,9 gegenüber 62,8 %, Eradikation 75 gegenüber 65,9 % (nicht signifikant) [10]; 80 Betroffene, Bauchschmerzen 42 gegenüber 19 %, Eradikation 85 % ohne Gruppenunterschied [11]; Abbruch nach 56 Personen, 3 von 24 gegenüber 1 von 24 geheilt [12]; 26 Personen, Nachweis nur einen Monat nach Therapie, keine dauerhafte Ansiedlung [13]; Eradikation 78 % in beiden Gruppen [14].
  • Im Open-Access-Volltext von [7]: 140 randomisiert, 68 gegenüber 67 ausgewertet; GSRS-IBS ab Woche 6 besser; Lebensqualität und Goldberg-Angstwerte besser, Goldberg-Depressionswerte ohne Unterschied; Calprotectin 30,2 ± 11,8 gegenüber 41,6 ± 10,7 mg/g Stuhl (p = 0,019; die Quelle schreibt im Abstract und in Tabelle 1 „mg/g of stool“, üblich ist µg/g); „Biogaia Sweden partially funded the activities conducted during this trial“.
  • Autismus-Pilotstudie: geprüft wurde ausdrücklich ein Produkt aus beiden Stämmen; Schweregrad, repetitive Verhaltensweisen, Mikrobiom und Immunprofil unverändert, Sozialmaße besser; im Mausteil wirkte 6475, nicht der Elternstamm von DSM 17938 [6].
  • Open-Access-Volltext von [8] (PMC11530048) nachgelesen (Gegenprüfung 24.10.2026): primärer Endpunkt war die Dünndarmdurchlässigkeit (Lactulose-Rhamnose-Verhältnis) nach sechs Wochen und blieb unverändert; im Kombinationsarm hsCRP nach sechs Wochen niedriger (p = 0,041), GSRS-Gesamtwert (p = 0,032) und GSRS-Schmerzunterwert (p = 0,028) nach drei Wochen niedriger, nach sechs Wochen keiner mehr; im Einzelstammarm nur Interleukin 6 mit p = 0,052; wörtlich: „After correction for multiplicity using the Benjamin-Hochberg FDR procedure, no results were significant. Due to the exploratory character of this study, descriptive p-values were reported“; geplante Gruppengröße (25 je Arm) wegen der Pandemie nicht erreicht, ausgewertet 17 Placebo, 19 Einzelstamm, 22 Kombination.
  • Inhalt der Korrektur [9] (PMC11844902) gelesen: Sie betrifft die Angabe zur Datenverfügbarkeit und eine Neuveröffentlichung des Artikels am 3.12.2024, nicht die Ergebnisse.
  • Interessenkonflikte: BioGaia-Teilfinanzierung in [7], BioGaia-Beschäftigte unter den Autoren von [8], Altos-Labs-Beschäftigte und ein Anteilseigner von Mikrovia in [6].
  • Rechtsstatus: kein Treffer für „Lactobacillus“/„Limosilactobacillus“ in der konsolidierten Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810); kein Treffer für „reuteri“ in VO (EU) Nr. 432/2012 (CELEX 32012R0432); QPS-Update 2026 im Volltext (PMC12824592) gelesen.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Lindert Reizdarm-Beschwerden“ → herstellerfinanziert: [7] laut Finanzierungsangabe von BioGaia teilfinanziert (Präparat, Placebo, Publikationskosten; Volltext PMC12952303), [8] laut Finanzierungsangabe teilweise von BioGaia finanziert, zwei Autoren dort angestellt.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Dichtet die durchlässige Darmbarriere ab“ → kleine_studien: [8] n = 65 (Abstract). herstellerfinanziert: [8] laut Finanzierungsangabe teilweise von BioGaia finanziert, zwei Autoren dort angestellt.
  • Gegenprüfung 26.10.2026 (m004, Umsetzung Claude, zur Bestätigung durch Tilman): Belege der gesetzten Präzisions-Flags (Teilnehmendenzahlen bzw. Finanzierungs- und Interessenangaben) aus den Prüfnotizen in die Begründung übernommen, damit sie für Lesende nachprüfbar sind; Teilnehmendenzahlen erneut an den PubMed-Abstracts abgeglichen.
  • 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-15141 „Limosilactobacillus reuteri“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 17.12.2025). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.

Nicht verifiziert

  • Teilnehmerzahl und Dauer der Autismus-Pilotstudie [6] stehen nicht im Abstract; der Volltext war nicht zugänglich, eine Zuordnung zu einem Registereintrag wurde nicht bestätigt.
  • Teilnehmerzahl der Metagenomstudie [14] nur im Volltext, dieser nicht gelesen.
  • Die Calprotectin-Einheit der Quelle [7] („mg/g of stool“) ist unüblich; Calprotectin im Stuhl wird in der Regel in µg/g angegeben. Die Zahlen stehen deshalb mit der Einheit der Quelle und dem Hinweis darauf im Profil, eine Rückfrage bei den Autoren erfolgte nicht.
  • Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet.Bund nicht abgefragt).
  • Leitlinien zur Helicobacter-pylori-Therapie (DGVS, Maastricht) wurden nicht gelesen; die Einordnung der Verträglichkeitsbefunde in Empfehlungen fehlt deshalb.
  • Der Sepsis-Fallbericht [19] nennt keine Stammbezeichnung und gilt nur für die Art.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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