Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Depotwirkung: Injektionen in größeren Abständen möglich

    nicht untersucht

    Energie & Stoffwechsel · Patienten: Vitamin-B12-Mangel (Injektionsbehandlung) · Keine Daten

    Das beworbene Versprechen „Natürliches B12 mit Depotwirkung: bleibt länger im Körper als Cyanocobalamin“ ist zerlegt in den klinischen Teil (hier) und den Markerteil (nächstes Versprechen). Klinische Erhaltungsstudien aus den 1960er-Jahren waren ohne Abstract und Volltext nicht auswertbar. Die einzige gelesene randomisierte Vergleichsstudie maß nur Serumspiegel und fand so große Unterschiede zwischen Personen, dass sich die Wirkdauer einer Injektion im Einzelfall nicht vorhersagen ließ [22]. Ob sich Injektionsabstände klinisch sicher verlängern lassen, ist damit nicht untersucht (Stufe 0). Funktionell sank Homocystein im randomisierten Vergleich bei Hämodialyse unter beiden Formen gleich stark [8].

  • Bleibt nach Injektion länger im Blut als Cyanocobalamin (nur Marker)

    nur bei Kranken belegt

    Energie & Stoffwechsel · Patienten: Vitamin-B12-Mangel bzw. Hämodialyse (Injektion) · Mensch, randomisiert

    Nur Marker. Längere Verweildauer im Plasma und geringere Urinausscheidung nach Injektion, mit großen Unterschieden zwischen Personen (ältere Studien laut Übersicht, Einzelmessung) [1][6]; im randomisierten Überkreuzversuch bei Hämodialyse 40- gegenüber 10-facher Serumanstieg [8]. Bei 12 Personen mit unbehandelter perniziöser Anämie (Einzelinjektionen in zufälliger Reihenfolge) blieb das Serum-B12 nach Hydroxocobalamin doppelt so lange über den Schwellenwerten wie nach Cyanocobalamin, mit sehr großen Unterschieden zwischen Personen; gelesen wurde nur die Zusammenfassung des Verlags [22]. Ein höherer Spiegel belegt keinen funktionellen Vorteil: Homocystein sank unter beiden Formen gleich stark [8].[1][6]

  • Als natürliche Form über den Mund besser verwertbar als synthetisches Cyanocobalamin

    kein Nutzen

    Energie & Stoffwechsel · gesund (niedriger und normaler B12-Status) · Mensch, nicht randomisiert

    Nur Marker: Holotranscobalamin stieg nach Hydroxocobalamin nur etwa ein Drittel bis halb so stark wie nach gleicher Menge Cyanocobalamin (Formvergleich bei 73 von 101 Erwachsenen aus Indien und Dänemark, in Indien im Überkreuzdesign, Randomisierung nicht angegeben) [9]. Ältere Isotopendaten ohne durchgängige Rangfolge [1]. Klinische Endpunkte nicht untersucht.

  • Rettet bei Cyanidvergiftung durch Rauchgas

    uneinheitlich

    Regeneration & Heilung · Patienten: Rauchgasinhalation mit Verdacht auf Cyanidvergiftung · Mensch, nicht randomisiert

    Prospektive Fallserie ohne Kontrollgruppe: 72 % Überlebende [11]. Rückblickende Mehrzentrenauswertung: kein Überlebensvorteil, mehr Nierenversagen [12]. Systematischer Review: Nutzen der Gabe auf Verdacht unsicher [13]. Keine randomisierten Studien.

  • Wirkt bei angeborenen cblC- und verwandten Remethylierungsstörungen

    nur bei Kranken belegt

    Energie & Stoffwechsel · Patienten: angeborene cblC- und verwandte cobalaminabhängige Remethylierungsstörungen · Mensch, nicht randomisiert

    Das beworbene Versprechen „Wirkt bei angeborenen B12-Verwertungsstörungen, bei denen andere Formen versagen“ ist zerlegt: Dieser Eintrag bewertet nur die Wirksamkeit, der Vergleich mit anderen Formen steht unter den Behauptungen. Eine europäische Leitlinie (GRADE) empfiehlt bei cblC- und anderen cobalaminabhängigen Remethylierungsstörungen ausdrücklich parenterales Hydroxocobalamin: Es verbessere Überleben und Häufigkeit schwerer Komplikationen (Evidenzqualität laut Leitlinie hoch) [4]; die Revision von 2026 bestätigt, dass parenterales Hydroxocobalamin Sterblichkeit und Krankheitslast gesenkt hat [5]. Grundlage sind Beobachtungsdaten und Fallberichte, keine RCTs (Stufe 3). Beispiel: In einer retrospektiven Serie mit 88 Betroffenen besserten sich unter Kombinationsbehandlung (parenterales Hydroxocobalamin mit Betain, Folat bzw. Folinsäure und Carnitin) Stoffwechselwerte, nicht neurologische Zeichen und Sterblichkeit, der neurologische und augenärztliche Langzeitverlauf aber nicht signifikant; der Effekt ist Hydroxocobalamin allein nicht zuzuordnen [23].

Wirkweise

Evidenzkarte: Hydroxocobalamin

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Hydroxocobalamin trägt am Cobalt eine Hydroxygruppe, im sauren Milieu ein Wassermolekül (Aquocobalamin); dieser Ligand ist nur locker gebunden. Es kommt natürlich vor: Im Blut von Menschen ohne Präparate stellt es laut einer Übersicht etwa die Hälfte des an Transcobalamin gebundenen B12. Wie alle Formen wird es in der Zelle zu Methyl- und Adenosylcobalamin umgebaut; wegen des lockeren Liganden kann es auch ohne die Decyanierung durch das Chaperon MMACHC zur Zwischenstufe reduziert werden [1]. Das passt zu Befunden bei der angeborenen cblC-Störung, bei der MMACHC defekt ist: Zellen Betroffener sprechen kaum auf Cyanocobalamin an, zeigen unter Aquocobalamin aber eine teilweise Stoffwechselkorrektur [2], und bei zwei Kindern normalisierten sich Methylmalonsäure, Homocystin und Wachstum erst nach Umstellung auf Hydroxocobalamin [3]. Eine europäische Leitlinie empfiehlt bei cblC- und verwandten Störungen deshalb ausdrücklich parenterales Hydroxocobalamin [4]; ihre Revision von 2026 bestätigt den Nutzen für Sterblichkeit und Krankheitslast [5].

Nach einer Injektion bleibt Hydroxocobalamin länger im Blut als Cyanocobalamin und wird weniger über den Urin ausgeschieden, weil es zusätzlich unspezifisch an Plasmaproteine wie Albumin bindet; die Unterschiede zwischen Personen waren groß [1][6]. In Zellkultur (HeLa-Zellen) wurde es schneller aufgenommen und zu Coenzymen umgebaut [6]; ein kinetisches Modell ergab eine etwa sechsfach schnellere Aktivierung bei langfristig ähnlicher Aufnahme beider Formen [7]. Einen Stoffwechselvorteil zeigte das im Menschen bisher nicht: Im randomisierten Überkreuzversuch bei Hämodialyse hob intravenöses Hydroxocobalamin den Serumspiegel 40-fach, Cyanocobalamin 10-fach, das Homocystein sank aber unter beiden gleich stark um 33 % [8].

Über den Mund schneidet Hydroxocobalamin nicht besser ab: In einer Studie mit gesunden Erwachsenen aus Indien (niedriger B12-Status) und Dänemark (normaler Status) wurden beide Formen bei 73 Personen direkt verglichen; das Holotranscobalamin stieg nach Hydroxocobalamin bei allen geprüften Mengen nur etwa ein Drittel bis halb so stark wie nach derselben Menge Cyanocobalamin [9]. Ältere Isotopendaten fanden laut der Übersicht bei der kleinsten geprüften Menge den höchsten im Körper verbliebenen Anteil (56 %) für Hydroxocobalamin, ohne dass sich daraus eine durchgängige Rangfolge der Formen ergab [1]. Als Nasengel hob Hydroxocobalamin bei sechs Erkrankten mit Mangel den Spiegel rasch und anhaltend an (Studie ohne Kontrollgruppe) [10].

In sehr hohen Mengen intravenös ist Hydroxocobalamin ein Gegengift bei Cyanidvergiftung: Es bindet Cyanid sehr fest am Cobalt, und das entstehende Cyanocobalamin wird über die Niere ausgeschieden [1]. In einer prospektiven Fallserie mit 69 Rauchgasopfern mit Verdacht auf Cyanidvergiftung überlebten 72 %; häufigste Nebenwirkungen waren rot gefärbter Urin und rötliche Haut [11]. Eine rückblickende Auswertung aus 21 französischen Intensivstationen mit 739 Rauchgasopfern fand nach Hydroxocobalamin häufiger ein akutes Nierenversagen (adjustierte OR 1,6) und keinen Überlebensvorteil [12]; ein systematischer Review bewertet Nutzen und Risiken der Gabe auf Verdacht als unsicher und fordert randomisierte Studien [13]. Die kräftige Rotfärbung stört außerdem photometrische Messungen wie die Hämoglobinbestimmung an Blutgasgeräten (Laborversuch) [14].

Formulierungen und Herkunft: Unter UVA-Licht war Hydroxocobalamin in wässriger Lösung in einer Laborstudie die stabilste B12-Form [15]. Die Daten sind aber widersprüchlich; in einer anderen Laborstudie war Cyanocobalamin unter UV-Licht deutlich stabiler als Hydroxocobalamin [16]. In Lösungen mit Ascorbinsäure baut sich Hydroxocobalamin schneller ab als Cyanocobalamin [16]; eine Übersicht hält es wegen seiner geringeren chemischen Stabilität für weniger geeignet für orale Präparate [1]. Neben Injektionslösungen wurden Nasengele untersucht [10]; zu sublingualen oder liposomalen Hydroxocobalamin-Präparaten wurden keine vergleichenden Humandaten gefunden.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Cyanid (Komplexbildung am Cobalt)SonstigesBindungbildet Cyanocobalamin, das renal ausgeschieden wird Mensch, nicht randomisiert[1][11]
Transcobalamin und AlbuminTransporterBindungzusätzliche unspezifische Bindung an Plasmaproteine; längere Verweildauer Mensch, nicht randomisiert[1][6]
Methionin-Synthase und Methylmalonyl-CoA-Mutase (nach Umbau)EnzymAktivatorCofaktor-Vorstufe; Aktivierung in HeLa-Zellen etwa sechsfach schneller als Cyanocobalamin (Modell) Labor[1][7]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechsel↑ · Senkt Homocystein bei Dialyse so stark wie Cyanocobalamin (RCT); bei cblC-Störung in einem Fallbericht wirksamer als Cyanocobalamin[3][8]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Intramuskulär · Injektion

    Längere Verweildauer im Plasma und geringere Urinausscheidung als Cyanocobalamin, große Unterschiede zwischen Personen [1][6].[1][6]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Intravenös · Infusion (Antidot) bzw. regelmäßige intravenöse Gabe bei Dialyse

    Bei Dialyse 40-facher Serumanstieg gegenüber 10-fach unter Cyanocobalamin, gleiche Homocysteinsenkung (RCT) [8]; als Antidot sehr hohe Mengen [11].

    Mensch, randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Tablette (Absorptionstest)

    Holotranscobalamin-Anstieg nur etwa ein Drittel bis halb so groß wie nach gleicher Menge Cyanocobalamin (Formvergleich bei 73 Personen) [9].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Intranasal (Nase) · Nasengel

    Bei sechs Erkrankten mit Mangel rascher und anhaltender Anstieg des Plasmaspiegels, ohne Kontrollgruppe [10].

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • Hydroxo- gegenüber Cyanocobalamin bei Dialyse

    RCT, Überkreuzdesign · Patienten: Hämodialyse, mit Folsäure und B12 versorgt · 16 Wochen (2 × 8)

    Gemessen: Plasma-Homocystein, Serum-Cobalamin

    Ergebnis: Homocystein unter beiden Formen −33 %; Serum-Cobalamin 40-fach gegenüber 10-fach.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Holotranscobalamin nach oraler Gabe

    Absorptionstest; Formvergleich bei 73 Personen (59 in Indien im Überkreuzdesign, 14 in Dänemark), 28 Personen nur Cyanocobalamin; Randomisierung nicht angegeben · gesund (Indien: niedriger, Dänemark: normaler B12-Status) · n = 101 · 2 Tage je Test

    Gemessen: Anstieg des Holotranscobalamins

    Ergebnis: Nach Hydroxocobalamin bei allen geprüften Mengen nur etwa ein Drittel bis halb so starker Anstieg wie nach Cyanocobalamin, in beiden Ländern.[9]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Nasengel bei Mangel

    offene Studie ohne Kontrollgruppe · Patienten: Vitamin-B12-Mangel · n = 6 · 35 Tage

    Gemessen: Plasma-Cobalamin

    Ergebnis: Achtfacher Anstieg des mittleren Ausgangswerts; keine Nebenwirkungen.[10]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Antidot nach Rauchgasinhalation

    prospektive Fallserie · Patienten: Rauchgasinhalation mit Verdacht auf Cyanidvergiftung · n = 69 · Intensivaufenthalt

    Gemessen: Überleben, Nebenwirkungen

    Ergebnis: 72 % überlebten (67 % bei bestätigter Vergiftung); Rotfärbung von Urin und Haut, Blutdruckanstieg.[11]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Nierenversagen nach Antidot-Gabe

    retrospektive Kohorte, 21 Intensivstationen · Patienten: Rauchgasinhalation · n = 739 · erste Woche

    Gemessen: Akutes Nierenversagen, Überleben

    Ergebnis: Adjustierte OR 1,60 (95 % KI 1,06–2,42) für Nierenversagen, 1,77 für schweres; kein Zusammenhang mit Überleben.[12]

    Mensch, nicht randomisiert

  • cblC-Störung: Umstellung von Cyano- auf Hydroxocobalamin

    Fallbericht · Patienten: angeborene cblC-Störung · n = 2 · über ein Jahr

    Gemessen: Methylmalonsäure im Urin, Homocystin, Wachstum

    Ergebnis: Unter Cyanocobalamin unzureichend; unter Hydroxocobalamin Normalisierung.[3]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Serum-B12 nach Einzelinjektion: Cyano- gegenüber Hydroxocobalamin

    Vergleich in zufälliger Reihenfolge, Überkreuzdesign (nur Verlags-Zusammenfassung gelesen) · Patienten: unbehandelte perniziöse Anämie · n = 12 · drei Einzelinjektionen nacheinander

    Gemessen: Zeit des Serum-B12 über Schwellenwerten, Clearance an der Injektionsstelle

    Ergebnis: Nach Hydroxocobalamin (und Cyanocobalamin-Zinktannat) bei allen doppelt so lange über den Schwellenwerten wie nach Cyanocobalamin; sehr große Unterschiede zwischen Personen, Wirkdauer im Einzelfall nicht vorhersagbar; Clearance an der Injektionsstelle ähnlich.[22]

    Mensch, randomisiert

  • cblC-Störung: Verlauf unter Kombinationsbehandlung

    retrospektive multizentrische Fallserie · Patienten: angeborene cblC-Störung · n = 88 · Langzeitverlauf (rückblickend)

    Gemessen: Stoffwechselwerte, klinische Zeichen, Sterblichkeit, neurologischer und augenärztlicher Verlauf

    Ergebnis: Unter parenteralem Hydroxocobalamin mit Betain, Folat bzw. Folinsäure und Carnitin Besserung von Stoffwechselwerten, nicht neurologischen Zeichen und Sterblichkeit; neurologischer und augenärztlicher Langzeitverlauf nicht signifikant beeinflusst. Kombinationsbehandlung, kein Formvergleich.[23]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Akutes Nierenversagen in Antidot-Mengen

    Nach intravenöser Antidot-Gabe bei Rauchgasopfern war akutes Nierenversagen häufiger (adjustierte OR 1,6; rückblickend, Verzerrung durch Schweregrad möglich) [12]; der Review nennt außerdem Hinweise auf Methämoglobinämie in einer Studie [13]. Für Mengen aus Nahrungsergänzungsmitteln gibt es dazu keine Daten.

    Mensch, nicht randomisiert

  • Rotfärbung von Urin und Haut, Blutdruckanstieg

    In der Antidot-Fallserie häufigste Nebenwirkungen; schwere Nebenwirkungen wurden nicht auf Hydroxocobalamin zurückgeführt [11].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Störung photometrischer Labormessungen

    Die rote Farbe verfälschte im Laborversuch Hämoglobinmessungen an mehreren Blutgasgeräten; Cyanocobalamin störte ähnlich [14].

    Labor

Wechselwirkungen

  • Metformin: Betrifft die B12-Versorgung allgemein, nicht speziell Hydroxocobalamin: In einer RCT sank die B12-Konzentration unter Metformin [18]. Einordnung und Einzelheiten stehen stellvertretend für die Familie im Profil Cyanocobalamin (künftig auf der Gruppenseite).
  • Ascorbinsäure (in Lösung): Beschleunigt den Abbau von Hydroxocobalamin in wässrigen Lösungen stärker als den von Cyanocobalamin [16].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Hydroxocobalamin ist natürlicher und deshalb besser als Cyanocobalamin“

    Oral stieg das aktive B12 im Blut weniger als nach Cyanocobalamin [9]; intravenös senkten beide Formen Homocystein gleich stark [8]. Hinweise auf einen Vorteil gibt es nur bei der seltenen cblC-Störung (Zellversuche, ein Fallbericht) [2][3].

  • teilweise belegt

    „Eine Hydroxocobalamin-Spritze wirkt als Depot deutlich länger als Cyanocobalamin“

    Längere Verweildauer im Plasma und geringere Urinausscheidung sind gezeigt, mit großen Unterschieden zwischen Personen [1][6][22]; ein Vorteil bei Stoffwechselmarkern fand sich im RCT nicht [8].

  • nicht belegt

    „Hydroxocobalamin entgiftet Cyanid aus Zigarettenrauch oder Nahrung“

    Belegt ist die Bindung von Cyanid und die Anwendung sehr hoher intravenöser Mengen bei akuter Vergiftung, mit unsicherem Nutzen [1][11][13]. Für Nahrungsergänzungsmittel und alltägliche Cyanidmengen gibt es keine Studien.

  • teilweise belegt

    „Bei angeborenen B12-Verwertungsstörungen wie cblC wirkt Hydroxocobalamin, wo andere Formen versagen“

    Nur für cblC und nur schwach belegt: In Zellen Betroffener zeigte Aquocobalamin eine teilweise Stoffwechselkorrektur, Cyanocobalamin kaum (Laborbefund) [2]; bei zwei Kindern normalisierten sich die Stoffwechselwerte erst nach Umstellung von Cyano- auf Hydroxocobalamin (Fallbericht) [3]. Die europäische Leitlinie formuliert entsprechend vorsichtig, Hydroxocobalamin scheine wirksamer als Cyanocobalamin, und stützt das auf Fallberichte [4]. Vergleichende Studien mit mehr Betroffenen wurden nicht gefunden; zu Methyl- und Adenosylcobalamin gibt es keinen Vergleich.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Oral über Intrinsic Factor, im Test schwächerer Anstieg des aktiven B12 als nach Cyanocobalamin [9]; nach Injektion längere Verweildauer durch zusätzliche Bindung an Plasmaproteine [1][6]; über die Nasenschleimhaut rasch aufgenommen [10].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Reduktion zur gemeinsamen Zwischenstufe auch ohne Decyanierung, dann Bildung von Methyl- und Adenosylcobalamin [1]; mit Cyanid entsteht Cyanocobalamin, das über die Niere ausgeschieden wird [1].
Weg ins Gehirn
Nicht verifiziert.

Rechtlicher Status

Deutschland
Als Vitaminverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [17]. Zugleich Wirkstoff zugelassener Arzneimittel: Im Arzneimittel-Informationssystem AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit Hydroxocobalamin verzeichnet, darunter Injektionslösungen gegen einen ernährungsmäßig nicht behebbaren Vitamin-B12-Mangel und das zentral zugelassene Gegengift zur Behandlung einer Cyanidvergiftung (Abruf 24.10.2026) [20][21]. Wie bei Cyanocobalamin bleibt die Kategorie „Supplement“.
EU
Anhang II Teil A, Nr. 11 b der RL 2002/46/EG („Hydroxocobalamin“) [17].
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen bei“

    Nährstoff
    Vitamin B12
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[19]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
  • „trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

    Nährstoff
    Vitamin B12
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[19]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Verlängert Hydroxocobalamin im direkten randomisierten Vergleich die nötigen Injektionsabstände bei perniziöser Anämie, gemessen an Methylmalonsäure und Symptomen?
  • Bringt die schnellere Aktivierung in Zellkultur beim Menschen einen früheren klinischen Effekt?
  • Wie stabil ist Hydroxocobalamin in handelsüblichen oralen Präparaten?

Referenzen

  1. Obeid R, Fedosov SN, Nexo E. Cobalamin coenzyme forms are not likely to be superior to cyano- and hydroxyl-cobalamin in prevention or treatment of cobalamin deficiency. Mol Nutr Food Res. 2015;59(7):1364–72. doi:10.1002/mnfr.201500019 · PubMed
  2. Kim J, Gherasim C, Banerjee R. Decyanation of vitamin B12 by a trafficking chaperone. Proc Natl Acad Sci U S A. 2008;105(38):14551–4. doi:10.1073/pnas.0805989105 · PubMed
  3. Andersson HC, Shapira E. Biochemical and clinical response to hydroxocobalamin versus cyanocobalamin treatment in patients with methylmalonic acidemia and homocystinuria (cblC). J Pediatr. 1998;132(1):121–4. doi:10.1016/s0022-3476(98)70496-2 · PubMed
  4. Huemer M, Diodato D, Schwahn B, Schiff M, Bandeira A, Benoist JF, et al. Guidelines for diagnosis and management of the cobalamin-related remethylation disorders cblC, cblD, cblE, cblF, cblG, cblJ and MTHFR deficiency. J Inherit Metab Dis. 2017;40(1):21–48. doi:10.1007/s10545-016-9991-4 · PubMed
  5. Olivieri G, Bordugo A, Burnyte B, Costetti A, Couce ML, Diogo L, et al. First revision of the guidelines for the diagnosis and management of remethylation disorders. J Inherit Metab Dis. 2026;49(4):e70177. doi:10.1002/jimd.70177 · PubMed
  6. Hall CA, Begley JA, Green-Colligan PD. The availability of therapeutic hydroxocobalamin to cells. Blood. 1984;63(2):335–41. PubMed
  7. Fedosov SN, Nexo E, Heegaard CW. Kinetics of cellular cobalamin uptake and conversion: comparison of aquo/hydroxocobalamin to cyanocobalamin. Nutrients. 2024;16(3):378. doi:10.3390/nu16030378 · PubMed
  8. Hoffer LJ, Djahangirian O, Bourgouin PE, Eid J, Saboohi F. Comparative effects of hydroxocobalamin and cyanocobalamin on plasma homocysteine concentrations in end-stage renal disease. Metabolism. 2005;54(10):1362–7. doi:10.1016/j.metabol.2005.04.027 · PubMed
  9. Greibe E, Mahalle N, Bhide V, Heegaard CW, Naik S, Nexo E. Increase in circulating holotranscobalamin after oral administration of cyanocobalamin or hydroxocobalamin in healthy adults with low and normal cobalamin status. Eur J Nutr. 2018;57(8):2847–55. doi:10.1007/s00394-017-1553-5 · PubMed
  10. Slot WB, Merkus FW, Van Deventer SJ, Tytgat GN. Normalization of plasma vitamin B12 concentration by intranasal hydroxocobalamin in vitamin B12-deficient patients. Gastroenterology. 1997;113(2):430–3. doi:10.1053/gast.1997.v113.pm9247460 · PubMed
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  12. Dépret F, Hoffmann C, Daoud L, Thieffry C, Monplaisir L, Creveaux J, et al. Association between hydroxocobalamin administration and acute kidney injury after smoke inhalation: a multicenter retrospective study. Crit Care. 2019;23(1):421. doi:10.1186/s13054-019-2706-0 · PubMed
  13. Jin WY, Huang DC, Guo J, Jin D, Ying AF. Evidence for hydroxocobalamin in cyanide toxicity caused by smoke inhalation: an updated systematic review. Emerg Med Int. 2025;2025:1779752. doi:10.1155/emmi/1779752 · PubMed
  14. Pamidi PV, DeAbreu M, Kim D, Mansouri S. Hydroxocobalamin and cyanocobalamin interference on co-oximetry based hemoglobin measurements. Clin Chim Acta. 2009;401(1–2):63–7. doi:10.1016/j.cca.2008.11.007 · PubMed
  15. Juzeniene A, Nizauskaite Z. Photodegradation of cobalamins in aqueous solutions and in human blood. J Photochem Photobiol B. 2013;122:7–14. doi:10.1016/j.jphotobiol.2013.03.001 · PubMed
  16. Temova Rakuša Ž, Roškar R, Hickey N, Geremia S. Vitamin B12 in foods, food supplements, and medicines – a review of its role and properties with a focus on its stability. Molecules. 2022;28(1):240. doi:10.3390/molecules28010240 · PubMed
  17. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  18. de Jager J, Kooy A, Lehert P, Wulffelé MG, van der Kolk J, Bets D, et al. Long term treatment with metformin in patients with type 2 diabetes and risk of vitamin B-12 deficiency: randomised placebo controlled trial. BMJ. 2010;340:c2181. doi:10.1136/bmj.c2181 · PubMed
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  20. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Hydroxocobalamin“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
  21. European Medicines Agency. Cyanokit (hydroxocobalamin): EPAR [Internet]. EMEA/H/C/000806 [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/cyanokit
  22. Tudhope GR, Swan HT, Spray GH. Patient variation in pernicious anaemia, as shown in a clinical trial of cyanocobalamin, hydroxocobalamin and cyanocobalamin–zinc tannate. Br J Haematol. 1967;13(2):216–28. doi:10.1111/j.1365-2141.1967.tb08734.x · PubMed
  23. Fischer S, Huemer M, Baumgartner M, Deodato F, Ballhausen D, Boneh A, et al. Clinical presentation and outcome in a series of 88 patients with the cblC defect. J Inherit Metab Dis. 2014;37(5):831–40. doi:10.1007/s10545-014-9687-6 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Anhang II Teil A, Nr. 11 b („Hydroxocobalamin“) im konsolidierten Text CELEX 02002L0046-20251126 gelesen.
  • PubChem CID 44475014 (Hydroxocobalamin): Summenformel und SMILES per PUG-REST.
  • Am Abstract: Aquocobalamin korrigiert cblC-Zellen [2]; zwei Kinder mit cblC [3]; bessere Retention, Bindung an Plasmaproteine, HeLa-Zellen [6]; sechsfach schnellere Aktivierung, langfristig ähnliche Aufnahme [7]; 40- vs. 10-fach, −33 % Homocystein [8]; 101 Erwachsene, mehr als doppelter Anstieg nach Cyanocobalamin [9]; 6 Erkrankte, achtfacher Anstieg [10]; 69 Personen, 72 % bzw. 67 %, Nebenwirkungen [11]; 739 Personen, OR 1,597 und 1,772 [12]; 6 Studien, 1238 Personen, Methämoglobinämie in einer Studie [13]; Störung der Hämoglobinmessung [14].
  • Im Open-Access-Volltext von [1]: etwa 50 % des Transcobalamin-gebundenen B12 als Hydroxocobalamin, Albuminbindung, längere Retention mit großen interindividuellen Unterschieden, geringere Eignung für orale Präparate. Im Volltext von [16]: Abbau mit Ascorbinsäure stärker als bei Cyanocobalamin; Photolyse nach [15].
  • Gegenprüfung 24.10.2026: Volltext von [9] (PMC6267412): Gruppe A 59 Personen in Pune (Indien), Überkreuzvergleich bei gleichen Mengen; Gruppe B 42 Personen in Aarhus (Dänemark), davon 14 mit gleicher Menge Cyano- und Hydroxocobalamin; Anstieg nach Cyanocobalamin 2- bis 3-fach bei allen Mengen. Volltext von [16] (PMC9822362): widersprüchliche Photostabilität, nach Hadinata Lie et al. 4 % (Cyano), 28 % (Hydroxo) und 39 % (Methyl) Abbau nach 60 min UV. [8] Abstract nennt ein festes Gabeintervall; im Profil bewusst ohne Zeitangabe als „regelmäßige intravenöse Gabe“ wiedergegeben.
  • cblC-Leitlinie (G8, Frage 14) am 24.10.2026: PubMed-Suche „(cblC OR MMACHC) AND guideline“ (4 Treffer). Volltext von [4] (PMC5203859): Empfehlung 21 „We strongly recommend using parenteral OHCbl in treating patients with the cblC defect and other cobalamin-related remethylation disorders“ (Quality of the evidence: high); OHCbl „appears to be more effective than“ CNCbl (Andersson und Shapira 1998 [3], Bodamer 2001); Interessenkonflikte: keine konkurrierenden Interessen, Reisekosten bzw. Honorare von Orphan Europe, Milupa Metabolics und Recordati Rare Disease Foundation offengelegt, Förderung durch das EU-Gesundheitsprogramm. Abstract von [5]: parenterales Hydroxocobalamin hat bei cobalaminbezogenen Defekten Sterblichkeit und Krankheitslast gesenkt (Mengenangaben im Profil bewusst weggelassen).
  • Gesundheitsbezogene Angaben für Vitamin B12 im Wortlaut der VO (EU) Nr. 432/2012 gelesen: Basisfassung CELEX 32012R0432 und konsolidierte Fassung CELEX 02012R0432-20250820 (beide über Cellar, XHTML, 24.10.2026); die zwei Angaben in health_claims sind wortgleich (K5).
  • Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Hydroxocobalamin“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig): 8 Treffer, darunter Depot-Injektionslösungen mit dem Anwendungsgebiet ernährungsmäßig nicht behebbarer Vitamin-B12-Mangel (ATC B03BA) und das zentral zugelassene Cyanid-Antidot [20]. EMA-Datensatz Cyanokit (EMEA/H/C/000806): Status „Authorised“, Zulassung 23.11.2007, Anwendungsgebiet bekannte oder vermutete Cyanidvergiftung [21]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
  • Literatur (G8) am 24.10.2026: Tudhope 1967 [22] über PubMed und Crossref bestätigt, Verlags-Zusammenfassung gelesen (12 Personen, Einzelinjektionen in zufälliger Reihenfolge, doppelt so lange über Schwellenwerten, große Unterschiede zwischen Personen). Fischer 2014 [23] über PubMed und Crossref bestätigt, Abstract gelesen (88 Betroffene, Kombinationsbehandlung, neurologischer und augenärztlicher Verlauf nicht signifikant beeinflusst). Andersson 1999 (PMID 11258350) als zweite Fallserie gelesen, nicht aufgenommen; Matos 2013 und Scalais 2023 dosisbezogen, nicht verwendet.

Nicht verifiziert

  • Status in den USA nicht geprüft.
  • Klinische Erhaltungsstudien zu Injektionsabständen (Killander und Werner 1968, Killander 1968, Hertz 1964) haben keinen Abstract und wurden nicht gelesen. Tudhope 1967 [22] nur über die Zusammenfassung auf der Verlagsseite gelesen; deren Schluss (Urinausscheidung) nur teilweise. Glass 1966 (unkontrolliert, nur Abstract, Volltext kostenpflichtig) nicht verwendet.
  • Eine Pilotstudie zu B12 bei Müdigkeit (Ellis und Nasser 1973) hat keinen Abstract und wurde nicht verwendet.
  • Teilnehmerzahl der Dialysestudie [8] steht nicht im Abstract; Halbwertszeit und ZNS-Gängigkeit nicht recherchiert.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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