Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Mehr Energie und weniger Müdigkeit

    nicht untersucht

    Energie & Stoffwechsel · gesund · Keine Daten

    Das beworbene Gesamtversprechen „Niacin ohne Flush, für Haut und Energie“ ist hier in prüfbare Teile zerlegt: Die Flushfreiheit (belegt) und das Hautbild bei Gesunden (nicht belegt) stehen unter den Behauptungen, der NAD+-Spiegel als eigenes Markerversprechen, der Hautkrebsschutz bei Risikopatienten als eigenes Versprechen. Klinische Endpunkte wie Müdigkeit oder Leistung wurden bei Gesunden mit oraler Einnahme von Nicotinamid nicht untersucht [3][7][8]. Bereich gewählt, weil die Form vor allem als flushfreies Niacin für „Energie“ beworben wird.[3][7][8]

  • Füllt den NAD+-Spiegel auf (nur Marker)

    kein Nutzen

    Energie & Stoffwechsel · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Nur Marker, kein klinischer Endpunkt. In der einzigen randomisierten Vergleichsstudie (offen, placebokontrolliert, 65 Gesunde) hob Nicotinamid das NAD+ im Blut nach 14 Tagen nicht an, NR und NMN dagegen vergleichbar; Nicotinamid veränderte die NAD+-Stoffwechselprodukte im Vollblut nur kurz nach der Einnahme [3]. Ein fehlender Markeranstieg belegt für sich keinen fehlenden klinischen Effekt.

  • Schützt die Haut vor hellem Hautkrebs

    nur bei Kranken belegt

    Haut & Haare · Patienten: frühere helle Hautkrebse · Mensch, randomisiert

    ONTRAC: 23 % weniger neue Karzinome bei immunkompetenten Risikopatienten, kein Effekt nach Absetzen [9]; bei Transplantierten kein Unterschied [10]; Metaanalyse Ratenverhältnis 0,50 bei hoher Heterogenität [11]. Für Gesunde ohne Vorgeschichte und für Hautalterung keine RCTs gefunden.

  • Schützt den Sehnerv bei Glaukom

    uneinheitlich

    Augen · Patienten: Glaukom unter Therapie · Mensch, randomisiert

    Zwei kleine Überkreuz-RCTs: innere Netzhautfunktion im Elektroretinogramm besser, Gesichtsfeld uneinheitlich bzw. unverändert [12][13]; systematischer Review: Daten zu klein und zu kurz für einen belegten Langzeitschutz [14]. Ein Koautor von [13] hält ein Patent zu Nicotinamid bei Glaukom.[12]

  • Schützt das Gehirn bei Alzheimer

    kein Nutzen

    Kognition & Fokus · Patienten: frühe Alzheimer-Erkrankung · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Die Phase-2a-RCT mit 47 ausgewerteten Teilnehmenden verfehlte den primären Liquor-Biomarker pTau231; Nicotinamid erreichte den Liquor nur bei einem Teil der Teilnehmenden und wurde stark zu 1-Methylnicotinamid abgebaut [5].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Nicotinamid (Niacinamid)

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Nicotinamid ist neben Nicotinsäure die zweite klassische Niacinform und in Anhang II der Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel als Vitaminverbindung zugelassen [1]. In menschlichen Zellen wird es über das Enzym NAMPT zu Nicotinamidmononukleotid (NMN) und weiter zu NAD+ umgebaut (Salvage-Weg); in hohen Mengen hemmt Nicotinamid selbst Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen (PARP), und die Leber methyliert es über das dort besonders aktive Enzym NNMT [2]. In einer randomisierten, offenen, placebokontrollierten Studie mit 65 Gesunden hoben NR und NMN das NAD+ im Blut nach 14 Tagen vergleichbar an, Nicotinamid dagegen nicht; es veränderte die NAD+-Stoffwechselprodukte im Vollblut nur kurz nach der Einnahme [3]. Die Kinetik ist nicht linear: Eine zehnfach höhere Menge ergab in einer Kinetikstudie (laut Abstract bei jungen erwachsenen Männern) eine 62-fach größere Fläche unter der Konzentrationskurve [4]. In der NEAT-Studie bei früher Alzheimer-Erkrankung stieg Nicotinamid im Plasma auf mehr als das 130-Fache, das inaktive Abbauprodukt 1-Methylnicotinamid auf mehr als das 600-Fache; im Liquor war Nicotinamid nur bei 6 von 19 Teilnehmenden messbar [5]. Im Labor hemmt Nicotinamid die Sirtuine Sir2 (Hefe) und SIRT1 (Mensch) bereits in physiologischen Konzentrationen (IC50 unter 50 µmol/l) [6].

Der wichtigste praktische Unterschied zur Nicotinsäure ist das Fehlen des Flush: Eine Fallbeschreibung schildert neue Hautrötungen, nachdem in der Apotheke Nicotinsäure statt Nicotinamid abgegeben worden war, und hält fest, dass der Flush unter Nicotinamid nicht auftritt [7]. Eine Übersicht über 14 Reviews fand unter Nicotinamid insgesamt seltener Nebenwirkungen als unter Nicotinsäure, vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Leberwertveränderungen und Hautreaktionen, abhängig von der Menge [8].

Am besten untersucht ist der Hautkrebsschutz. In der australischen ONTRAC-Studie mit 386 Menschen nach mindestens zwei hellen Hautkrebsen sanken neue Basalzell- und Plattenepithelkarzinome über zwölf Monate um 23 %, aktinische Keratosen um 11 bis 20 %; nach dem Absetzen verschwand der Effekt [9]. Bei 158 Organtransplantierten unter Immunsuppression fand eine Folgestudie dagegen keinen Unterschied (Ratenverhältnis 1,0) [10]. Eine Metaanalyse von fünf RCTs mit 552 Patienten ergab ein Ratenverhältnis von 0,50 für Hautkrebs, bei deutlicher Heterogenität und mehr Magen-Darm-Beschwerden [11]. Bei Glaukom verbesserte Nicotinamid in zwei randomisierten Überkreuzstudien (57 bzw. 53 Teilnehmende) elektrophysiologische Maße der inneren Netzhaut, das Gesichtsfeld aber uneinheitlich [12][13]; ein systematischer Review hält die Daten für zu klein und zu kurz, um einen anhaltenden Schutz zu belegen [14]. Typ-1-Diabetes bei 552 Angehörigen mit Inselzell-Antikörpern verhinderte es über fünf Jahre nicht (HR 1,07) [15]. Eine Sicherheitsübersicht beschreibt eine große therapeutische Breite, aber reversible Leberschäden in sehr hohen Mengen und in einigen Studien eine leichte Insulinresistenz [16].

Formulierungen und Herkunft: Eine Retardform (Enduramide) erreichte bei vergleichbarer hoher Menge eine niedrigere Spitzenkonzentration und eine kleinere Fläche unter der Kurve als normales Nicotinamid, war also nach Einzelgabe weniger bioverfügbar; für die Dauergabe wurden die Spiegel nur am Computer aus den Einzelgabedaten modelliert [4]; ENDIT verwendete eine Form mit veränderter Freisetzung [15]. Auf der Haut wird Niacinamid vor allem kosmetisch eingesetzt: In Kulturen menschlicher Keratinozyten steigerte es die Ceramidsynthese, und auf trockene Haut aufgetragen erhöhte es Ceramide und senkte den Wasserverlust [17]; kontrollierte Vergleiche mit oraler Einnahme wurden nicht gefunden. Daten zu natürlicher gegenüber synthetischer Herkunft wurden nicht gefunden.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
NAMPT (Salvage-Weg zu NMN und NAD+)EnzymBindungSubstrat; Wirkungen in Zellen durch NAMPT-Hemmung weitgehend aufgehoben (Übersicht) Labor[2]
SIRT1 (und Hefe-Sir2)EnzymHemmernicht kompetitiv, IC50 < 50 µmol/l (in vitro) Labor[6]
Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen (PARP)EnzymHemmerin hohen Konzentrationen (Übersicht, Labordaten) Labor[2]
NNMT (Methylierung zu 1-Methylnicotinamid)EnzymBindung1-Methylnicotinamid im Plasma > 600-fach (RCT, Nachauswertung) Mensch, randomisiert[2][5]
Serin-Palmitoyltransferase in KeratinozytenEnzymExpression ↑Ceramidsynthese 4,1- bis 5,5-fach (Zellkultur) Labor[17]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselunklar · Substrat der NAD+-Synthese; Blut-NAD+ nach 14 Tagen nicht erhöht (RCT), nur kurzfristige Veränderungen[2][3]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · schnell freisetzend gegenüber Retardform (Enduramide)

    Nicht lineare Kinetik (laut Abstract bei jungen erwachsenen Männern); nach hoher Einzelgabe Spitzenkonzentration der Standardform 75 % höher und Fläche unter der Kurve signifikant größer als bei der Retardform; für die Dauergabe am Computer modelliert 1,7-fach größere Fläche unter der Kurve [4].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Standardform, hohe Mengen über ein Jahr

    Plasma-Nicotinamid > 130-fach, 1-Methylnicotinamid > 600-fach; im Liquor nur bei 6 von 19 Teilnehmenden messbar, dort etwa 66 % des Plasmaspiegels [5].

    Mensch, randomisiert

  • Transdermal (über die Haut) · Creme (topisches Niacinamid)

    Ceramide und freie Fettsäuren in der Hornschicht ↑, Wasserverlust bei trockener Haut ↓; Studiendesign laut Abstract nicht kontrolliert beschrieben [17].

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • ONTRAC (Hautkrebsprävention)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Phase 3 · Patienten: mindestens zwei helle Hautkrebse in fünf Jahren · n = 386 · 12 Monate (plus 6 Monate Nachbeobachtung)

    Gemessen: neue Basalzell- und Plattenepithelkarzinome

    Ergebnis: −23 % (95-%-KI 4–38); aktinische Keratosen −11 bis −20 %; kein Effekt nach Absetzen.[9]

    Mensch, randomisiert

  • ONTRANS (Transplantierte)

    RCT, placebokontrolliert, Phase 3, vorzeitig beendet · Patienten: Organtransplantierte mit Hautkrebs · n = 158 · 12 Monate

    Gemessen: neue Keratinozytenkarzinome

    Ergebnis: 207 vs. 210 (Ratenverhältnis 1,0).[10]

    Mensch, randomisiert

  • Glaukom, Netzhautfunktion

    RCT, doppelblind, Überkreuz · Patienten: behandeltes Glaukom · n = 57 · 2 × 12 Wochen

    Gemessen: PhNR im Elektroretinogramm, Gesichtsfeld

    Ergebnis: Vmax +14,8 vs. +5,2 %; Trend zu besserem Gesichtsfeld.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Normaldruckglaukom

    RCT, doppelblind, Überkreuz · Patienten: Normaldruckglaukom · n = 53 · 2 × 12 Wochen

    Gemessen: PhNR und B-Welle, Gesichtsfeld

    Ergebnis: PhNR und B-Welle stärker verbessert als unter Placebo; Gesichtsfeld ohne Unterschied.[13]

    Mensch, randomisiert

  • ENDIT (Typ-1-Diabetes-Prävention)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Angehörige mit Inselzell-Antikörpern · n = 552 · 5 Jahre

    Gemessen: Typ-1-Diabetes

    Ergebnis: 82 vs. 77 Erkrankte; HR 1,07; keine Unterschiede bei schweren Nebenwirkungen.[15]

    Mensch, randomisiert

  • NAD+-Vorstufen im Vergleich

    RCT, offen, placebokontrolliert, mehrarmig · gesund · n = 65 · 14 Tage

    Gemessen: NAD+ im Blut

    Ergebnis: NR und NMN hoben NAD+ vergleichbar, Nicotinamid nicht; Autorinnen und Autoren bei Nestlé angestellt.[3]

    Mensch, randomisiert

  • NEAT (frühe Alzheimer-Erkrankung), Kinetik-Nachauswertung

    RCT, placebokontrolliert, Phase 2a, zwei Zentren; verblindete Nachauswertung (post hoc) · Patienten: frühe Alzheimer-Erkrankung · n = 47 · 12 Monate

    Gemessen: pTau231 im Liquor (primär), Nicotinamid und 1-Methylnicotinamid in Plasma und Liquor

    Ergebnis: Primärer Endpunkt pTau231 verfehlt; Plasma-Nicotinamid > 130-fach, 1-Methylnicotinamid > 600-fach; im Liquor nur bei 6 von 19 messbar. n = 23 Verum und 24 Placebo in der Nachauswertung, Gesamtzahl der Studie nicht im Abstract.[5]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Leberwertveränderungen und Leberschäden in sehr hohen Mengen

    Reversible Lebertoxizität in sehr hohen Mengen bei Tier und Mensch, seltene leichte Leberwertveränderungen in Präventionsmengen [16]; Übersicht vermutet unter anderem eine Belastung des Methylstoffwechsels über NNMT [2].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Magen-Darm-Beschwerden

    In der Metaanalyse der Hautkrebsstudien mehr Verdauungsbeschwerden als unter Kontrolle [11]; laut Übersicht über Reviews insgesamt seltener Nebenwirkungen als unter Nicotinsäure [8].

    Mensch, randomisiert

  • Insulinresistenz (uneinheitlich)

    Die Sicherheitsübersicht beschreibt widersprüchliche Daten zu Glukosekinetik und Insulinsensitivität, in einigen Studien eine leichte Insulinresistenz [16].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Verwechslung mit Nicotinsäure

    Abgabe von Nicotinsäure statt Nicotinamid führte zu neuem Flush [7].

    Mensch, nicht randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • belegt

    „Nicotinamid verursacht keinen Flush“

    Fallbeschreibung und Übersichten beschreiben den Flush als Nebenwirkung der Nicotinsäure, nicht des Nicotinamids [7][8].

  • widerlegt

    „Nicotinamid füllt den NAD+-Speicher genauso auf wie NR oder NMN“

    Im direkten randomisierten Vergleich hob nur NR und NMN das Blut-NAD+ nach 14 Tagen [3].

  • teilweise belegt

    „Nicotinamid bremst die Langlebigkeitsenzyme (Sirtuine)“

    Hemmung von SIRT1 in vitro gezeigt [6]; ob das nach Einnahme beim Menschen eintritt, ist nicht untersucht.

  • nicht belegt

    „Niacinamid-Kapseln verbessern das Hautbild wie Niacinamid-Cremes“

    Daten zur Hautbarriere stammen aus Zellkultur und Anwendung auf der Haut [17]; orale RCTs bei Gesunden zu Hautbild oder Hautalterung wurden nicht gefunden.

  • widerlegt

    „Nicotinamid beugt Typ-1-Diabetes vor“

    ENDIT, RCT mit 552 Angehörigen mit Inselzell-Antikörpern über fünf Jahre: kein Unterschied zu Placebo (HR 1,07; 0,78–1,45) [15].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Rasche Aufnahme; akute, kurz anhaltende Veränderung der NAD+-Stoffwechselprodukte im Vollblut [3]; nicht lineare Kinetik bei hohen Mengen [4].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Salvage-Weg über NAMPT zu NMN und NAD+; Methylierung über NNMT (vor allem Leber) zu 1-Methylnicotinamid [2][5].
Weg ins Gehirn
In NEAT im Liquor nur bei einem Drittel der Behandelten messbar, dort etwa 66 % des Plasmaspiegels; häufiger erhöhtes 1-Methylnicotinamid im Liquor [5].

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Nicotinamid verzeichnet (Abruf 24.10.2026) [19]; als Vitaminverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [1].
EU
Anhang II Teil A, Nr. 7 b der RL 2002/46/EG (zulässige Vitaminverbindung für Nahrungsergänzungsmittel) [1].
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

    Nährstoff
    Niacin
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[18]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
  • „trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“

    Nährstoff
    Niacin
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[18]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht (siehe Versprechen „Mehr Energie und weniger Müdigkeit“)
  • „trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“

    Nährstoff
    Niacin
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[18]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht (oral; Hautkrebsschutz nur bei Risikopatienten)

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Senkt Nicotinamid auch bei Menschen ohne Hautkrebsvorgeschichte das Risiko, und wie lange muss es dafür eingenommen werden?
  • Bringt die starke Methylierung zu 1-Methylnicotinamid bei Langzeiteinnahme Nachteile für den Methylstoffwechsel?
  • Verlangsamt Nicotinamid bei Glaukom das Fortschreiten der Gesichtsfeldausfälle über Jahre?

Referenzen

  1. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  2. Hwang ES, Song SB. Possible adverse effects of high-dose nicotinamide: mechanisms and safety assessment. Biomolecules. 2020;10(5):687. doi:10.3390/biom10050687 · PubMed
  3. Christen S, Redeuil K, Goulet L, Giner MP, Breton I, Rota R, et al. The differential impact of three different NAD+ boosters on circulatory NAD and microbial metabolism in humans. Nat Metab. 2026;8(1):62–73. doi:10.1038/s42255-025-01421-8 · PubMed
  4. Petley A, Macklin B, Renwick AG, Wilkin TJ. The pharmacokinetics of nicotinamide in humans and rodents. Diabetes. 1995;44(2):152–5. doi:10.2337/diab.44.2.152 · PubMed
  5. Ketron GL, Grun F, Grill JD, Feldman HH, Rissman RA, Brewer GJ. Pharmacokinetic and pharmacodynamic assessment of oral nicotinamide in the NEAT clinical trial for early Alzheimer's disease. Alzheimers Res Ther. 2025;17(1):59. doi:10.1186/s13195-025-01693-y · PubMed
  6. Bitterman KJ, Anderson RM, Cohen HY, Latorre-Esteves M, Sinclair DA. Inhibition of silencing and accelerated aging by nicotinamide, a putative negative regulator of yeast sir2 and human SIRT1. J Biol Chem. 2002;277(47):45099–107. doi:10.1074/jbc.M205670200 · PubMed
  7. Kademian M, Bechtel M, Zirwas M. Case reports: new onset flushing due to unauthorized substitution of niacin for nicotinamide. J Drugs Dermatol. 2007;6(12):1220–1. PubMed
  8. Young SL, Gazzard G. The adverse effects of oral niacin/nicotinamide – an overview of reviews. Eye (Lond). 2025;39(16):2852–9. doi:10.1038/s41433-025-04027-2 · PubMed
  9. Chen AC, Martin AJ, Choy B, Fernández-Peñas P, Dalziell RA, McKenzie CA, et al. A phase 3 randomized trial of nicotinamide for skin-cancer chemoprevention. N Engl J Med. 2015;373(17):1618–26. doi:10.1056/NEJMoa1506197 · PubMed
  10. Allen NC, Martin AJ, Snaidr VA, Eggins R, Chong AH, Fernandéz-Peñas P, et al. Nicotinamide for skin-cancer chemoprevention in transplant recipients. N Engl J Med. 2023;388(9):804–12. doi:10.1056/NEJMoa2203086 · PubMed
  11. Mainville L, Smilga AS, Fortin PR. Effect of nicotinamide in skin cancer and actinic keratoses chemoprophylaxis, and adverse effects related to nicotinamide: a systematic review and meta-analysis. J Cutan Med Surg. 2022;26(3):297–308. doi:10.1177/12034754221078201 · PubMed
  12. Hui F, Tang J, Williams PA, McGuinness MB, Hadoux X, Casson RJ, et al. Improvement in inner retinal function in glaucoma with nicotinamide (vitamin B3) supplementation: a crossover randomized clinical trial. Clin Exp Ophthalmol. 2020;48(7):903–14. doi:10.1111/ceo.13818 · PubMed
  13. Ha A, Kim YK, Lee CK, Williams PA, Morgan JE, Shin YI, et al. Effects of nicotinamide supplementation in normal-tension glaucoma: a crossover placebo-controlled randomised clinical trial. Br J Ophthalmol. 2026;110(4):417–24. doi:10.1136/bjo-2025-328096 · PubMed
  14. Giudiceandrea A, Cocuzza M, Gravina G, Silvestri V, Amore F, Sulfaro M, et al. Nicotinamide supplementation in glaucoma: a systematic review of human studies. Nutrients. 2026;18(17):2885. doi:10.3390/nu18172885 · PubMed
  15. Gale EA, Bingley PJ, Emmett CL, Collier T; European Nicotinamide Diabetes Intervention Trial (ENDIT) Group. European Nicotinamide Diabetes Intervention Trial (ENDIT): a randomised controlled trial of intervention before the onset of type 1 diabetes. Lancet. 2004;363(9413):925–31. doi:10.1016/S0140-6736(04)15786-3 · PubMed
  16. Knip M, Douek IF, Moore WP, Gillmor HA, McLean AE, Bingley PJ, et al. Safety of high-dose nicotinamide: a review. Diabetologia. 2000;43(11):1337–45. doi:10.1007/s001250051536 · PubMed
  17. Tanno O, Ota Y, Kitamura N, Katsube T, Inoue S. Nicotinamide increases biosynthesis of ceramides as well as other stratum corneum lipids to improve the epidermal permeability barrier. Br J Dermatol. 2000;143(3):524–31. doi:10.1111/j.1365-2133.2000.03705.x · PubMed
  18. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
  19. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Nicotinamid“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Rechtsstatus am konsolidierten Text der RL 2002/46/EG (CELEX 02002L0046-20251126): Anhang II Teil A, Nr. 7 b „Nicotinamid“.
  • Im Volltext (PMC7277745) von [2]: Umbau über NAMPT zu NMN und NAD+ (Salvage-Weg), PARP-Hemmung durch Nicotinamid, NNMT in der Leber am stärksten exprimiert, Lebertoxizität in hohen Mengen.
  • Am Abstract: 65 Gesunde, 14 Tage, NR/NMN vs. Nicotinamid, Nestlé-Angestellte [3]; nicht lineare Kinetik, 10-fache Menge → 62-fache AUC, Standardform 75 % höhere Spitze und signifikant größere AUC nach Einzelgabe, 1,7-fache AUC für Dauergabe modelliert, „young adult men“ beim Vergleich der niedrigen Mengen [4]; Plasma > 130-fach, 1-Methylnicotinamid > 600-fach, Liquor 6/19, 66 %, primärer Endpunkt verfehlt [5]; IC50 < 50 µmol/l [6]; Flush tritt unter Nicotinamid nicht auf [7]; 14 Reviews, seltener Nebenwirkungen als Nicotinsäure [8]; 386 Teilnehmende, −23 %, Keratosen −11 bis −20 % [9]; 158 Transplantierte, 207 vs. 210 [10]; 29 Studien, 5 RCTs mit 552 Patienten, Ratenverhältnis 0,50, mehr Verdauungsbeschwerden [11]; 57 Teilnehmende, Vmax +14,8 vs. +5,2 % [12]; 53 Teilnehmende, PhNR und B-Welle, Patent eines Koautors [13]; 13 Berichte, 8 Studien, Evidenz unzureichend [14]; 552 Angehörige, HR 1,07, 82 vs. 77 [15]; Sicherheitsübersicht [16]; Keratinozyten 4,1–5,5-fache Ceramidsynthese, topische Anwendung [17].
  • PubChem: Nicotinamide CID 936, C6H6N2O.
  • Gesundheitsbezogene Angaben für Niacin im Wortlaut der VO (EU) Nr. 432/2012 gelesen: Basisfassung CELEX 32012R0432 und konsolidierte Fassung CELEX 02012R0432-20250820 (beide über Cellar, XHTML, 24.10.2026); die drei Angaben in health_claims sind in beiden Fassungen wortgleich (K5).
  • Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Nicotinamid“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 54 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [19]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Füllt den NAD+-Spiegel auf (nur Marker)“ → kleine_studien: [3] n = 65 (Abstract).
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Schützt das Gehirn bei Alzheimer“ → kleine_studien: [5] 47 Teilnehmende (23 Verum, 24 Placebo; Abstract).
  • Gegenprüfung 26.10.2026 (m004, Umsetzung Claude, zur Bestätigung durch Tilman): Belege der gesetzten Präzisions-Flags (Teilnehmendenzahlen bzw. Finanzierungs- und Interessenangaben) aus den Prüfnotizen in die Begründung übernommen, damit sie für Lesende nachprüfbar sind; Teilnehmendenzahlen erneut an den PubMed-Abstracts abgeglichen.

Nicht verifiziert

  • Arzneimittelstatus von Nicotinamid in den USA.
  • Design und Fallzahl der topischen Anwendung in [17] (Abstract nennt keine Kontrolle); mögliche Herstellerbeteiligung (Kosmetikindustrie) nicht geprüft.
  • Ob Nicotinamid den Nicotinsäure-Rezeptor HCA2 nicht aktiviert (als Erklärung für das Fehlen des Flush), wurde an keiner Primärquelle geprüft; im Profil steht deshalb nur die klinische Beobachtung.
  • Fallzahl und genaue Population der Kinetikstudie [4] (Abstract nach 250 Wörtern abgeschnitten, Volltext nicht geprüft); ob auch die Hochdosisvergleiche nur an jungen Männern liefen.
  • Gesamtzahl der Teilnehmenden der NEAT-Hauptstudie (Abstract von [5] nennt nur die 47 der Nachauswertung).
  • Halbwertszeit nicht an einer Primärquelle geprüft.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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