Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Besserer Schlaf

    kleiner Nutzen

    Schlaf · gesund (selbstberichteter schlechter Schlaf) · Mensch, randomisiert

    Eine große RCT mit 155 Erwachsenen: ISI-Abnahme etwas stärker als unter Placebo (p = 0,049, d = 0,2), Schlafqualität und andere Endpunkte ohne Unterschied [7]. Keine objektive Schlafmessung, kein Vergleich mit anderen Magnesiumformen. Eine Metaanalyse von drei kleinen RCTs bei Älteren mit Insomnie (niedrige bis sehr niedrige Evidenzqualität) verwendete Oxid und Citrat und zählt nicht für die Stufe [12].

  • Stress ↓, beruhigend

    kein Nutzen

    Stimmung & Stress · gesund (selbstberichteter schlechter Schlaf) · Mensch, randomisiert

    In der Glycinat-RCT unterschieden sich Fragebögen zu Stress und Stimmung (sekundäre Endpunkte) nicht von Placebo [7]. Ein systematischer Review mit schwachen Hinweisen auf weniger Angst bei angstanfälligen Gruppen fasst andere Magnesiumformen zusammen und zählt nicht für die Stufe [11]. Der Zusatz „durch Glycin“ ist als eigenes Versprechen geprüft.

  • Das Glycin wirkt zusätzlich beruhigend und schlaffördernd (besser als andere Magnesiumformen)

    nicht untersucht

    Schlaf · gesund · Keine Daten

    Keine Studie hat Glycinat mit einer anderen Magnesiumform gleichen Magnesiumgehalts verglichen; die Glycinat-RCT hatte nur Placebo als Vergleich [7]. Der Glycinanteil liegt etwa bei der Hälfte der Menge aus Glycin-Schlafstudien, die überwiegend von einer Herstellergruppe stammen [7][8]. Zerlegt aus dem früheren Versprechen „Stress ↓, beruhigend durch Glycin“.[8]

  • Weniger Muskelkrämpfe

    Einzelbefund, unbestätigt

    Muskel & Leistung · Patienten: Schwangere mit Wadenkrämpfen · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Eine RCT mit Magnesiumbisglycinat-Chelat und 80 ausgewerteten Schwangeren fand weniger und schwächere Krämpfe als unter Placebo [9]. Der Cochrane-Review (Lage bei Schwangeren widersprüchlich, bei älteren Menschen mit nächtlichen Krämpfen kein relevanter Nutzen) fasst verschiedene Magnesiumformen zusammen und zählt nicht für die Stufe [10].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Magnesiumglycinat

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Magnesium ist nach Kalium das zweithäufigste Kation in Zellen und an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt; Darm, Niere und Knochen regeln den Bestand [1]. An Nervenzellen blockiert Mg2+ den Kanal des NMDA-Rezeptors spannungsabhängig: In Ruhe unterbricht es den Ionenstrom, bei Depolarisation löst sich der Block [2]. Darauf beruht die Vorstellung, Magnesium schütze vor übermäßiger Erregung; eine Übersichtsarbeit sieht die stärksten Hinweise bei Migräne und Depression, für andere neurologische Fragen ist die Datenlage dünner [3]. Diese Wirkungen gehören zum Magnesium allgemein, nicht speziell zur Glycinat-Form.

Bei Magnesiumbisglycinat ist Magnesium an zwei Glycinmoleküle gebunden. Die einzige gefundene Isotopenstudie beim Menschen verglich es doppelblind im Überkreuzdesign mit Magnesiumoxid bei 12 Menschen nach Entfernung von Teilen des Dünndarms (Ileumresektion): Insgesamt wurde aus beiden Formen gleich viel aufgenommen (23,5 vs. 22,8 %); nur bei den vier Personen mit der schlechtesten Aufnahme aus Oxid war Glycinat überlegen (23,5 vs. 11,8 %), und es wurde besser vertragen [4]. Die Autoren vermuten, dass ein Teil als intaktes Dipeptid aufgenommen wird; beim Menschen belegt ist das nicht. Ein systematischer Review fand organische Formen insgesamt besser verfügbar als anorganische, wobei der aufgenommene Anteil von der Menge abhängt [5]. In einer randomisierten Studie mit 46 Gesunden erhöhten ein Aminosäurechelat und Citrat die Magnesiumausscheidung im Urin nach 60 Tagen stärker als Oxid, den Serumspiegel aber am stärksten Citrat [6]; welcher Aminosäureligand im Chelat steckte, nennt der Abstract nicht. Eine Studie, die Glycinat bei Gesunden direkt mit Citrat vergleicht, wurde nicht gefunden.

Die größte placebokontrollierte Studie mit Magnesiumbisglycinat (155 Erwachsene mit schlechtem Schlaf, 4 Wochen) fand eine etwas stärkere Abnahme des Insomnie-Schweregrads (ISI −3,9 vs. −2,3 Punkte) mit kleiner Effektstärke (d = 0,2); Fragebögen zu Stress und Stimmung unterschieden sich nicht [7]. Die Studie verglich nicht mit einer anderen Magnesiumform, ein Beitrag des Glycins lässt sich daher nicht abtrennen; der Glycinanteil lag etwa bei der Hälfte der Menge, die in Schlafstudien mit Glycin allein verwendet wurde [7]. Diese Glycin-Schlafstudien stammen überwiegend von einer Forschungsgruppe des Herstellers Ajinomoto [8]. Bei 80 ausgewerteten Schwangeren mit Wadenkrämpfen erreichten unter Bisglycinat mehr Frauen eine Halbierung der Krampfhäufigkeit als unter Placebo (86,0 vs. 60,5 %) [9]; ein Cochrane-Review bewertet die Studien bei Schwangeren jedoch als widersprüchlich und fand bei älteren Menschen mit nächtlichen Krämpfen keinen relevanten Nutzen von Magnesium [10].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch eine erregende Synapse, nicht maßstabsgetreu: Vom NMDA-Rezeptor (Tetramer aus zwei GluN1 und zwei GluN2B) sind die beiden hinteren Untereinheiten gezeichnet, die vorderen sind weggeschnitten, damit die Pore sichtbar wird. Der Ablauf wiederholt sich in drei Takten: Glutamat mit Depolarisation, Glutamat allein, Depolarisation allein. Teilchenzahlen, Zeiten, Öffnungen und der Ca²⁺-Einstrom sind Ausgaben eines Modells dieser Abbildung, keine Messungen, und werden nicht als Zahl angezeigt. Die Zahlen in der Anzeige rechts unten stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind nicht untereinander vergleichbar.
Wirkstoff
Ansicht

Glutamat  Glycin / D-Serin  Mg²⁺  Ca²⁺  Na⁺  K⁺  rot = Wirkstoff, in der Szene als verkleinerte Strukturformel · Formen wie in der Abbildung

Magnesiumglycinat liefert Mg²⁺, den natürlichen Porenblocker [3], und Glycin, den Co-Agonisten an GluN1 [16]. Beide Stellen sind hervorgehoben; das Modell bleibt wie im Normalzustand, denn ob das Salz Magnesium oder Glycin am Rezeptor im Gehirn erhöht, ist nicht untersucht. Die Wirkung am Kanal gehört zum Magnesium allgemein, nicht zur Glycinat-Form.

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

  • CX-717: Ampakin; NMDA-Effekt nur indirekt, kein Angriff am Rezeptor selbst
  • Huperzin A: NMDA-Hemmung nur in einer Übersicht der Entwicklergruppe, ohne Bindestelle
  • L-Theanin: nur sehr schwache Bindung an Glutamatrezeptoren
  • Phenylpiracetam: keine Verdrängung der Liganden am NMDA-Rezeptor
  • Piracetam: nur veränderte Rezeptorzahl (Maus)
  • Selank: nur veränderte Zahl der Bindungsstellen (Maus)

Was die Abbildung zeigt und wie sicher das ist

Nur zur Erklärung des Wirkmechanismus. Keine medizinische Beratung und keine Aussage zu Nutzen, Risiken, Mengen oder Anwendung. Ketamin, Esketamin, Memantin und Atomoxetin sind Arzneistoffe; die meisten anderen Stoffe sind am NMDA-Rezeptor nur im Labor oder im Tier untersucht.

Vereinfacht. Ein Rezeptor steht für viele; Größen, Spaltbreite, Membrandicke, Zahl der Ionen und alle Zeiten sind illustrativ. Gezeichnet sind die hinteren zwei Untereinheiten eines GluN1-GluN2B-Rezeptors; NMDA-Rezeptoren mit GluN2A und anderen Untereinheiten sowie AMPA-Rezeptoren, die die Depolarisation mit auslösen, fehlen. Die Lage des Mg²⁺ im Filter und des Ketamins im Vestibül folgt [2] und [8]; für Atomoxetin und Crocetin ist der Platz in der Pore nicht bestimmt, für Agmatin der Bindeort überhaupt. Die Zahlen in [3], [4], [9], [11] bis [18], [20] bis [22], [24] und [26] bis [32] stammen aus den Synaptik-Profilen der Wirkstoffe und sind dort an den Abstracts geprüft; [1], [5] bis [8], [19], [23] und [25] wurden am PubMed-Abstract geprüft (25.10.2026), die Aussagen aus der Übersicht [2] (M1, M3, M4 und Porenschleife M2, M3 als Tor, Mg²⁺-Stelle an der Spitze von M2, Na⁺, K⁺ und Ca²⁺ als Ladungsträger, Kinasen und Gerüstproteine an der C-terminalen Domäne von GluN2B) in den betreffenden Abschnitten des Volltexts.

Bei Problemen mit Medikamenten, Alkohol oder anderen Substanzen helfen die Hausarztpraxis und örtliche Suchtberatungsstellen.

Eingeordnet am Wirkort GABA-A-Rezeptor (Benzodiazepin-, GABA- und Membranstellen), GABA-B mit GIRK, Glycinrezeptor; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: betrifft nur den Glycinanteil; Beleg nur eine Übersicht zu Glycin.

Eingeordnet am Wirkort Bürstensaum der Enterozyten (Mikrovilli mit Enzymen und Transportern); in der Abbildung dort nicht gezeichnet: Aufnahme über den Dipeptidweg im Profil nur vermutet.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
NMDA-Rezeptor, KanalporeIonenkanalHemmerspannungsabhängiger Block durch Mg2+ (Mausneurone, Patch-Clamp) Labor[2]
NMDA-Rezeptor, Glycin-Bindungsstelle (Glycinanteil)RezeptorAgonistCo-Agonist Labor[8]
Glycinrezeptor (Chloridkanal, Glycinanteil)IonenkanalAgonist Labor[8]
Dipeptid-Transport im Dünndarm (vermutet)TransporterBindungHypothese aus früherem Isotopenmaximum Mensch, nicht randomisiert[4]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAmoduliert · Mg2+ blockiert den NMDA-Kanal (Labor), Glycin ist Co-Agonist am selben Rezeptor; Nettoeffekt nach Einnahme im Gehirn unbekannt[2][8]
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Bisglycinat (Chelat)

    ≈ 23,5 % (Isotop Magnesium-26, Patienten nach Ileumresektion; Oxid 22,8 %)

    Doppelblinde Überkreuzstudie mit 12 Patienten: insgesamt gleiche Aufnahme wie Oxid, früheres Maximum und größere Fläche unter der Isotopenkurve, besser verträglich; Vorteil nur bei den vier Personen mit schlechtester Oxid-Aufnahme [4]. Daten bei Gesunden fehlen.

    Mensch, randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Aminosäurechelat (Ligand nicht angegeben)

    Bei 46 Gesunden höhere Urinausscheidung als unter Oxid nach 60 Tagen, Serumspiegel aber niedriger als unter Citrat [6]. Organische Formen sind laut systematischem Review insgesamt besser verfügbar als anorganische [5].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Schlaf bei Erwachsenen mit schlechtem Schlaf

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund (selbstberichteter schlechter Schlaf) · n = 155 · 4 Wochen

    Gemessen: Insomnia Severity Index (ISI)

    Ergebnis: ISI −3,9 vs. −2,3 Punkte (p = 0,049, d = 0,2); übrige psychologische Endpunkte ohne Unterschied.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Schwangere (14.–34. Woche) mit Wadenkrämpfen · n = 86 · 4 Wochen

    Gemessen: Halbierung von Krampfhäufigkeit und -intensität

    Ergebnis: Halbierung der Häufigkeit bei 86,0 vs. 60,5 % (p = 0,007), der Intensität bei 69,8 vs. 48,8 % (p = 0,048); 80 ausgewertet.[9]

    Mensch, randomisiert

  • Isotopenstudie Glycinat vs. Oxid

    RCT, doppelblind, Überkreuz · Patienten: nach Ileumresektion · n = 12 · Einzelgaben

    Gemessen: Aufnahme des Isotops Magnesium-26

    Ergebnis: 23,5 vs. 22,8 % insgesamt; bei vier Personen mit schlechter Aufnahme 23,5 vs. 11,8 % (p < 0,05).[4]

    Mensch, randomisiert

  • Vergleich Aminosäurechelat, Citrat, Oxid

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, parallel · gesund · n = 46 · 60 Tage

    Gemessen: Magnesium in Urin, Serum, Erythrozyten, Speichel

    Ergebnis: Organische Formen höhere Urinausscheidung als Oxid (p = 0,033); höchster Serumspiegel unter Citrat.[6]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Hypermagnesiämie bei eingeschränkter Nierenfunktion

    Die Niere regelt den Magnesiumbestand [1]. In einer Krankenhauskohorte mit Magnesiumoxid hatten 23 % eine erhöhte Magnesiumkonzentration; Risikofaktoren waren eingeschränkte Nierenfunktion, größere Mengen und längere Anwendung [13]. Daten speziell zu Glycinat fehlen; dass das Prinzip für alle Magnesiumsalze gilt, ist eine Schlussfolgerung.

    Mensch, nicht randomisiert

  • Magen-Darm-Beschwerden

    In der Cochrane-Analyse traten unter oralem Magnesium vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall auf [10]. In den Glycinat-Studien waren Nebenwirkungen nicht häufiger als unter Placebo [7][9], im Vergleich mit Oxid wurde Glycinat besser vertragen (12 Patienten) [4].

    Mensch, randomisiert

Wechselwirkungen

  • Tetrazykline und Fluorchinolone: Mehrwertige Kationen wie Mg2+ bilden mit diesen Antibiotika schwer lösliche Chelate und senken ihre Aufnahme; klinisch gezeigt für magnesiumhaltige Antazida [14]. Für Glycinat nicht eigens untersucht.
  • Bisphosphonate: Gleicher Chelat-Mechanismus laut Fachinformationen, quantitative Daten fehlen [14].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Magnesiumglycinat wird besser aufgenommen als alle anderen Formen“

    Die einzige Isotopenstudie beim Menschen fand insgesamt keinen Unterschied zu Oxid, nur bei vier Patienten mit gestörter Aufnahme einen Vorteil [4]. Ein Vergleich mit Citrat bei Gesunden fehlt; ein nicht näher bezeichnetes Aminosäurechelat erreichte niedrigere Serumspiegel als Citrat [6].

  • nicht belegt

    „Das Glycin im Glycinat wirkt zusätzlich beruhigend und schlaffördernd“

    Kein Versuch hat Glycinat mit einer anderen Magnesiumform verglichen [7]. Der Glycinanteil liegt unter den Mengen der Glycin-Schlafstudien, die fast alle aus einer Herstellergruppe stammen [7][8].

  • teilweise belegt

    „Glycinat ist magenfreundlich und wirkt kaum abführend“

    Bei 12 Patienten besser verträglich als Oxid [4]; in zwei RCTs keine häufigeren Nebenwirkungen als unter Placebo [7][9]. Ein direkter Vergleich mit Citrat zur Verträglichkeit fehlt.

  • teilweise belegt

    „Glycinat wird als intaktes Dipeptid aufgenommen“

    Die Autoren der Isotopenstudie schließen das aus Labordaten und dem früheren Isotopenmaximum; direkt gemessen wurde es beim Menschen nicht [4].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Über den Mund. Bei Patienten nach Ileumresektion gleiche Gesamtaufnahme wie Oxid, Isotopenmaximum im Mittel 3,2 Stunden früher [4].
Halbwertszeit
Für ein körpereigenes Mineral nicht sinnvoll angebbar; nicht verifiziert.
Abbau
Zerfällt in Magnesium und Glycin; wie viel als intaktes Chelat aufgenommen wird, ist beim Menschen ungeklärt [4]. Die Niere regelt die Ausscheidung [1].
Weg ins Gehirn
Kein Beleg, dass Glycinat mehr Magnesium ins Gehirn bringt als andere Formen.

Rechtlicher Status

Deutschland
Nicht verifiziert.
EU
Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Magnesiumbisglycinat“); damit als Magnesiumquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [15].
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „trägt zur normalen psychischen Funktion bei“

    Nährstoff
    Magnesium
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[16]
    Einordnung
    rechtlich zulässig für Magnesium allgemein, keine Aussage über Magnesiumglycinat; zu Stress und Stimmung mit Glycinat siehe das Versprechen „Stress ↓, beruhigend“ (kein Nutzen in einer RCT)
  • „trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“

    Nährstoff
    Magnesium
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[16]
    Einordnung
    rechtlich zulässig für Magnesium allgemein, keine Aussage über Magnesiumglycinat; zu Wadenkrämpfen siehe das Versprechen „Weniger Muskelkrämpfe“ (nur bei Schwangeren geprüft)

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Ist Glycinat bei Gesunden besser verfügbar als Citrat, gemessen an Urinausscheidung nach Sättigung der Speicher?
  • Trägt das Glycin messbar zum Schlafeffekt bei, wenn man Glycinat gegen eine andere Magnesiumform mit gleichem Magnesiumgehalt testet?
  • Profitieren vor allem Menschen mit niedriger Magnesiumzufuhr, wie eine explorative Auswertung andeutet?

Referenzen

  1. de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev. 2015;95(1):1–46. doi:10.1152/physrev.00012.2014 · PubMed
  2. Nowak L, Bregestovski P, Ascher P, Herbet A, Prochiantz A. Magnesium gates glutamate-activated channels in mouse central neurones. Nature. 1984;307(5950):462–5. doi:10.1038/307462a0 · PubMed
  3. Kirkland AE, Sarlo GL, Holton KF. The role of magnesium in neurological disorders. Nutrients. 2018;10(6):730. doi:10.3390/nu10060730 · PubMed
  4. Schuette SA, Lashner BA, Janghorbani M. Bioavailability of magnesium diglycinate vs magnesium oxide in patients with ileal resection. JPEN J Parenter Enteral Nutr. 1994;18(5):430–5. doi:10.1177/0148607194018005430 · PubMed
  5. Pardo MR, Garicano Vilar E, San Mauro Martín I, Camina Martín MA. Bioavailability of magnesium food supplements: a systematic review. Nutrition. 2021;89:111294. doi:10.1016/j.nut.2021.111294 · PubMed
  6. Walker AF, Marakis G, Christie S, Byng M. Mg citrate found more bioavailable than other Mg preparations in a randomised, double-blind study. Magnes Res. 2003;16(3):183–91. PubMed
  7. Schuster J, Cycelskij I, Lopresti A, Hahn A. Magnesium bisglycinate supplementation in healthy adults reporting poor sleep: a randomized, placebo-controlled trial. Nat Sci Sleep. 2025;17:2027–40. doi:10.2147/NSS.S524348 · PubMed
  8. Bannai M, Kawai N. New therapeutic strategy for amino acid medicine: glycine improves the quality of sleep. J Pharmacol Sci. 2012;118(2):145–8. doi:10.1254/jphs.11r04fm · PubMed
  9. Supakatisant C, Phupong V. Oral magnesium for relief in pregnancy-induced leg cramps: a randomised controlled trial. Matern Child Nutr. 2015;11(2):139–45. doi:10.1111/j.1740-8709.2012.00440.x · PubMed
  10. Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, Allan GM, Musini VM, Sekhon RK, et al. Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev. 2020;9(9):CD009402. doi:10.1002/14651858.CD009402.pub3 · PubMed
  11. Boyle NB, Lawton C, Dye L. The effects of magnesium supplementation on subjective anxiety and stress – a systematic review. Nutrients. 2017;9(5):429. doi:10.3390/nu9050429 · PubMed
  12. Mah J, Pitre T. Oral magnesium supplementation for insomnia in older adults: a systematic review & meta-analysis. BMC Complement Med Ther. 2021;21(1):125. doi:10.1186/s12906-021-03297-z · PubMed
  13. Wakai E, Ikemura K, Sugimoto H, Iwamoto T, Okuda M. Risk factors for the development of hypermagnesemia in patients prescribed magnesium oxide: a retrospective cohort study. J Pharm Health Care Sci. 2019;5:4. doi:10.1186/s40780-019-0133-7 · PubMed
  14. Ogawa R, Echizen H. Clinically significant drug interactions with antacids: an update. Drugs. 2011;71(14):1839–64. doi:10.2165/11593990-000000000-00000 · PubMed
  15. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  16. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1. Konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820).
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
  • Am Abstract: 12 Patienten, 23,5 vs. 22,8 %, Subgruppe 23,5 vs. 11,8 %, Maximum 3,2 h früher [4]; 14 Studien, organisch besser als anorganisch, mengenabhängig [5]; 46 Gesunde, 60 Tage, p = 0,033, Citrat höchster Serumspiegel [6]; 155 Personen, ISI −3,9 vs. −2,3, p = 0,049, d = 0,2 [7]; 86 Schwangere, 80 ausgewertet, 86,0 vs. 60,5 % und 69,8 vs. 48,8 % [9]; Cochrane: 11 Studien, kein Nutzen bei idiopathischen Krämpfen, Schwangerschaft widersprüchlich [10]; 18 Studien, schwache Hinweise bei Angst [11]; 23 % Hypermagnesiämie, Risikofaktoren [13]; Chelat-Interaktionen [14].
  • Im Volltext von [7]: Präparat von Biogena, Glycinanteil etwa die Hälfte der in Glycin-Schlafstudien genannten Menge; kein Vergleich mit anderer Magnesiumform.
  • Affiliation Ajinomoto in [8] am Abstract geprüft.
  • ClinicalTrials.gov: 20 Treffer „magnesium glycinate“, 6 Treffer „magnesium bisglycinate“ (23.10.2026).
  • 24.10.2026 (Regelentscheidungen K1–K8): Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG (CELEX 02002L0046-20251126, Cellar-XHTML) enthält „Magnesiumbisglycinat“. Wortlaut der beiden Magnesium-Angaben in VO (EU) Nr. 432/2012, Basisfassung (CELEX 32012R0432) und konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820), unverändert gefunden.
  • Formspezifische Prüfung (K2): Abstract [9] nennt „magnesium bisglycinate chelate“ (41 vs. 39 ausgewertet, keine Interessenkonflikte); [7] laut Volltext Bisglycinat. Metaanalyse [12], Cochrane-Review [10] und Angst-Review [11] mischen Formen und zählen nicht für die Stufen.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Weniger Muskelkrämpfe“ → kleine_studien: [9] 86 eingeschlossen, 80 ausgewertet (Abstract); [10] zählt laut Begründung nicht.

Nicht verifiziert

  • Rechtlicher Status in Deutschland und USA nicht in Registern geprüft.
  • Finanzierung der Schlafstudie [7] im Volltext nicht eindeutig gefunden (Präparat von Biogena).
  • Welcher Aminosäureligand im Chelat von [6] verwendet wurde (Volltext nicht zugänglich).

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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