Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Testosteron ↑
nicht untersuchtKeine Studie am Menschen. Bei männlichen Ratten stieg das Serum-Testosteron nach fünf Tagen [2]; dieselbe Gruppe fand nach 28 Tagen Veränderungen von Hodenfunktionsmarkern, die sie als schädlich einstufte [5].
Libido und Erektion ↑
nicht untersuchtKeine Studie am Menschen. Bei Ratten mehr Paarungsverhalten [2] und normalisierte Erektionsmarker im Paroxetin-Modell [4].
Fruchtbarkeit und Hodenfunktion ↑
nicht untersuchtKeine Studie am Menschen; Spermienparameter wurden auch bei Ratten nicht berichtet. Die einzige Rattenstudie zu Hodenfunktionsmarkern deutet eher auf Schäden hin [5].
Wirkweise
Evidenzkarte: Fadogia agrestis
Fadogia agrestis, botanisch heute auch als Vangueria agrestis geführt, gehört zu den Rötegewächsen [1]. Ein wässriger Stängelextrakt enthielt in einer orientierenden Analyse Alkaloide und Saponine, Anthrachinone und Flavonoide nur schwach [2]; isoliert wurden außerdem Monoterpen-Glykoside [3] sowie Triterpen-, Benzophenon- und Iridoid-Glykoside aus der Wurzel [1]. Welcher Inhaltsstoff für die beschriebenen Wirkungen verantwortlich sein könnte, ist nicht untersucht.
Die Wirkungsdaten stammen fast ausschließlich aus einer nigerianischen Arbeitsgruppe und ausschließlich aus Rattenversuchen. Nach fünf Tagen Gabe stiegen bei männlichen Ratten das Serum-Testosteron und die Häufigkeit von Aufreiten und Eindringen, die Ejakulationslatenz verlängerte sich; LH oder andere Hormone der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse wurden nicht gemessen [2]. Bei Ratten mit Erektionsstörung durch das Antidepressivum Paroxetin normalisierte der Extrakt Stickstoffmonoxid, cGMP und antioxidative Enzyme im Penis- und Hodengewebe und senkte die PDE5-Aktivität, vergleichbar mit Sildenafil [4]. Ein molekularer Angriffspunkt ist nicht bekannt.
Dieselbe Gruppe fand nach 28 Tagen Gabe bei allen geprüften Dosen Veränderungen von Hodenfunktionsmarkern (u. a. höheres Hoden-Körpergewicht-Verhältnis, mehr Cholesterin, Glykogen und saure Phosphatase im Hoden, weniger Protein), die sie als Hinweis auf schädliche Wirkungen auf die Hodenfunktion deutete; nach zehn Tagen ohne Extrakt bildeten sie sich vor allem bei der niedrigsten Dosis zurück [5]. In Leber und Niere sanken Membranenzyme bei gleichzeitigem Anstieg im Serum, Malondialdehyd stieg; die Autoren sehen darin eine Schädigung der Zellmembranen durch Lipidperoxidation [6]. Von 17 Nahrungsergänzungsmitteln mit Fadogia-Angabe enthielten fünf keine der für die Pflanze typischen Phenole [7]; in einer Auswertung von 50 Testosteron-Booster-Produkten fanden sich für 61,5 % der Inhaltsstoffe keine Daten zur Wirkung auf Testosteron [8]. Die verwandte Art Fadogia homblei bildet das herzschädigende Pavettamin, Auslöser der Gousiekte bei Wiederkäuern [9].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| PDE5 (Penisgewebe) | Enzym | Hemmer | Aktivität im Gewebe gesenkt (Ratte, Paroxetin-Modell); kein IC50 | Tierversuch[4] |
| Testosteronbildung | Hormonachse | Aktivator | Serum-Testosteron ↑ (Ratte); Mechanismus unbekannt | Tierversuch[2] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- StickstoffmonoxidNO und cGMP im Penisgewebe normalisiert, PDE5-Aktivität gesenkt (Ratte, Paroxetin-Modell)[4]
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativantioxidative Enzyme im Paroxetin-Modell erhöht, aber Malondialdehyd im Serum gesunder Ratten erhöht[4][6]
- Stressachse
- Testosteron-AchseSerum-Testosteron bei Ratten erhöht, zugleich Veränderungen von Hodenfunktionsmarkern nach 28 Tagen[2][5]
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · wässriger Stängelextrakt (Tierversuch); Handelsprodukte mit unklarer Zusammensetzung
Pharmakokinetische Daten fehlen. In den Tierversuchen wurde ein wässriger Stängelextrakt verwendet [2][5]; in fünf von 17 Handelsprodukten waren die typischen Phenole der Pflanze nicht nachweisbar [7].[2][5]
Tierversuch
Studien am Menschen
Keine Studien am Menschen gefunden.
Risiken und Warnhinweise
Mögliche Hodenschädigung
Nach 28 Tagen veränderte der Extrakt bei Ratten in allen Dosen Hodenfunktionsmarker; die Autoren werten das als schädlich für die Hodenfunktion, nur bei der niedrigsten Dosis bildeten sich die Veränderungen weitgehend zurück [5]. Histologie oder Spermienqualität sind im Abstract nicht berichtet.
Tierversuch
Leber und Niere
Bei Ratten Hinweise auf Membranschäden in Leber und Niere (Enzymverlust ins Serum, mehr Malondialdehyd), ohne sichtbare Organveränderungen [6].
Tierversuch
Fehlende Humandaten
Keine Sicherheits- oder Wirksamkeitsstudie am Menschen; ClinicalTrials.gov ohne Einträge (23.10.2026).
Keine Daten
Unklare Produktidentität
Fünf von 17 Nahrungsergänzungsmitteln mit Fadogia-Angabe enthielten keine der typischen Phenole der Pflanze [7].
Labor
Giftige Verwandte
Die verwandte Art Fadogia homblei bildet das herzschädigende Pavettamin [9]; ob Fadogia agrestis Pavettamin enthält, wurde in den geprüften Quellen nicht untersucht.
Labor
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Fadogia agrestis erhöht beim Menschen das Testosteron“
Es gibt keine einzige Studie am Menschen; der Anstieg stammt aus einem fünftägigen Rattenversuch [2].
- nicht belegt
„Fadogia wirkt wie LH und regt die Hoden direkt an“
LH wurde in den Rattenstudien nicht gemessen, ein Angriffspunkt ist nicht bekannt [2]. Belegt ist nur ein höheres Serum-Testosteron bei Ratten.
- teilweise belegt
„Fadogia ist hodentoxisch“
Bei Ratten veränderten sich nach 28 Tagen Hodenfunktionsmarker, die die Autoren als schädlich deuten [5]; beim Menschen gibt es keine Daten.
- nicht belegt
„Fadogia ist ein natürlicher PDE5-Hemmer wie Sildenafil“
Nur im Paroxetin-Modell an Ratten sank die PDE5-Aktivität im Gewebe [4]; eine direkte Enzymhemmung oder ein IC50 ist nicht publiziert.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Nicht untersucht.
- Halbwertszeit
- Nicht untersucht.
- Abbau
- Nicht untersucht.
- Weg ins Gehirn
- Nicht untersucht.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verifiziert.
- EU
- Nicht verifiziert (Novel-Food-Status nicht geprüft).
- USA
- Wird in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten, die Fadogia agrestis als Inhaltsstoff angeben [7][8]; rechtlicher Status nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Traditionelle Verwendung in Afrika als Schmerzmittel, entzündungshemmendes Mittel und Aphrodisiakum [7].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Steigt das Testosteron beim Menschen, und ist das mit einer Schädigung der Hoden verbunden?
- Welcher Inhaltsstoff ist für die Wirkungen bei Ratten verantwortlich?
- Lassen sich die Befunde von unabhängigen Arbeitsgruppen wiederholen?
- Enthält Fadogia agrestis ähnlich wie Fadogia homblei Pavettamin?
Referenzen
- Osman AG, Ali Z, Fantoukh O, Raman V, Kamdem RST, Khan I. Glycosides of ursane-type triterpenoid, benzophenone, and iridoid from Vangueria agrestis (Fadogia agrestis) and their anti-infective activities. Nat Prod Res. 2020;34(5):683–91. doi:10.1080/14786419.2018.1497031 · PubMed
- Yakubu MT, Akanji MA, Oladiji AT. Aphrodisiac potentials of the aqueous extract of Fadogia agrestis (Schweinf. Ex Hiern) stem in male albino rats. Asian J Androl. 2005;7(4):399–404. doi:10.1111/j.1745-7262.2005.00052.x · PubMed
- Anero R, Díaz-Lanza A, Ollivier E, Baghdikian B, Balansard G, Bernabé M. Monoterpene glycosides isolated from Fadogia agrestis. Phytochemistry. 2008;69(3):805–11. doi:10.1016/j.phytochem.2007.09.024 · PubMed
- Ogunro OB, Yakubu MT. Fadogia agrestis (Schweinf. Ex Hiern) stem extract restores selected biomolecules of erectile dysfunction in the testicular and penile tissues of paroxetine-treated Wistar rats. Reprod Sci. 2023;30(2):690–700. doi:10.1007/s43032-022-01050-6 · PubMed
- Yakubu MT, Akanji MA, Oladiji AT. Effects of oral administration of aqueous extract of Fadogia agrestis (Schweinf. Ex Hiern) stem on some testicular function indices of male rats. J Ethnopharmacol. 2008;115(2):288–92. doi:10.1016/j.jep.2007.10.004 · PubMed
- Yakubu MT, Oladiji AT, Akanji MA. Mode of cellular toxicity of aqueous extract of Fadogia agrestis (Schweinf. Ex Hiern) stem in male rat liver and kidney. Hum Exp Toxicol. 2009;28(8):469–78. doi:10.1177/0960327109106973 · PubMed
- Avula B, Bae JY, Raman V, Fantoukh OI, Wang YH, Osman AG, et al. Quantification of phenolic compounds from Fadogia agrestis and dietary supplements using UHPLC-PDA-MS. Planta Med. 2019;85(2):145–53. doi:10.1055/a-0715-1801 · PubMed
- Clemesha CG, Thaker H, Samplaski MK. ‘Testosterone boosting’ supplements composition and claims are not supported by the academic literature. World J Mens Health. 2020;38(1):115–22. doi:10.5534/wjmh.190043 · PubMed
- Van Elst D, van Wyk B, Schultz A, Prinsen E. Production of toxic pavettamine and pavettamine conjugates in the gousiekte-causing Fadogia homblei plant and its relation to the bacterial endosymbiont. Phytochemistry. 2013;85:92–8. doi:10.1016/j.phytochem.2012.08.025 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle DOIs über Crossref, PMIDs über PubMed per Prüfskript.
- Am Abstract: Vangueria agrestis, Glykoside [1]; Alkaloide/Saponine, Testosteron ↑, Paarungsverhalten, Tage 1–5 [2]; Monoterpen-Glykoside [3]; Paroxetin-Modell, NO, cGMP, PDE5, 5 Tiere pro Gruppe [4]; 28 Tage, Hodenmarker, Erholung vor allem bei niedrigster Dosis, „adverse effects on the male rat testicular function“ [5]; Membranenzyme, Malondialdehyd, keine Organveränderungen [6]; 12 von 17 Produkten mit, 5 ohne Phenole [7]; 61,5 % ohne Daten [8]; Pavettamin in F. homblei [9].
- Im Volltext von [8]: Fadogia agrestis in 1 von 50 Produkten (2,2 % in der Inhaltsstofftabelle).
- PubMed-Suche „Fadogia“: keine Humanstudie; ClinicalTrials.gov: 0 Einträge (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Rechtlicher Status in Deutschland, der EU (Novel Food) und den USA.
- Histologie und Spermienparameter aus [5] (nur Abstract gelesen).
- Ob Fadogia agrestis Pavettamin enthält.
- Die Herkunft der Online-Behauptungen (z. B. Podcasts) wurde nicht als Quelle geprüft und ist nicht zitiert.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
Fehler gefunden oder etwas vermisst?
Wünsch dir einen Wirkstoff, schlag eine Verbesserung vor oder melde einen Fehler. Jede Rückmeldung wird gelesen.
Die Website speichert nichts. Der Button öffnet dein E-Mail-Programm mit einer vorbereiteten Nachricht.