Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Bessere Erektion, „natürliches Viagra“
nicht untersuchtKeine randomisierte Studie am Menschen [10][11]. Bei Ratten mit Nervenschädigung verbesserte Icariin die Erektion [3]; die PDE5-Hemmung ist rund 80-fach schwächer als die von Sildenafil [2], und Icariin war im menschlichen Serum nicht nachweisbar [5].[10][11]
Libido ↑
nicht untersuchtKeine Studie am Menschen mit Libido als Endpunkt in den geprüften Quellen; die Daten stammen aus Tiermodellen [10].
Testosteron ↑
nicht untersuchtKeine Studie am Menschen. Bei Ratten stieg Testosteron in mittleren Dosen [9] und nach chemischer Schädigung des Fortpflanzungssystems [8]; die höchste Dosis verursachte oxidativen Stress im Hoden [9].
Fruchtbarkeit und Spermienzahl ↑
nicht untersuchtNur bei Ratten: mehr Spermien im Nebenhoden in mittlerer Dosis, Schäden durch oxidativen Stress in der höchsten Dosis [9].
Wirkweise
Evidenzkarte: Icariin (Epimedium, „Horny Goat Weed“)
Icariin hemmt im Reagenzglas die cGMP-abbauende Phosphodiesterase 5 (PDE5). An in Insektenzellen hergestellten PDE5-Isoformen lag die halbmaximale Hemmkonzentration (IC50) bei 0,75 bis 1,1 µM und damit etwa dreimal höher als beim Vergleichshemmer Zaprinast; in glatten Muskelzellen aus Rattenschwellkörpern stieg cGMP [1]. Am menschlichen rekombinanten Enzym PDE5A1 ergab sich ein IC50 von 5,9 µM, Sildenafil lag im selben Test bei 74 nM, Icariin war also rund 80-fach schwächer [2]. Bei Ratten mit Verletzung der Schwellkörpernerven verbesserte niedrig dosiertes Icariin über vier Wochen den Schwellkörperdruck und erhöhte die neuronale NO-Synthase im Penisgewebe; eine Einzelgabe wirkte nicht [3].
Entscheidend für die Übertragbarkeit ist die Pharmakokinetik. Bei Ratten wurden nach oraler Gabe 91,2 % des Icariins zu Icariside II umgewandelt, nach intravenöser Gabe nur 0,4 % [4]. In einer randomisierten Studie mit 30 gesunden Männern waren nach einem standardisierten Epimedium-Extrakt Icariin, Icariside I und Icaritin im Serum unter der Nachweisgrenze; nachweisbar waren Icariside II und Desmethylicaritin [5]. Eine placebokontrollierte Studie mit 58 Frauen nach der Menopause bestätigte das über sechs Wochen [6]. Galenische Tricks wie feste Dispersionen steigerten die relative Bioverfügbarkeit von Icariin bei Ratten um das Mehrfache [7].
Zu Testosteron gibt es nur Tierdaten: Bei Ratten mit chemisch geschädigtem Fortpflanzungssystem stieg das Serum-Testosteron [8]; bei gesunden Ratten erhöhten mittlere Dosen über 35 Tage Testosteron und Spermienzahl, offenbar über Steroidogenese-Gene wie StAR und nicht über den LH-Rezeptor, während die höchste Dosis oxidativen Stress im Hoden auslöste [9]. Übersichtsarbeiten betonen, dass die klinische Wirksamkeit bei Erektionsstörungen noch in RCTs bestätigt werden muss [10] und dass Icariin bisher in keiner randomisierten klinischen Studie zu Erektionsstörungen geprüft wurde [11]. Sicherheitsrelevant ist ein Fallbericht über Herzrhythmusstörung und Hypomanie nach einem Horny-Goat-Weed-haltigen Sexualpräparat [11][12]. Für Leberschäden beim Menschen gibt es laut LiverTox keine Hinweise [13]; in mehreren als rein pflanzlich deklarierten Präparaten mit Epimedium wurde dagegen Sildenafil nachgewiesen [14], und bei Ratten verursachten sehr hohe Extraktmengen über 13 Wochen unter anderem Leberschäden [15].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| PDE5 (Isoformen A1, A2, A3) | Enzym | Hemmer | IC50 1,0 / 0,75 / 1,1 µM (Insektenzell-Enzym); IC50 5,9 µM an humanem PDE5A1 (Sildenafil 74 nM) | Labor[1][2] |
| Neuronale NO-Synthase (nNOS) im Penisgewebe | Enzym | Expression ↑ | Tierversuch[3] | |
| Steroidogenese-Gene im Hoden (StAR, PBR) | Signalweg | Expression ↑ | mRNA erhöht, LH-Rezeptor unverändert (Ratte) | Tierversuch[9] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- StickstoffmonoxidPDE5-Hemmung und cGMP-Anstieg in vitro; nNOS im Penisgewebe von Ratten erhöht[1][2][3]
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativmittlere Dosen antioxidativ, höchste Dosis oxidativer Stress im Rattenhoden[9]
- Stressachse
- Testosteron-AchseSerum-Testosteron bei Ratten erhöht, nicht über den LH-Rezeptor; beim Menschen nicht untersucht[8][9]
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Reinsubstanz oder Epimedium-Extrakt
Icariin im menschlichen Serum nicht nachweisbar; Ratte: 91,2 % zu Icariside II umgewandeltBei Ratten wird oral gegebenes Icariin fast vollständig zu Icariside II abgebaut [4]. Beim Menschen waren nach einem standardisierten Prenylflavonoid-Extrakt nur Icariside II (Tmax rund 4 Stunden) und Desmethylicaritin (Tmax rund 24 Stunden) messbar, Icariin selbst nicht [5][6]. Pharmakokinetik-Studien mit reinem Icariin beim Menschen fanden sich nicht.[5][6]
Mensch, randomisiert
Oral (geschluckt) · feste Dispersion, Nanosuspension, Cyclodextrin-Komplex
relative Bioverfügbarkeit von Icariin 228–416 % gegenüber Rohextrakt (Ratte)Pharmazeutische Formulierungen steigerten bei Ratten die Aufnahme von Icariin und Icariside II deutlich, am stärksten die feste Dispersion [7]. Daten am Menschen fehlen.
Tierversuch
Studien am Menschen
Pharmakokinetik Epimedium-Extrakt
Gemessen: Serumspiegel der Prenylflavonoid-Metabolite, Verträglichkeit
Ergebnis: Icariin, Icariside I und Icaritin nicht nachweisbar; Icariside II und Desmethylicaritin messbar; keine Nebenwirkungen beobachtet.[5]
Mensch, randomisiert
Sicherheit und Knochenmarker
Gemessen: Sicherheit, Pharmakokinetik, knochenspezifische alkalische Phosphatase
Ergebnis: Keine Veränderungen von Leber-, Blut- und Nierenwerten; Icariin nicht nachweisbar; Knochenaufbaumarker höher.[6]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Verfälschung mit PDE5-Hemmern
In einer Untersuchung von Potenzmitteln enthielten 73,3 % der als natürlich deklarierten Produkte Sildenafil, Tadalafil oder beides, darunter mehrere, die Epimedium brevicornum als Zutat angaben [14]. Ein Horny-Goat-Weed-Produkt mit nicht deklariertem Sildenafil wird auch in einer Übersicht erwähnt [11].
Labor
Herzrhythmusstörung und Hypomanie (Fallbericht)
Ein 66-jähriger Mann mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankung entwickelte nach zwei Wochen eines Sexualpräparats mit Horny Goat Weed eine neu aufgetretene Tachyarrhythmie und hypomane Symptome [11][12]. Das Präparat enthielt weitere Inhaltsstoffe; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.
Mensch, nicht randomisiert
Leber
Laut LiverTox nicht mit erhöhten Leberwerten oder klinischen Leberschäden beim Menschen in Verbindung gebracht [13]; in einer sechswöchigen RCT keine Veränderungen der Leberwerte [6]. Bei Ratten verursachte ein Wasserextrakt von Epimedium sagittatum über 13 Wochen in sehr hohen Mengen Schäden an Leber und Nebennieren, bei männlichen Tieren auch am Herzen [15].
Mensch, randomisiert
Oxidativer Stress im Hoden
Bei Ratten löste die höchste geprüfte Icariin-Dosis oxidativen Stress im Hoden aus [9].
Tierversuch
Fehlende Langzeitdaten
Langzeitstudien zur Sicherheit von Horny Goat Weed oder Icariin fehlten zum Zeitpunkt einer Übersichtsarbeit [11].
Keine Daten
Wechselwirkungen
- PDE5-Hemmer (z. B. Sildenafil): Gleicher Angriffspunkt [1][2]; klinische Wechselwirkungsdaten fehlen. Bei verfälschten Produkten kann unbemerkt zusätzliches Sildenafil aufgenommen werden [14].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Horny Goat Weed ist ein natürliches Viagra“
Icariin hemmt PDE5 rund 80-fach schwächer als Sildenafil [2], ist im menschlichen Serum nicht nachweisbar [5], und es gibt keine RCT zur Erektion beim Menschen [10][11].
- nicht belegt
„Icariin steigert das Testosteron“
Nur bei Ratten gezeigt [8][9]; beim Menschen nicht untersucht.
- widerlegt
„Rein pflanzliche Potenzmittel mit Epimedium sind frei von Arzneistoffen“
In mehreren als rein pflanzlich deklarierten Präparaten mit Epimedium wurde Sildenafil nachgewiesen [14].
- teilweise belegt
„Icariin wirkt am Penis über NO und cGMP“
Im Labor und bei Ratten gezeigt [1][3]; ob ausreichend Wirkstoff beim Menschen ankommt, ist fraglich, da Icariin selbst nicht im Serum erscheint [5].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Icariin wird im Darm durch bakterielle Enzyme weitgehend zu Icariside II hydrolysiert (Ratte: 91,2 %) [4]; beim Menschen war Icariin im Serum nicht nachweisbar [5][6].
- Halbwertszeit
- Für Icariin beim Menschen nicht bestimmbar; Icariside II erreichte die Höchstkonzentration nach rund 4 Stunden, Desmethylicaritin nach rund 24 Stunden [5].
- Abbau
- Abbau zu Icariside II, Icaritin und Desmethylicaritin; im menschlichen Serum überwog Desmethylicaritin [5][6].
- Weg ins Gehirn
- Nicht untersucht.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verifiziert.
- EU
- Nicht verifiziert.
- USA
- Horny Goat Weed wird als pflanzliches Präparat verwendet und ist in der LiverTox-Datenbank des NIH geführt [13]; rechtlicher Status nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Traditionelle Verwendung als Tonikum, Aphrodisiakum und Rheumamittel [13]; Zulassungsstatus nicht geprüft.
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Hemmt der beim Menschen gemessene Metabolit Icariside II PDE5 in den erreichten Konzentrationen?
- Verbessert Icariin oder Epimedium-Extrakt die Erektionsfunktion in randomisierten Studien am Menschen?
- Wirkt Icariin beim Menschen auf Testosteron oder Spermienqualität?
Referenzen
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Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle DOIs über Crossref, PMIDs über PubMed per Prüfskript; [13] ohne DOI nur über PMID.
- Am Abstract: IC50 1,0/0,75/1,1 µM, Zaprinast etwa dreimal stärker, cGMP ↑ [1]; IC50 5,9 µM, Sildenafil 74 nM, Derivat 80-mal stärker [2]; nNOS, ICP/MAP nur bei niedriger Dosis, Einzelgabe ohne Effekt [3]; 91,2 % vs. 0,4 % zu Icariside II [4]; n = 30, Icariin/Icariside I/Icaritin unter Nachweisgrenze, Tmax 4,1–4,3 h bzw. 24,1–24,4 h [5]; n = 58, 6 Wochen, keine Laborveränderungen, Icariin nicht nachweisbar [6]; Frel 228–295 % bzw. 416 % [7]; Testosteron ↑ nach Cyclophosphamid [8]; Testosteron und Spermien ↑ in mittleren Dosen, oxidativer Stress in der höchsten Dosis [9]; RCTs nötig [10]; keine Leberwerterhöhungen [13]; 13 Wochen, Leber/Nebenniere/Herz bei Ratten [15].
- Im Volltext: StAR, PBR ↑, LH-Rezeptor-mRNA nicht verändert [9]; „not been tested in any randomised clinical trial“, keine Langzeittoxizitätsstudie, Fallbericht Partin/Pushkin (66 Jahre, Tachyarrhythmie, Hypomanie), ViaXtreme mit nicht deklariertem Sildenafil [11]; 73,3 % der Produkte mit Sildenafil/Tadalafil, mehrere mit deklariertem Epimedium brevicornum und Sildenafil-Nachweis [14].
- ClinicalTrials.gov: 6 Einträge zu Icariin, 16 zu Epimedium, keiner zu Erektion oder Testosteron (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Zum Fallbericht [12] gibt es kein Abstract; Details stammen aus der Wiedergabe in [11].
- Rechtlicher Status in Deutschland, der EU und den USA.
- Ob Icariside II in den beim Menschen gemessenen Konzentrationen PDE5 hemmt.
- Die Aussage zu ViaXtreme in [11] stützt sich auf eine dort zitierte Quelle, die nicht selbst geprüft wurde.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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