Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten. Herstellung, Besitz, Handel oder Anwendung können verboten sein; Einzelheiten unter „Rechtlicher Status“.
Versprechen im Check
Microdosing steigert Stimmung, Kreativität und Leistungsfähigkeit
uneinheitlichKeine Verbesserung von Stimmung oder Kognition bei wiederholten Gaben im Labor (56 Teilnehmende) [8]; bessere Selbstbewertung von Stimmung, Energie und Kreativität nur an Einnahmetagen, keine Veränderung nach sechs Wochen (80 Männer) [9]; gemischte Akuteffekte mit mehr positiver Stimmung, aber auch mehr Angst und Verwirrung (24 Teilnehmende) [10]. Metaanalyse: kaum Wirkung auf Kognition und Kreativität [11].
Eine Sitzung lindert Angststörungen
Nutzen belegtPhase-2b-RCT (198 Teilnehmende): 5,0 bzw. 6,0 HAM-A-Punkte besser als Placebo in den höheren Dosisgruppen, niedrigere Gruppen nicht signifikant; vom Hersteller MindMed finanziert, Wahrnehmungsveränderungen bei 92–100 % gegenüber 10 % unter Placebo erschweren die Verblindung [5]. Akademische Überkreuz-RCT (42 Teilnehmende): Angstabnahme bis 16 Wochen, d = −1,18 [6]. Ob Phase-3-Ergebnisse vorliegen, wurde nicht geprüft.
Hilft gegen Alkoholabhängigkeit
kleiner NutzenMetaanalyse von sechs RCTs mit 536 Teilnehmenden: weniger Alkoholmissbrauch nach einer LSD-Gabe (OR 1,96; 95-%-KI 1,36–2,84), ohne Heterogenität [7]. Es handelt sich um ältere Studien mit methodischen Grenzen und wahrscheinlicher Entblindung; neuere RCTs fehlen in den zitierten Quellen, die absolute Effektgröße steht nicht im Abstract.
Wirkweise
Evidenzkarte: LSD (Lysergsäurediethylamid)
Die Kristallstruktur von LSD im menschlichen Serotonin-2B-Rezeptor zeigt, warum LSD so lange wirkt: Eine Schleife des Rezeptors (extrazelluläre Schleife 2) legt sich wie ein Deckel über die Bindungstasche, und LSD dissoziiert außergewöhnlich langsam vom 5-HT2B- und vom 5-HT2A-Rezeptor, dem Hauptziel für die psychoaktive Wirkung [1]. Im Vergleich mit Tryptaminen wie Psilocin und DMT bindet LSD stärker an den 5-HT2A-Rezeptor und zusätzlich an adrenerge und dopaminerge Rezeptoren, aber kaum an den Serotonintransporter [2]. Dass der 5-HT2A-Rezeptor entscheidend ist, zeigt eine RCT mit 24 Gesunden: Ketanserin, eine Stunde nach LSD gegeben, verkürzte die subjektive Wirkung von 8,5 auf 3,5 Stunden, ohne die Pharmakokinetik zu ändern [3].
Nach oraler Gabe erreicht LSD nach etwa 1,5 Stunden den höchsten Plasmaspiegel, die Halbwertszeit beträgt 2,6 Stunden; die Wirkung hält je nach Gabe 8 bis 12 Stunden an und folgt eng dem Plasmaspiegel, ohne Hinweis auf akute Toleranz [4].
Bei generalisierter Angststörung senkte eine einzelne Gabe des Prüfpräparats MM120 in einer herstellerfinanzierten Phase-2b-Studie mit 198 Teilnehmenden die Angstwerte (HAM-A) nach vier Wochen um 5 bis 6 Punkte stärker als Placebo, allerdings nur in den beiden höheren Dosisgruppen [5]. In einer akademischen Studie mit 42 Patientinnen und Patienten mit Angst, teils bei lebensbedrohlicher Erkrankung, sanken Angst- und Depressionswerte bis 16 Wochen nach der Behandlung [6]. Eine Metaanalyse von sechs älteren RCTs mit 536 Teilnehmenden fand bei Alkoholabhängigkeit nach einer LSD-Gabe weniger Alkoholmissbrauch (Odds Ratio 1,96) [7].
Microdosing mit sehr niedrigen, nicht halluzinogenen Gaben veränderte Stimmung und Kognition in einer Laborstudie nicht [8]. In einer Studie mit 80 Männern, die zu Hause einnahmen, waren Stimmung, Energie und Kreativität an Einnahmetagen besser bewertet, nach sechs Wochen aber nicht verändert [9]; eine weitere Studie fand gemischte Effekte, darunter mehr Angst und Verwirrung [10]. Eine Metaanalyse sieht für Microdosing bei Gesunden keinen klaren Nutzen [11]. In klinischen Studien waren schwere Nebenwirkungen bei Gesunden nicht berichtet, bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen bei rund 4 % [12]. Todesfälle, die LSD-Giftigkeit zugeschrieben wurden, ließen sich laut einer Übersicht durch massive Überdosen, Fixierung durch die Polizei oder eine untergeschobene andere Substanz erklären [13]. Gefährlich ist die Kombination mit Lithium [14]. In Deutschland ist LSD ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel [15], in den USA Schedule I [16].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Serotonin-2A-Rezeptor (5-HT2A) | Rezeptor | Agonist | Sehr langsame Dissoziation (rekombinante Rezeptoren); Ketanserin verkürzt die Wirkung von 8,5 auf 3,5 h (Mensch, RCT, n = 24) | Mensch, randomisiert[1][3] |
| Serotonin-2B-Rezeptor (5-HT2B) | Rezeptor | Bindung | Kristallstruktur des Komplexes; „Deckel“ aus extrazellulärer Schleife 2 bremst die Dissoziation | Labor[1] |
| Adrenerge und dopaminerge Rezeptoren | Rezeptor | Bindung | Bindung nachweisbar, anders als bei Psilocin und DMT (rekombinante menschliche Rezeptoren) | Labor[2] |
Wirkprofil
- DopaminBindung an dopaminerge Rezeptoren im Labor; Bedeutung beim Menschen nicht geklärt[2]
- NoradrenalinBindung an adrenerge Rezeptoren im Labor; Bedeutung beim Menschen nicht geklärt[2]
- SerotoninAgonist an 5-HT2A mit sehr langsamer Dissoziation; Ketanserin hebt die Wirkung beim Menschen auf[1][3]
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Lösung oder Kapsel (Studien)
Höchstspiegel nach etwa 1,4 bis 1,5 Stunden, Halbwertszeit 2,6 Stunden, dosisproportionale Kinetik [4]. Absolute Bioverfügbarkeit in den zitierten Quellen nicht angegeben.
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Ketanserin hebt LSD-Wirkung auf
Gemessen: Dauer und Stärke der subjektiven Wirkung
Ergebnis: Wirkdauer 3,5 statt 8,5 Stunden; Pharmakokinetik unverändert.[3]
Mensch, randomisiert
Pharmakokinetik und Konzentrations-Wirkungs-Beziehung
Gemessen: Plasmaspiegel, subjektive Wirkung
Ergebnis: Tmax 1,4–1,5 h, t½ 2,6 h, Wirkdauer 8,2 bzw. 11,6 h; halbmaximale Wirkung bei etwa 1 ng/ml.[4]
Mensch, randomisiert
MM120 bei generalisierter Angststörung
Gemessen: HAM-A nach 4 Wochen
Ergebnis: −5,0 (95-%-KI −9,6 bis −0,4) und −6,0 Punkte (−9,8 bis −2,0) gegenüber Placebo in den höheren Dosisgruppen; finanziert von MindMed.[5]
Mensch, randomisiert
LSD-gestützte Therapie bei Angst
Gemessen: STAI-Global
Ergebnis: −16,2 Punkte gegenüber Placebo (d = −1,18); auch Depressionswerte gesunken.[6]
Mensch, randomisiert
Wiederholte Microdosen im Labor
Gemessen: Stimmung, Kognition, emotionale Aufgaben
Ergebnis: Leichte subjektive Drogeneffekte, keine Verbesserung von Stimmung oder Leistung.[8]
Mensch, randomisiert
Microdosing zu Hause
Gemessen: tägliche Fragebögen, Psychometrie, Kognition
Ergebnis: Bessere Bewertungen an Einnahmetagen; keine Veränderung nach 6 Wochen; 4 Abbrüche wegen Angst in der LSD-Gruppe.[9]
Mensch, randomisiert
Unerwünschte Ereignisse in Psychedelika-Studien
Gemessen: schwere und behandlungsbedürftige Nebenwirkungen
Ergebnis: Keine schweren Ereignisse bei Gesunden, rund 4 % bei Menschen mit neuropsychiatrischen Erkrankungen; Erfassung oft unsystematisch.[12]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Angst und psychische Krisen
In klinischen Studien keine schweren Ereignisse bei Gesunden, aber bei rund 4 % der Menschen mit psychischen Vorerkrankungen (u. a. schlechtere Depression, suizidales Verhalten, Psychose, Krampfanfälle) [12]. Auch beim Microdosing brachen 4 von 40 Teilnehmenden wegen Angst ab [9]. Bei Problemen helfen Hausarztpraxis oder Suchtberatung.
Mensch, randomisiert
Todesfälle und gefälschte Substanzen
Laut einer Übersicht gingen fünf als LSD-Vergiftung bezeichnete Todesfälle auf massive Überdosen (2), Fixierung in Bauchlage durch die Polizei (2) und vermutlich eine untergeschobene Substanz wie 25I-NBOMe mit extremer Überhitzung (1) zurück [13].
Mensch, nicht randomisiert
Krampfanfälle mit Lithium
In 47 % von 62 Online-Berichten über klassische Psychedelika plus Lithium wurden Krampfanfälle beschrieben [14].
Mensch, nicht randomisiert
Lückenhafte Erfassung
Nur 23,5 % der seit 2005 veröffentlichten Studien erfassten Nebenwirkungen systematisch; seltene Risiken sind deshalb schlecht abschätzbar [12].
Mensch, randomisiert
Wechselwirkungen
- Ketanserin: Hebt die Wirkung auf und verkürzt sie von 8,5 auf 3,5 Stunden (RCT) [3].
- Lithium: Krampfanfälle in fast der Hälfte der ausgewerteten Erfahrungsberichte [14].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Microdosing macht produktiver und kreativer“
Leistungstests veränderten sich in placebokontrollierten Studien nicht [8][9]; nur Selbstbewertungen an Einnahmetagen waren besser [9]. Metaanalyse ohne klaren Nutzen [11].
- belegt
„LSD wirkt über den Serotonin-2A-Rezeptor“
Ketanserin hebt die Wirkung beim Menschen auf [3]; die Strukturdaten erklären die lange Bindung [1].
- teilweise belegt
„LSD ist körperlich ungiftig“
Zugeschriebene Todesfälle haben laut Übersicht andere Ursachen [13], und in Studien gab es keine schweren Ereignisse bei Gesunden [12]; psychische Krisen, Unfälle und gefälschte Substanzen bleiben ein Risiko [12][13].
- teilweise belegt
„LSD hilft gegen Angststörungen“
Zwei RCTs zeigen deutliche Effekte [5][6], aber die Verblindung ist kaum möglich [5]; Phase-3-Ergebnisse wurden nicht geprüft.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Höchstspiegel nach 1,4 bis 1,5 Stunden; dosisproportionale Kinetik [4].
- Halbwertszeit
- 2,6 Stunden (95-%-KI 2,2–3,4); Wirkdauer 8 bis 12 Stunden [4].
- Abbau
- Elimination erster Ordnung [4]; Abbauwege in den zitierten Quellen nicht beschrieben. Ketanserin ändert die Kinetik nicht [3].
- Weg ins Gehirn
- Zentral wirksam; Wirkung folgt dem Plasmaspiegel mit leichter Verzögerung [4].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel (Anlage I BtMG); therapeutisch nicht einsetzbar außer in Studien oder über Härtefallregelungen [15].
- EU
- Keine EU-Zulassung als Arzneimittel; die Einstufung regelt jeder Mitgliedstaat selbst [15].
- USA
- Schedule I des Controlled Substances Act [16]; das Prüfpräparat MM120 wurde in einer Phase-2b-Studie bei generalisierter Angststörung getestet [5].
- Andere Länder
- International in Liste I des UN-Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe [15].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Bestätigen Phase-3-Studien den Nutzen bei generalisierter Angststörung, und wie lange hält er an?
- Wie groß ist der Anteil von Erwartung und Entblindung an den klinischen Effekten?
- Welche Rolle spielen die Bindung an 5-HT2B sowie an dopaminerge und adrenerge Rezeptoren beim Menschen?
- Wie häufig sind anhaltende Wahrnehmungsstörungen (HPPD) außerhalb von Studien?
Referenzen
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Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle Abstracts über PubMed gelesen; DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py aufgelöst.
- Am Abstract: Kristallstruktur 5-HT2B, langsame Dissoziation von 5-HT2B und 5-HT2A, Deckel durch EL2 [1]; LSD bindet stärker an 5-HT2A als Tryptamine und an adrenerge/dopaminerge Rezeptoren, Tryptamine (nicht LSD) an SERT [2]; n = 24, 8,5 → 3,5 h, PK unverändert [3]; n = 24 + 16, Tmax 1,4/1,5 h, t½ 2,6 h (2,2–3,4), Wirkdauer 8,2 ± 2,1 und 11,6 ± 1,7 h, EC50 etwa 1 ng/ml, keine akute Toleranz [4]; n = 198 (194 ausgewertet), −5,0 (−9,6 bis −0,4) und −6,0 (−9,8 bis −2,0), visuelle Veränderungen 46,2–100 % vs. 10,3 % [5]; n = 42, −16,2, d = −1,18, 19 % leichte Nebenwirkungen [6]; 6 RCTs, 536 Teilnehmende, OR 1,96 (1,36–2,84), I² = 0 % [7]; 18/19/19 Teilnehmende [8]; 40 + 40 Männer, 4 Abbrüche wegen Angst [9]; n = 24 [10]; 24 Studien, 3681 Teilnehmende [11]; 214 Studien, 114 mit Daten, 3504 Teilnehmende, ca. 4 % schwere Ereignisse bei Vorerkrankten, 16 von 68 (23,5 %) systematische Erfassung [12]; 5 Todesfälle und ihre Ursachen [13]; 47 % von 62 Berichten [14].
- Im Volltext (PMC11515625): LSD in Anlage I BtMG (nicht verkehrsfähig) [15]; US-Schedule I im Abstract von [16].
- Interessen: [5] von MindMed finanziert, mehrere Autoren dort angestellt; [8] Erstautorin berät Psychedelika-Firmen (laut Erklärung nicht studienbezogen); [12] philanthropische Förderung des Hopkins-Zentrums; [4] Schweizerischer Nationalfonds, keine Interessenkonflikte.
- ClinicalTrials.gov: 58 Einträge zu „lysergic acid diethylamide“, 159 zu „LSD“ (Suchbegriff unscharf) am 24.10.2026; keiner vom Sponsor „Hudson Biotech“.
- Gegenprüfung 24.10.2026: Alkoholabhängigkeit von „Nutzen belegt“ auf „kleiner Nutzen“ (ältere RCTs, Entblindung; Abstract von [7]); Aussage „Phase-3-Ergebnisse fehlen noch“ als nicht geprüft gekennzeichnet.
Nicht verifiziert
- Ki-Werte von LSD an 5-HT2A, 5-HT1A, D2 und adrenergen Rezeptoren nicht an einer Primärquelle mit Zahlen geprüft (Rickli 2016 nur als Abstract gelesen).
- Finanzierung von [6] und [9] nicht im Volltext geprüft (Beteiligung von MindMed möglich, nicht belegt).
- Jahre der Einzelstudien in der Alkohol-Metaanalyse [7] stehen nicht im Abstract.
- Häufigkeit von HPPD (anhaltende Wahrnehmungsstörung) außerhalb von Studien und Abhängigkeitspotenzial nicht an einer Primärquelle geprüft; die Metaanalyse [12] fand in modernen Studien keine HPPD-Fälle.
- Absolute Bioverfügbarkeit und Abbauwege (z. B. 2-Oxo-3-hydroxy-LSD, CYP-Enzyme) nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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