Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Wirkweise

Evidenzkarte: Sunifiram

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Sunifiram (DM235) entstand durch molekulare Vereinfachung einer bicyclischen Substanzreihe, zu der Unifiram gehört; ein Acylpiperazin ersetzt dabei den Pyrrolidinon-Ring. Im passiven Vermeidungstest bei Mäusen war es schon in extrem niedrigen Gaben aktiv und steigerte die Acetylcholinfreisetzung im Rattenhirn [1]. Sunifiram verhinderte Gedächtnisstörungen durch Scopolamin, Mecamylamin, Baclofen und Clonidin, ohne Motorik oder Spontanverhalten zu verändern; die Autoren schätzen seine Wirkstärke rund 1000-fach höher ein als die der wirksamsten Piracetam-Analoga [2]. In Bindungsstudien zeigte es keine Affinität zu den wichtigsten zentralen Rezeptoren und Ionenkanälen [3].

Der AMPA-Antagonist NBQX hob die antiamnestische Wirkung bei Mäusen auf [4]. In Hippocampusschnitten von Mäusen verstärkte Sunifiram die Langzeitpotenzierung mit glockenförmiger Konzentrations-Wirkungs-Kurve und Gipfel bei 10 nM; ein Antagonist der Glycin-Bindungsstelle des NMDA-Rezeptors blockierte das, und die Proteinkinase Cα, Src-Kinasen und die CaM-Kinase II wurden aktiviert [5]. Bei Mäusen nach Entfernung des Riechkolbens, einem Modell für cholinerge Degeneration, verbesserte es Gedächtnisaufgaben und die Langzeitpotenzierung, nicht aber depressionsähnliches Verhalten [6].

Eine Übersicht fasst zusammen, dass Sunifiram und Unifiram allein, ohne vorherige Störung des Gedächtnisses, in Tiermodellen inaktiv waren und nie klinisch geprüft wurden [7]. Der frühere Leiter der Arbeitsgruppe beschreibt, dass beide Substanzen nicht patentiert wurden und zwölf Jahre später im Internet als Mittel für Gesunde angeboten wurden, obwohl nur wenige präklinische Studien vorlagen und die Langzeittoxizität unbekannt war [8].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch eine erregende Synapse, nicht maßstabsgetreu: Vom NMDA-Rezeptor (Tetramer aus zwei GluN1 und zwei GluN2B) sind die beiden hinteren Untereinheiten gezeichnet, die vorderen sind weggeschnitten, damit die Pore sichtbar wird. Der Ablauf wiederholt sich in drei Takten: Glutamat mit Depolarisation, Glutamat allein, Depolarisation allein. Teilchenzahlen, Zeiten, Öffnungen und der Ca²⁺-Einstrom sind Ausgaben eines Modells dieser Abbildung, keine Messungen, und werden nicht als Zahl angezeigt. Die Zahlen in der Anzeige rechts unten stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind nicht untereinander vergleichbar.
Wirkstoff
Ansicht

Glutamat  Glycin / D-Serin  Mg²⁺  Ca²⁺  Na⁺  K⁺  rot = Wirkstoff, in der Szene als verkleinerte Strukturformel · Formen wie in der Abbildung

In Hippocampusschnitten von Mäusen verstärkte Sunifiram die Langzeitpotenzierung mit Gipfel bei 10 nM; ein Antagonist der Glycinstelle hob das auf, bei hoher Glycinkonzentration blieb die Verstärkung aus, und Proteinkinase Cα, Src-Kinasen und CaM-Kinase II wurden aktiviert [17]. Die Autoren schließen auf eine Stimulation der Glycinstelle; dass Sunifiram dort selbst bindet oder die Ströme des Rezeptors verändert, ist nicht gemessen. Die Abbildung markiert die Stelle deshalb nur, zeichnet Sunifiram frei im Spalt und lässt das Modell wie im Normalzustand (gleiche Öffnungen, gleicher Ca²⁺-Einstrom). Am Menschen wurde es nie geprüft.

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

  • CX-717: Ampakin; NMDA-Effekt nur indirekt, kein Angriff am Rezeptor selbst
  • Huperzin A: NMDA-Hemmung nur in einer Übersicht der Entwicklergruppe, ohne Bindestelle
  • L-Theanin: nur sehr schwache Bindung an Glutamatrezeptoren
  • Phenylpiracetam: keine Verdrängung der Liganden am NMDA-Rezeptor
  • Piracetam: nur veränderte Rezeptorzahl (Maus)
  • Selank: nur veränderte Zahl der Bindungsstellen (Maus)

Was die Abbildung zeigt und wie sicher das ist

Nur zur Erklärung des Wirkmechanismus. Keine medizinische Beratung und keine Aussage zu Nutzen, Risiken, Mengen oder Anwendung. Ketamin, Esketamin, Memantin und Atomoxetin sind Arzneistoffe; die meisten anderen Stoffe sind am NMDA-Rezeptor nur im Labor oder im Tier untersucht.

Vereinfacht. Ein Rezeptor steht für viele; Größen, Spaltbreite, Membrandicke, Zahl der Ionen und alle Zeiten sind illustrativ. Gezeichnet sind die hinteren zwei Untereinheiten eines GluN1-GluN2B-Rezeptors; NMDA-Rezeptoren mit GluN2A und anderen Untereinheiten sowie AMPA-Rezeptoren, die die Depolarisation mit auslösen, fehlen. Die Lage des Mg²⁺ im Filter und des Ketamins im Vestibül folgt [2] und [8]; für Atomoxetin und Crocetin ist der Platz in der Pore nicht bestimmt, für Agmatin der Bindeort überhaupt. Die Zahlen in [3], [4], [9], [11] bis [18], [20] bis [22], [24] und [26] bis [32] stammen aus den Synaptik-Profilen der Wirkstoffe und sind dort an den Abstracts geprüft; [1], [5] bis [8], [19], [23] und [25] wurden am PubMed-Abstract geprüft (25.10.2026), die Aussagen aus der Übersicht [2] (M1, M3, M4 und Porenschleife M2, M3 als Tor, Mg²⁺-Stelle an der Spitze von M2, Na⁺, K⁺ und Ca²⁺ als Ladungsträger, Kinasen und Gerüstproteine an der C-terminalen Domäne von GluN2B) in den betreffenden Abschnitten des Volltexts.

Bei Problemen mit Medikamenten, Alkohol oder anderen Substanzen helfen die Hausarztpraxis und örtliche Suchtberatungsstellen.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
NMDA-Rezeptor, Glycin-Bindungsstelle (indirekt)Rezeptorpositiver ModulatorLTP-Verstärkung mit Gipfel bei 10 nM; durch Glycin-Site-Antagonisten blockierbar (Mäusehirnschnitte) Labor[5]
AMPA-Rezeptor (Beteiligung)RezeptorAktivatorantiamnestische Wirkung durch NBQX aufgehoben (Maus); keine direkte Bindung gezeigt Tierversuch[3][4]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholin↑ · mehr Acetylcholinfreisetzung im Rattenhirn[1][3]
  • Glutamat · AMPA↑ · Wirkung im Tier durch AMPA-Antagonisten aufhebbar; mehr AMPA-Rezeptor-Phosphorylierung[4][5]
  • Glutamat · NMDA↑ · verstärkt NMDA-abhängige Langzeitpotenzierung über die Glycin-Bindungsstelle (Hirnschnitt)[5]
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Studien am Menschen

  • Keine Studien am Menschen gefunden.

Risiken und Warnhinweise

  • Unbekannte Toxizität

    Langzeittoxizität und Sicherheit beim Menschen sind unbekannt [8]; eine Übersicht nennt mögliche, aber nicht untersuchte Risiken [7].

    Keine Daten

  • Unkontrollierter Onlinehandel

    Wird ohne Zulassung und Qualitätskontrolle im Internet angeboten und in Webforen als „Smart Drug“ diskutiert [8][9][10].

    Keine Daten

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • teilweise belegt

    „Sunifiram ist 1000-mal stärker als Piracetam“

    In Mausmodellen waren rund 1000-fach kleinere Gaben wirksam [2]; das beschreibt die Wirkstärke im Tier, nicht eine größere Wirkung beim Menschen.

  • nicht belegt

    „Sunifiram steigert Gedächtnis und Fokus bei Gesunden“

    Keine Studie am Menschen; bei Tieren ohne vorherige Störung inaktiv [7].

  • teilweise belegt

    „Sunifiram ist ein Ampakin“

    Antiamnestische Wirkung durch AMPA-Antagonisten aufhebbar [4], aber keine nachgewiesene direkte Bindung an AMPA-Rezeptoren [3]; in Hirnschnitten lief die Wirkung über die NMDA-Glycin-Bindungsstelle [5].

  • nicht belegt

    „Sunifiram ist gut verträglich“

    Bei Mäusen keine Störung von Motorik und Spontanverhalten [2]; Toxizitäts- und Humandaten fehlen [8].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Beim Menschen nicht untersucht; bei Nagern nach Injektion und oraler Gabe wirksam [2][6].
Halbwertszeit
Nicht untersucht.
Abbau
Nicht untersucht.
Weg ins Gehirn
Beim Menschen nicht untersucht.

Rechtlicher Status

Deutschland
nicht verifiziert; in den geprüften Quellen kein Arzneimittel und nie klinisch geprüft [7].
EU
nicht verifiziert.
USA
nicht verifiziert.
Andere Länder
Nicht patentiert und über Webseiten als kognitionssteigernd angeboten [8]. Sport: nicht ausdrücklich verboten, aber vermutlich von den WADA-Kriterien erfasst [11].

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • An welches Molekül bindet Sunifiram tatsächlich?
  • Warum wirkt es nur bei vorher gestörtem Gedächtnis?
  • Wie toxisch ist Sunifiram bei wiederholter Einnahme?

Referenzen

  1. Manetti D, Ghelardini C, Bartolini A, Dei S, Galeotti N, Gualtieri F, et al. Molecular simplification of 1,4-diazabicyclo[4.3.0]nonan-9-ones gives piperazine derivatives that maintain high nootropic activity. J Med Chem. 2000;43(23):4499–507. doi:10.1021/jm000972h · PubMed
  2. Ghelardini C, Galeotti N, Gualtieri F, Romanelli MN, Bucherelli C, Baldi E, et al. DM235 (sunifiram): a novel nootropic with potential as a cognitive enhancer. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 2002;365(6):419–26. doi:10.1007/s00210-002-0577-3 · PubMed
  3. Romanelli MN, Galeotti N, Ghelardini C, Manetti D, Martini E, Gualtieri F. Pharmacological characterization of DM232 (unifiram) and DM235 (sunifiram), new potent cognition enhancers. CNS Drug Rev. 2006;12(1):39–52. doi:10.1111/j.1527-3458.2006.00039.x · PubMed
  4. Galeotti N, Ghelardini C, Pittaluga A, Pugliese AM, Bartolini A, Manetti D, et al. AMPA-receptor activation is involved in the antiamnesic effect of DM 232 (unifiram) and DM 235 (sunifiram). Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 2003;368(6):538–45. doi:10.1007/s00210-003-0812-6 · PubMed
  5. Moriguchi S, Tanaka T, Narahashi T, Fukunaga K. Novel nootropic drug sunifiram enhances hippocampal synaptic efficacy via glycine-binding site of N-methyl-D-aspartate receptor. Hippocampus. 2013;23(10):942–51. doi:10.1002/hipo.22150 · PubMed
  6. Moriguchi S, Tanaka T, Tagashira H, Narahashi T, Fukunaga K. Novel nootropic drug sunifiram improves cognitive deficits via CaM kinase II and protein kinase C activation in olfactory bulbectomized mice. Behav Brain Res. 2013;242:150–7. doi:10.1016/j.bbr.2012.12.054 · PubMed
  7. Vialko A, Chałupnik P, Szymańska E. Positive AMPA and kainate receptor modulators and their therapeutic potential in CNS diseases: a comprehensive review. Int J Mol Sci. 2025;26(13):6450. doi:10.3390/ijms26136450 · PubMed
  8. Gualtieri F. Unifi nootropics from the lab to the web: a story of academic (and industrial) shortcomings. J Enzyme Inhib Med Chem. 2016;31(2):187–94. doi:10.3109/14756366.2015.1021252 · PubMed
  9. Schifano F, Catalani V, Sharif S, Napoletano F, Corkery JM, Arillotta D, et al. Benefits and harms of ‘smart drugs’ (nootropics) in healthy individuals. Drugs. 2022;82(6):633–47. doi:10.1007/s40265-022-01701-7 · PubMed
  10. Schifano F, Bonaccorso S, Arillotta D, Corkery JM, Floresta G, Papanti Pelletier GD, et al. Focus on cognitive enhancement: a narrative overview of nootropics and “smart drug” use and misuse. Biology (Basel). 2025;14(9):1244. doi:10.3390/biology14091244 · PubMed
  11. Pokrywka A, Surała O, Grabowska K, Przybyła M, Granda D, Małecki A, et al. “Brain doping” substances: prohibited or not in sports? Biol Sport. 2025;42(4):189–201. doi:10.5114/biolsport.2025.150047 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle 11 DOIs über Crossref und alle 11 PMIDs über PubMed aufgelöst (Prüfskript).
  • Kernaussagen an Abstracts: Acylpiperazin ersetzt Pyrrolidinon, ACh-Freisetzung [1]; Scopolamin, Mecamylamin, Baclofen, Clonidin, ≈ 1000-fach, keine Motorikstörung [2]; keine Affinität zu wichtigen Rezeptoren [3]; NBQX [4]; Gipfel 10 nM, 7-Cl-Kynurensäure, PKCα, Src, CaMKII [5]; OBX-Modell, keine antidepressive Wirkung [6]; nicht patentiert, Onlinehandel, Toxizität unbekannt [8].
  • Im Volltext: allein (ohne Defizit) inaktiv, keine klinische Entwicklung [7]; Diskussion in Webforen, keine Daten zur Verbreitung [10]; Sunifiram mit unklarem WADA-Status [11].
  • ClinicalTrials.gov: 0 Einträge (23.10.2026).

Nicht verifiziert

  • Rechtsstatus in Deutschland, der EU und den USA.
  • Die Aussage, beide Substanzen seien allein inaktiv, stammt aus einer Übersicht [7]; die zugrunde liegenden Originalversuche wurden nicht einzeln geprüft.
  • Pharmakokinetik und Toxikologie: dazu wurden keine Studien gefunden.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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