Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Gegen PMS-Beschwerden
uneinheitlichDas beworbene Gesamtversprechen „für Nerven, Psyche und gegen PMS-Beschwerden“ ist in seine prüfbaren Teile zerlegt; dieser Eintrag bewertet nur den PMS-Teil. Die placebokontrollierten Studien nennen laut Abstract nur „Pyridoxin“ bzw. „Vitamin B6“ ohne Salz; nach der Standardform-Regel (Leitfaden K2, Entscheidung von Tilman vom 24.10.2026) zählen sie für Pyridoxinhydrochlorid. Sie widersprechen sich: Doll 1989 (doppelblinde Überkreuz-RCT, 63 randomisiert, 32 vollständig) fand nur bei emotionalen Symptomen eine Besserung, bei starkem Placeboeffekt [15]. Hagen 1985 (Überkreuz-RCT, 34 Frauen) und Malmgren 1987 (doppelblinde Überkreuzstudie, 19 Frauen mit PMS) fanden keine signifikante Besserung gegenüber Placebo [16][21]. Bei Williams 1985 (randomisiert, verblindet, 434 ausgewertet) unterschieden sich die Einzelsymptome nicht signifikant, nur die Gesamtbeurteilung war unter Pyridoxin besser [19]. Bei Kendall 1987 (55 Frauen) besserten sich laut Autoren möglicherweise vegetative und Verhaltenssymptome, ein erheblicher Teil der körperlichen und affektiven Symptome blieb [20]. Bei Diegoli 1998 lag der Symptomrückgang unter Pyridoxin im Bereich der Placebophasen [22]. Der systematische Review von neun RCTs (940 Patientinnen) fand eine Besserung der Gesamtsymptome (OR 2,32) bei überwiegend geringer Studienqualität [7], ein neuerer Review nur eine Studie mit niedrigem Verzerrungsrisiko [8]. Widersprechende Studien gleicher Stufe ergeben „uneinheitlich“. Ausdrücklich mit Pyridoxinhydrochlorid gibt es zusätzlich eine retrospektive Auswertung von 630 Patientinnen einer PMS-Ambulanz ohne Kontrollgruppe (gutes oder teilweises Ansprechen bei der Mehrheit) [18]. Bereich gewählt, weil die Studien vor allem psychische PMS-Symptome erfassen.[16][21]
Für die Nerven
nicht untersuchtKeine Studie gefunden, die bei ausreichend versorgten Gesunden einen Nutzen zusätzlichen Pyridoxins für das Nervensystem prüft; die zugelassene Angabe beschreibt nur die Funktion des Nährstoffs [13]. Umgekehrt ist hohe Pyridoxinzufuhr mit einer sensorischen Neuropathie verbunden; die EFSA wertet den Zusammenhang als gut belegt [2][6]. Bereich wie beim PMS-Versprechen, weil „Nerven“ in der Werbung meist zusammen mit der Psyche genannt wird.[2][6]
Weniger Angst und depressive Verstimmung
uneinheitlichDrei RCTs gleicher Stufe widersprechen sich. Eine doppelblinde Studie (Angst-Auswertung 265 Personen) fand weniger selbstberichtete Angst und einen Trend zu weniger Depressivität [9]; die Folgestudie derselben Gruppe sah einen Effekt auf Depressivität nur in einer Untergruppe, keinen auf Angst oder Stress [10]. Beide Studien der Gruppe verwendeten laut Volltext Pyridoxinhydrochlorid; die Tabletten stellte jeweils ein Hersteller zur Verfügung [9][10]. Bryan 2002 (laut Cochrane-Review doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert; 211 gesunde jüngere, mittelalte und ältere Frauen, B6-Arm neben Folat-, B12- und Placeboarm) nennt nur „Vitamin B-6“ ohne Salz und zählt nach der Standardform-Regel (Leitfaden K2, Entscheidung von Tilman vom 24.10.2026) für Pyridoxinhydrochlorid: Laut Abstract hatte die Supplementierung keinen Effekt auf die Stimmung [23], laut Cochrane-Review auch nicht bei den älteren Frauen unter B6 gegenüber Placebo [11]. Bei älteren Männern blieb die Stimmung unter ausdrücklich genanntem Pyridoxinhydrochlorid ebenfalls unverändert [12]. Widersprechende Studien gleicher Stufe ergeben „uneinheitlich“, nicht „Einzelbefund“.
Bessere Gedächtnisleistung im Alter
kein NutzenZwei kleine RCTs, beide im Cochrane-Review [11]. Deijen 1992 (76 gesunde Männer in 38 nach Alter, PLP-Spiegel und Intelligenzwert gematchten Paaren, laut Cochrane-Review je Paar zufällig zugeteilt; Pyridoxinhydrochlorid): Die Autoren berichten eine mäßige, signifikante Verbesserung der Speicherung im Langzeitgedächtnis, keine Effekte auf Stimmung oder andere Leistungen [12]; die Cochrane-Reanalyse derselben Studie fand keine signifikanten Unterschiede zu Placebo [11]. Bryan 2002 nennt nur „Vitamin B-6“ ohne Salz und zählt nach der Standardform-Regel (Leitfaden K2, Entscheidung von Tilman vom 24.10.2026) für Pyridoxinhydrochlorid: Laut Cochrane-Review (doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert) zeigten 12 gesunde Frauen von 65 bis 92 Jahren unter B6 gegenüber 21 unter Placebo keinen signifikanten Nutzen bei Kognition oder Stimmung [11]; der Abstract der Studie berichtet einen positiven Effekt auf einige Gedächtnismaße über alle Supplemente hinweg, ohne ihn einem Vitamin zuzuordnen [23]. Mit demselben Maßstab für beide Studien widersprechen sie sich nicht: Nach den Angaben der Autoren zeigen beide Effekte nur bei einzelnen Gedächtnismaßen (bei Bryan ohne Zuordnung zu einem Vitamin) [12][23], in der unabhängigen Cochrane-Auswertung zeigt keine einen signifikanten Nutzen [11]. Bewertet wird nach der Cochrane-Auswertung, weil sie beide Studien einheitlich und für die Zielgruppe (Ältere) auswertet: „kein Nutzen“ für Studiendauern von 5 bzw. 12 Wochen. Plasma-PLP stieg unter Pyridoxinhydrochlorid deutlich (Marker) [11].
Wirkweise
Evidenzkarte: Pyridoxinhydrochlorid
Vitamin B6 ist der Sammelbegriff für Pyridoxin (PN), Pyridoxal (PL), Pyridoxamin (PM) und ihre 5′-Phosphate. Als Coenzym wirkt nur Pyridoxal-5′-phosphat (PLP); PLP-abhängige Enzyme sind am Aminosäure- und Neurotransmitterstoffwechsel (darunter die GABA-Synthese), am Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel und an der Blutbildung beteiligt [1]. Pyridoxinhydrochlorid ist die häufigste B6-Form in Nahrungsergänzungsmitteln und wird laut EFSA nahezu vollständig (rund 95 %) aufgenommen [2]. Die Pyridoxalkinase phosphoryliert PN zu Pyridoxin-5′-phosphat, das die Pyridox(am)in-5′-phosphat-Oxidase (PNPO) vor allem in der Leber zu PLP oxidiert; ausgeschieden wird B6 hauptsächlich als 4-Pyridoxinsäure im Urin [1][2]. Eine kleine Studie mit fünf Männern, die gleiche molare Mengen PN, PL und PM verglich, wertet die EFSA als Beleg für eine ähnliche Bioverfügbarkeit der drei Formen [2]; laut Abstract der Studie selbst wurde PL rasch aus dem Plasma entfernt und oxidiert, und auf PM reagierten die Messwerte generell langsamer als auf PN oder PL [3].
Bei hoher Zufuhr werden Pyridoxalkinase und PNPO gesättigt. Dann erscheint unverändertes PN im Blut und kann sich bei längerer Einnahme anreichern [2]. In Zellkultur (SH-SY5Y-Neuroblastomzellen) war von fünf B6-Formen nur PN zytotoxisch, und PN hemmte zwei PLP-abhängige Enzyme kompetitiv; die Autoren erklären so, warum Symptome einer zu hohen Zufuhr denen eines Mangels ähneln [4]. Ein Review hält die Hemmung der Pyridoxalkinase in peripheren Nerven mit gestörter GABA-Signalgebung für den plausibelsten Mechanismus; beim Menschen belegt ist das nicht [5]. Klinisch ist die sensorische Neuropathie seit einer Fallserie von 1983 bekannt: Sieben Erwachsene entwickelten nach täglicher hoher Pyridoxinzufuhr Ataxie und schwere Sensibilitätsstörungen und besserten sich nach dem Absetzen [6]. Die EFSA wertet den Zusammenhang zwischen zu hoher B6-Zufuhr und peripherer Neuropathie als gut belegt und sieht ein Überschreitungsrisiko ihrer Obergrenze nur bei regelmäßiger Verwendung hoch dosierter Nahrungsergänzungsmittel [2].
Das Versprechen gegen PMS stützt sich auf ältere, meist kleine Studien. Ein systematischer Review von neun placebokontrollierten Studien mit 940 Patientinnen fand eine Besserung der Gesamtsymptome (OR 2,32) und in einer Teilauswertung von vier Studien mit 541 Patientinnen auch depressiver Symptome (OR 1,69), betont aber die geringe Qualität der meisten Studien [7]. Ein neuerer Review von 31 RCTs zu Ernährungsmaßnahmen bei PMS sah für Vitamin B6 durchweg günstige Effekte auf psychische Symptome, doch nur eine der eingeschlossenen Studien hatte ein niedriges Verzerrungsrisiko [8]. Die gefundenen PMS-RCTs nennen laut Abstract nur „Pyridoxin“ bzw. „Vitamin B6“, nicht das Salz; nach der Standardform-Regel des Leitfadens zählen sie für Pyridoxinhydrochlorid. Ihre Einzelergebnisse widersprechen sich: von keiner signifikanten Besserung gegenüber Placebo über Besserung nur einzelner Symptombereiche bis zu einer besseren Gesamtbeurteilung ohne signifikante Einzelsymptome (Einzelheiten und Belege beim Versprechen „Gegen PMS-Beschwerden“). Bei überwiegend jungen Erwachsenen senkte Pyridoxinhydrochlorid in einer doppelblinden Studie selbstberichtete Angst [9]; eine Folgestudie derselben Gruppe fand eine Abnahme depressiver Symptome nur in der Untergruppe mit mindestens leichten Symptomen zu Beginn [10]. Ein Cochrane-Review mit zwei RCTs fand bei gesunden Älteren keinen Nutzen für Stimmung oder Kognition; in einer der beiden Studien stieg das Plasma-PLP deutlich [11]. Die Autoren dieser Studie mit Pyridoxinhydrochlorid berichteten selbst eine mäßige Verbesserung der Speicherung im Langzeitgedächtnis [12]; in der zweiten Studie („Vitamin B-6“ ohne Salz, ältere Frauen) zeigte sich laut Review kein Nutzen [11]. Die zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben („trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“, „trägt zur normalen psychischen Funktion bei“, „trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei“) beschreiben die Funktion des Nährstoffs, keinen Zusatznutzen bei ausreichender Versorgung [13].
Formulierungen und Herkunft: Zu Retard-, liposomalen oder anderen Zubereitungen von Pyridoxinhydrochlorid wurden keine vergleichenden Humandaten gefunden. Pyridoxin-5′-β-D-glucosid, eine B6-Form vieler pflanzlicher Lebensmittel, ist laut EFSA rund 50 % schlechter verfügbar als Pyridoxinhydrochlorid; B6 aus „natürlichen“ Pflanzenquellen ist also nicht automatisch besser verwertbar [2].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Pyridoxalkinase (Phosphorylierung von PN) | Enzym | Bindung | Substrat; bei hoher Zufuhr gesättigt | Labor[1][2] |
| Pyridox(am)in-5′-phosphat-Oxidase (PNPO) | Enzym | Bindung | Substrat (Pyridoxin-5′-phosphat → PLP) | Labor[1][2] |
| Glutamatdecarboxylase und andere PLP-abhängige Enzyme (über PLP) | Enzym | Aktivator | PLP als Coenzym | Labor[1] |
| PLP-abhängige Enzyme bei PN-Überschuss | Enzym | Hemmer | kompetitive Hemmung durch PN (Zellkultur) | Labor[4] |
| Pyridoxalkinase in peripheren Nerven (Hemmung durch PN) | Enzym | Hemmer | Hypothese aus Review | Labor[5] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABAPLP ist Coenzym der GABA-Synthese (Evidenzstufe bezieht sich auf diese Funktion). In einer RCT verstärkte PN-HCl die visuelle Umfeldhemmung, die als indirekter Marker gilt; GABA selbst wurde nicht gemessen. Bei Überschuss wird eine periphere Störung vermutet (Hypothese)[1][5][9]
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Pyridoxinhydrochlorid
≈ 95 % (Mensch, EFSA-Angabe)Laut EFSA nahezu vollständige Aufnahme; Umwandlung zu PLP über Pyridoxalkinase und PNPO, die bei hoher Zufuhr gesättigt werden, sodass freies PN im Plasma erscheint [2].
Mensch, nicht randomisiert
Oral (geschluckt) · Pyridoxin im Vergleich mit Pyridoxal und Pyridoxamin (gleiche molare Menge)
Fünf Männer, je eine Gabe pro Woche. Die EFSA leitet aus der Studie eine ähnliche Bioverfügbarkeit der drei Formen ab (gemessen an 4-Pyridoxinsäure im Urin sowie Gesamt-B6 und PLP im Plasma) [2]; laut Abstract wurde PL rasch aus dem Plasma entfernt und oxidiert, auf PM reagierten die Messwerte generell langsamer [3].
Mensch, nicht randomisiert
Oral (geschluckt) · Pyridoxin-5′-β-D-glucosid (pflanzliche Lebensmittel)
rund 50 % niedriger als Pyridoxinhydrochlorid (EFSA-Angabe)Muss vor der Aufnahme im Darm gespalten werden; dieser Schritt begrenzt die Aufnahme [2].
Mensch, nicht randomisiert
Studien am Menschen
Vitamin B6 bei PMS (Review)
Gemessen: Besserung der Gesamt- und depressiven Symptome
Ergebnis: OR 2,32 (Gesamtsymptome, neun Studien); OR 1,69 (depressive Symptome, nur vier Studien mit 541 Patientinnen); meist geringe Studienqualität.[7]
Mensch, randomisiert
Pyridoxin bei PMS, Hausarztpraxis
Gemessen: Symptomtagebuch (neun Symptome)
Ergebnis: Bei 32 Frauen mit vollständigem Verlauf Besserung emotionaler Symptome (p < 0,05), keine bei anderen Symptomen; starker Placeboeffekt.[15]
Mensch, randomisiert
Vitamin B6 bei prämenstrueller Spannung
Gemessen: prämenstruelle Symptome
Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo; deutlicher Periodeneffekt.[16]
Mensch, randomisiert
Williams 1985, Pyridoxin bei PMS in Hausarztpraxen
Gemessen: neun Einzelsymptome, Gesamtbeurteilung
Ergebnis: 434 ausgewertet; Einzelsymptome in beiden Gruppen gebessert, Unterschied nicht signifikant; Gesamtbeurteilung unter Pyridoxin signifikant besser (p < 0,02).[19]
Mensch, randomisiert
Kendall 1987, Vitamin B6 bei prämenstruellen Stimmungsänderungen
Gemessen: prospektives Symptomtagebuch
Ergebnis: Möglicherweise Besserung vegetativer und Verhaltenssymptome; ein erheblicher Teil der körperlichen und affektiven Symptome blieb.[20]
Mensch, randomisiert
Malmgren 1987, Vitamin B6 und Serotoninaufnahme
Gemessen: PMS-Symptome, Serotoninaufnahme der Thrombozyten
Ergebnis: Keine signifikante Besserung der Symptome; Vmax stieg unter Behandlung in beiden Gruppen, ohne Unterschied zwischen Vitamin B6 und Placebo.[21]
Mensch, randomisiert
Diegoli 1998, vier Arzneimittel bei schwerem PMS
Gemessen: Symptomrückgang
Ergebnis: Pyridoxin-Gruppe (30 von 120 Frauen): Symptomrückgang 45,3 %, unter Placebo 39,4–46,1 %; Fluoxetin am wirksamsten. Kein Signifikanztest für Pyridoxin im Abstract.[22]
Mensch, randomisiert
Hohe B6-Gabe, Angst und Wahrnehmung
Gemessen: selbstberichtete Angst (n = 265), Depressivität (n = 146), visuelle Umfeldhemmung
Ergebnis: Angst ↓, Umfeldhemmung ↑, Trend zu weniger Depressivität; andere Wahrnehmungsmaße unverändert.[9]
Mensch, randomisiert
Hohe B6-Gabe und Depressivität
Gemessen: DASS (Depression, Angst, Stress)
Ergebnis: Depressivität ↓ nur in der Untergruppe mit mindestens leichten Symptomen (partielles η² = 0,20); Angst und Stress ohne Effekt.[10]
Mensch, randomisiert
Deijen 1992, ältere Männer
Gemessen: Stimmung, Gedächtnis, Leistung, mentale Anstrengung
Ergebnis: Laut Autoren mäßig bessere Speicherung im Langzeitgedächtnis, sonst keine Effekte; Cochrane-Reanalyse ohne signifikanten Unterschied [11]; Pyridoxinhydrochlorid.[12]
Mensch, randomisiert
Vitamin B6 und Kognition (Cochrane)
Gemessen: Kognition, Stimmung
Ergebnis: Kein Nutzen; in einer der beiden Studien (76 Männer, Pyridoxinhydrochlorid) stieg Plasma-PLP deutlich.[11]
Mensch, randomisiert
Bryan 2002, Frauen verschiedener Altersgruppen
Gemessen: Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen, Stimmung
Ergebnis: Laut Abstract positiver Effekt auf einige Gedächtnismaße über alle Supplemente hinweg, keiner auf die Stimmung; laut Cochrane-Review bei den älteren Frauen (12 mit B6, 21 mit Placebo) kein signifikanter Nutzen von B6 [11]. Nur „Vitamin B-6“ genannt, zählt nach der Standardform-Regel.[23]
Mensch, randomisiert
Neuropathie nach hoher Pyridoxinzufuhr
Gemessen: neurologischer Befund
Ergebnis: Ataxie und Sensibilitätsstörungen; alle besserten sich nach dem Absetzen.[6]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Sensorische Neuropathie bei hoher Langzeitzufuhr
Fallserien seit 1983 [6] und Vigilanzdaten; die EFSA wertet den Zusammenhang als gut belegt und nennt ihn als kritischen Effekt für die tolerierbare Obergrenze aller B6-Formen. In der Fall-Kontroll-Studie, auf die sich die EFSA stützt, traten Symptome auch bei vergleichsweise niedrigen Supplementmengen über mehrere Monate auf; US-amerikanische und WHO/FAO-Gremien hielten die Mengenangaben dieser Studie für zu unzuverlässig [2]. Die Beschwerden bilden sich nach dem Absetzen meist zurück [6].
Mensch, nicht randomisiert
Funktioneller B6-Mangel durch PN-Überschuss
In Zellkultur hemmte PN PLP-abhängige Enzyme kompetitiv und löste in Neuroblastomzellen Zelltod aus; andere B6-Formen taten das nicht [4]. Beim Menschen nicht direkt gezeigt.
Labor
Wechselwirkungen
- Levodopa (ohne Decarboxylasehemmer): Pyridoxin kann die Wirksamkeit von Levodopa bei Parkinson verringern [17]. Heute meist mit Decarboxylasehemmern kombiniert; deren Einfluss wurde hier nicht geprüft.
- Isoniazid: Isoniazid kann eine periphere Neuropathie auslösen, die sich durch gleichzeitige Pyridoxingabe verhindern lässt; bei akuter Isoniazid-Vergiftung wird Pyridoxinhydrochlorid intravenös gegen Krampfanfälle gegeben (Angaben aus Review) [17].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- teilweise belegt
„Vitamin B6 hilft gegen PMS“
Metaanalyse mit günstigem Gesamteffekt, aber überwiegend Studien geringer Qualität [7][8]; die Einzelstudien widersprechen sich (ohne Effekt, nur mit Teileffekt oder nur in der Gesamtbeurteilung besser) [15][16][19][20][21][22].
- widerlegt
„Wasserlösliche Vitamine wie B6 kann man nicht überdosieren, der Überschuss wird einfach ausgeschieden“
Hohe Pyridoxinzufuhr ist in Fallserien mit einer sensorischen Neuropathie verbunden [6]; die EFSA wertet den Zusammenhang als gut belegt und leitet daraus eine tolerierbare Obergrenze ab [2].
- nicht belegt
„Pyridoxinhydrochlorid ist eine „inaktive“ Form und wirkt deshalb schlechter als PLP“
PN-HCl hob den Plasma-PLP-Spiegel in einer RCT bei älteren Männern deutlich an [11]; Kopf-an-Kopf-Studien mit klinischen Endpunkten gegen PLP wurden nicht gefunden. Richtig ist, dass bei hoher Zufuhr unverändertes PN im Blut auftritt [2].
- nicht belegt
„Vitamin B6 verbessert das Gedächtnis“
Zwei kleine RCTs bei Älteren, in der Cochrane-Auswertung beide ohne signifikanten Nutzen [11]: mit Pyridoxinhydrochlorid bei Männern (laut Autoren mäßig bessere Speicherung im Langzeitgedächtnis) [12] und mit „Vitamin B-6“ ohne Salz (zählt nach der Standardform-Regel) bei Frauen (laut Abstract Effekte auf einige Gedächtnismaße über alle Supplemente hinweg) [23]. Keine Studien bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung im Cochrane-Review.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Über den Mund nahezu vollständig (rund 95 %, EFSA-Angabe) [2].
- Halbwertszeit
- Für ein körpereigenes Vitamin nicht sinnvoll angebbar; nicht verifiziert.
- Abbau
- Phosphorylierung durch die Pyridoxalkinase und Oxidation durch die PNPO zu PLP, vor allem in der Leber; Ausscheidung überwiegend als 4-Pyridoxinsäure im Urin. Bei hoher Zufuhr Sättigung und Auftreten von freiem PN im Plasma [1][2].
- Weg ins Gehirn
- Laut Review passiert PN die Blut-Hirn-Schranke nur eingeschränkt; das passt dazu, dass die Neuropathie das zentrale Nervensystem ausspart [5][6].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Pyridoxinhydrochlorid verzeichnet (Abruf 24.10.2026) [24]; als Vitaminverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [14].
- EU
- Anhang II Teil A, Nr. 9 a der RL 2002/46/EG (Pyridoxinhydrochlorid) [14]. Die EFSA legte 2023 eine tolerierbare Obergrenze für die Gesamtzufuhr aller B6-Formen fest [2]. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für Vitamin B6 nach VO (EU) Nr. 432/2012 [13].
- USA
- Nicht verifiziert.
Zugelassene EU-Angaben
„trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“
- Nährstoff
- Vitamin B6
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[13]
- Einordnung
- rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht (siehe Versprechen „Für die Nerven“)
„trägt zur normalen psychischen Funktion bei“
- Nährstoff
- Vitamin B6
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[13]
- Einordnung
- rechtlich zulässig; bei Gesunden nur Einzelbefunde (siehe Versprechen „Weniger Angst und depressive Verstimmung“)
„trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei“
- Nährstoff
- Vitamin B6
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[13]
- Einordnung
- rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Ab welcher Dauer und Menge steigt das Neuropathie-Risiko? Die EFSA konnte aus Humandaten keine niedrigste Wirkmenge (LOAEL) ableiten.
- Hält der PMS-Effekt in großen, gut verblindeten Studien mit aktuellen Diagnosekriterien stand?
- Lassen sich die Befunde zu Angst und Depressivität unabhängig von der ersten Arbeitsgruppe wiederholen?
Referenzen
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- Wozenski JR, Leklem JE, Miller LT. The metabolism of small doses of vitamin B-6 in men. J Nutr. 1980;110(2):275–85. doi:10.1093/jn/110.2.275 · PubMed
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- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
- Doll H, Brown S, Thurston A, Vessey M. Pyridoxine (vitamin B6) and the premenstrual syndrome: a randomized crossover trial. J R Coll Gen Pract. 1989;39(326):364–8. PubMed
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- Diegoli MS, da Fonseca AM, Diegoli CA, Pinotti JA. A double-blind trial of four medications to treat severe premenstrual syndrome. Int J Gynaecol Obstet. 1998;62(1):63–7. doi:10.1016/s0020-7292(98)00035-6 · PubMed
- Bryan J, Calvaresi E, Hughes D. Short-term folate, vitamin B-12 or vitamin B-6 supplementation slightly affects memory performance but not mood in women of various ages. J Nutr. 2002;132(6):1345–56. doi:10.1093/jn/132.6.1345 · PubMed
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Pyridoxinhydrochlorid“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Anhang II Teil A, Nr. 9 a (Pyridoxinhydrochlorid) im Wortlaut der konsolidierten Fassung CELEX 02002L0046-20251126 über Cellar (XHTML) am 24.10.2026 gelesen; ebenso Artikel 4 Absatz 1.
- Gesundheitsbezogene Angaben für Vitamin B6 im Wortlaut der VO (EU) Nr. 432/2012 (CELEX 32012R0432, Cellar) gelesen; am 24.10.2026 zusätzlich die konsolidierte Fassung CELEX 02012R0432-20250820: die drei Angaben in health_claims sind wortgleich (K5).
- Formprüfung nach K2 am 24.10.2026: Abstracts von [15] („pyridoxine“) und [16] („vitamin B-6“) nennen kein Salz; PubMed-Suche „pyridoxine hydrochloride“ mit PMS fand nur die retrospektive Auswertung [18] (Pyridoxinhydrochlorid). Volltext von [10] (PMC13450120): „vitamin B6 as pyridoxine hydrochloride“, Tabletten gespendet. Abstract von [12]: Pyridoxinhydrochlorid, 38 Paare, Verbesserung vor allem des Langzeitgedächtnisses; Cochrane-Abstract [11]: in der Reanalyse keine signifikanten Unterschiede bei Kognition oder Stimmung.
- EFSA-Gutachten [2] im Volltext (PMC10189633): Aufnahme von PN-HCl rund 95 %, ähnliche Bioverfügbarkeit von PN, PL und PM, Pyridoxinglucosid rund 50 % niedriger, Sättigung von Kinase und Oxidase mit freiem PN im Plasma, Obergrenze gilt für alle Vitamere, kritischer Effekt Neuropathie, kein LOAEL aus Humandaten, IOM und WHO/FAO hielten die Mengenangaben der Fall-Kontroll-Studie für unzuverlässig.
- Querprüfung 24.10.2026: Randomisierung von [12] geprüft. Der Abstract von [12] beschreibt 38 Behandelte gegen 38 nach Alter, PLP-Spiegel und Intelligenzwert gematchte Placebo-Kontrollen und erwähnt keine Randomisierung; laut Cochrane-Abstract [11] wurde je Paar ein Mitglied zufällig zugeteilt, und der Review schloss nur doppelblinde RCTs ein. Europe PMC indiziert [12] als „Randomized Controlled Trial“. Volltext von [12] (Springer, kostenpflichtig) nicht gelesen.
- Am Abstract: [1] nur PLP als Cofaktor, Aufnahme nicht phosphorylierter Vitamere; [3] fünf Männer, PL rasch, PM langsamer; [4] nur PN zytotoxisch, kompetitive Hemmung; [5] PDXK-Hypothese, PN kaum hirngängig; [6] sieben Erwachsene, Besserung nach Absetzen; [7] 9 Studien, 940 Patientinnen, OR 2,32 und 1,69; [8] 31 RCTs, nur eine mit niedrigem Verzerrungsrisiko; [10] 267 Personen, partielles η² = 0,20 in Untergruppe; [11] 2 RCTs, 109 Personen; [15] 63 Frauen, 32 vollständig; [16] 34 Frauen, kein Effekt; [17] Levodopa und Isoniazid.
- Gegenprüfung 24.10.2026: Aussage zur ähnlichen Bioverfügbarkeit von PN, PL und PM steht im EFSA-Volltext [2] (mit Verweis auf [3]), nicht im Abstract von [3]; dort nur rasche Clearance und Oxidation von PL und langsamere Reaktion auf PM. In [7] beruht OR 1,69 auf vier Studien mit 541 Patientinnen. In [11] maß nur eine der beiden Studien (Deijen 1992, 76 Männer, Pyridoxinhydrochlorid) Plasma-PLP.
- Im Volltext von [9] (PMC9787829): Form Pyridoxinhydrochlorid, Tabletten von einem Hersteller gespendet; Angst-Auswertung 265, Depression 146 Personen.
- PubChem CID 6019 (Summenformel, SMILES) am 24.10.2026.
- ClinicalTrials.gov: 387 Studien mit Intervention „pyridoxine“ (24.10.2026).
- Nacharbeit Standardform-Regel 24.10.2026 (PubMed eutils, Abstracts): [19] 617 behandelt, 434 ausgewertet, randomisiert und verblindet, Einzelsymptome nicht signifikant, Gesamtbeurteilung p < 0,02; [20] 55 Frauen, randomisiert, doppelblind, nur Teilbereiche gebessert; [21] 19 Frauen mit PMS, doppelblinde Überkreuzstudie, keine signifikante Besserung (Randomisierung im Abstract nicht genannt); [22] 120 Frauen in vier Gruppen, Pyridoxin 45,3 %, Placebo 39,4–46,1 %; [23] 211 Frauen, „vitamin B-6“ ohne Salz, Gedächtniseffekt nur über alle Supplemente berichtet. Cochrane-Abstract [11]: Bryan 2002 mit 12 älteren Frauen unter B6 gegen 21 unter Placebo ohne signifikanten Nutzen. Alle neuen DOIs über Crossref aufgelöst; [20] hat in PubMed keine DOI. Nicht gezählt: Sharma 2007 (PMID 18476391; Eisensulfat als „Placebo“) und Kashanian 2007 (PMID 17187801; Kurzmitteilung ohne Abstract, nicht ausgewertet).
- Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Pyridoxinhydrochlorid“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 122 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [24]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
- Gegenprüfung 24.10.2026 (PubMed eutils): Abstract [23] (PMID 12042457): 211 gesunde jüngere, mittelalte und ältere Frauen, Folat, B12, B6 oder Placebo über 35 Tage; positiver Effekt nur auf einige Gedächtnismaße, keiner auf die Stimmung, ohne Zuordnung zu einem Vitamin. Abstract [11] (PMID 14584010): Bryan 2002 (12 ältere Frauen mit B6, 21 mit Placebo) und Deijen 1992 jeweils ohne signifikanten Nutzen für Stimmung oder Kognition; beide doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert. Volltext von [23] auf der Verlagsseite nicht abrufbar.
- 25.10.2026, Entscheidung q058: Tilman hat die Bewertung „Bessere Gedächtnisleistung im Alter“ (Stufe 4, „kein Nutzen“, nach der Cochrane-Auswertung [11]) bestätigt; keine Änderung an Versprechen, Stufen oder Ergebnissen. Kennzeichnung nach q012: Die Bewertungen der Versprechen stützen sich für [6], [7], [8], [11], [12], [15], [16], [18] und [19]–[23] nur auf die Abstracts (nur Abstract geprüft; [6] trägt nur den Neuropathie-Hinweis bei „Für die Nerven“, [7], [8] und [18] das PMS-Versprechen); Volltexte gelesen für [2], [9] und [10].
Nicht verifiziert
- Status in den USA nicht im Register geprüft.
- Ob unter den neun Studien des Reviews [7] auch Kombinationspräparate oder ausdrücklich andere B6-Formen sind, nicht geprüft (PMC liefert nur einen Scan; der Abstract nennt nur „vitamin B-6“).
- Volltexte der PMS-RCTs [15][16][19][20][21][22] und von Bryan 2002 [23] nicht gelesen; nennt einer davon eine andere B6-Form als Pyridoxin(hydrochlorid), zählt die Studie nach der Standardform-Regel nicht mehr.
- Ob Decarboxylasehemmer die Levodopa-Wechselwirkung aufheben, wurde nicht an einer Primärquelle geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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