Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Wirkweise

Evidenzkarte: IDRA-21

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

IDRA-21 ist ein Benzothiadiazin-Derivat und gehört zur Gruppe von Diazoxid und Cyclothiazid. Bei gesunden Ratten verbesserte es in einem erschwerten Wasserlabyrinth das Behalten und milderte Defizite durch einen AMPA-Antagonisten, Alprazolam oder Scopolamin; es war 20- bis 30-fach wirkstärker als Aniracetam, und von den beiden Enantiomeren war nur die (+)-Form aktiv [1]. Bei Patas-Affen hob es eine durch Alprazolam ausgelöste Lernstörung auf, allein veränderte es die Leistung in dieser Aufgabe nicht [2].

In Kleinhirnneuronen schwächte IDRA-21 die AMPA-Desensitisierung ab, mit etwa zehnfach höherer Schwelle (5 µM) und geringerer Wirkstärke als Cyclothiazid; anders als dieses war es bis 100 µM nicht neurotoxisch [3]. In Hippocampusneuronen verlängerte es AMPA-Ströme bis auf das 5,6-Fache (EC50 150 µM), verlangsamte die Deaktivierung und verstärkte GABA-Ströme leicht [4]. Strukturstudien ordnen Benzothiadiazide wie IDRA-21 den seitlichen Teilbindungsstellen der Dimer-Grenzfläche der AMPA-Rezeptor-Bindungsdomäne zu [5]. Zusätzlich hemmte IDRA-21 NMDA-Ströme nicht kompetitiv, bevorzugt an NR2B-haltigen Rezeptoren [6]. An menschlichen GluR1/2-Rezeptoren in HEK-Zellen verdoppelte es bei 70 µM den Ladungsfluss [7].

Bei jungen und alten Rhesusaffen verbesserte IDRA-21 eine verzögerte Zuordnungsaufgabe, bei jungen Tieren um bis zu 34 % in den schwierigsten Durchgängen und mit Wirkung bis 48 Stunden nach einer Gabe [7]; auch bei gesunden jungen Makaken verbesserte es eine anspruchsvolle visuelle Gedächtnisaufgabe [8]. Dem steht ein Sicherheitssignal gegenüber: Zusammen mit Glutamat tötete IDRA-21 kultivierte Hippocampusneuronen über AMPA-Rezeptoren, und bei Ratten verstärkte es den Verlust von CA1-Neuronen nach globaler Ischämie [9].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch eine erregende Synapse, nicht maßstabsgetreu: Vom NMDA-Rezeptor (Tetramer aus zwei GluN1 und zwei GluN2B) sind die beiden hinteren Untereinheiten gezeichnet, die vorderen sind weggeschnitten, damit die Pore sichtbar wird. Der Ablauf wiederholt sich in drei Takten: Glutamat mit Depolarisation, Glutamat allein, Depolarisation allein. Teilchenzahlen, Zeiten, Öffnungen und der Ca²⁺-Einstrom sind Ausgaben eines Modells dieser Abbildung, keine Messungen, und werden nicht als Zahl angezeigt. Die Zahlen in der Anzeige rechts unten stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind nicht untereinander vergleichbar.
Wirkstoff
Ansicht

Glutamat  Glycin / D-Serin  Mg²⁺  Ca²⁺  Na⁺  K⁺  rot = Wirkstoff, in der Szene als verkleinerte Strukturformel · Formen wie in der Abbildung

IDRA-21 ist vor allem als positiver Modulator von AMPA-Rezeptoren beschrieben. An kultivierten Kleinhirnneuronen und in HEK-Zellen hemmte es zusätzlich NMDA-Ströme nicht kompetitiv, bevorzugt an NR2B-(GluN2B-)haltigen Rezeptoren und stärker bei niedriger Glycinkonzentration [21]. Wo es bindet, ist nicht bekannt; die Abbildung färbt deshalb nur GluN2B ein. Im Modell öffnet der Kanal seltener (illustrativ).

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

  • CX-717: Ampakin; NMDA-Effekt nur indirekt, kein Angriff am Rezeptor selbst
  • Huperzin A: NMDA-Hemmung nur in einer Übersicht der Entwicklergruppe, ohne Bindestelle
  • L-Theanin: nur sehr schwache Bindung an Glutamatrezeptoren
  • Phenylpiracetam: keine Verdrängung der Liganden am NMDA-Rezeptor
  • Piracetam: nur veränderte Rezeptorzahl (Maus)
  • Selank: nur veränderte Zahl der Bindungsstellen (Maus)

Was die Abbildung zeigt und wie sicher das ist

Nur zur Erklärung des Wirkmechanismus. Keine medizinische Beratung und keine Aussage zu Nutzen, Risiken, Mengen oder Anwendung. Ketamin, Esketamin, Memantin und Atomoxetin sind Arzneistoffe; die meisten anderen Stoffe sind am NMDA-Rezeptor nur im Labor oder im Tier untersucht.

Vereinfacht. Ein Rezeptor steht für viele; Größen, Spaltbreite, Membrandicke, Zahl der Ionen und alle Zeiten sind illustrativ. Gezeichnet sind die hinteren zwei Untereinheiten eines GluN1-GluN2B-Rezeptors; NMDA-Rezeptoren mit GluN2A und anderen Untereinheiten sowie AMPA-Rezeptoren, die die Depolarisation mit auslösen, fehlen. Die Lage des Mg²⁺ im Filter und des Ketamins im Vestibül folgt [2] und [8]; für Atomoxetin und Crocetin ist der Platz in der Pore nicht bestimmt, für Agmatin der Bindeort überhaupt. Die Zahlen in [3], [4], [9], [11] bis [18], [20] bis [22], [24] und [26] bis [32] stammen aus den Synaptik-Profilen der Wirkstoffe und sind dort an den Abstracts geprüft; [1], [5] bis [8], [19], [23] und [25] wurden am PubMed-Abstract geprüft (25.10.2026), die Aussagen aus der Übersicht [2] (M1, M3, M4 und Porenschleife M2, M3 als Tor, Mg²⁺-Stelle an der Spitze von M2, Na⁺, K⁺ und Ca²⁺ als Ladungsträger, Kinasen und Gerüstproteine an der C-terminalen Domäne von GluN2B) in den betreffenden Abschnitten des Volltexts.

Bei Problemen mit Medikamenten, Alkohol oder anderen Substanzen helfen die Hausarztpraxis und örtliche Suchtberatungsstellen.

Eingeordnet am Wirkort GABA-A-Rezeptor (Benzodiazepin-, GABA- und Membranstellen), GABA-B mit GIRK, Glycinrezeptor; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: GABA-Ströme nur in Zellkultur verstärkt; vor allem AMPA-Modulator.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
AMPA-Rezeptor (Desensitisierung und Deaktivierung)Rezeptorpositiver ModulatorSchwelle 5 µM (Kleinhirnneuronen); EC50 150 µM für verlängerte Ströme (Hippocampusneuronen); Ladungsfluss 2-fach bei 70 µM (menschliche GluR1/2) Labor[3][4][7]
NMDA-Rezeptor (bevorzugt NR2B)Rezeptornegativer Modulatornicht kompetitiv, stärker bei niedriger Glycinkonzentration (Kleinhirnneuronen, HEK-Zellen) Labor[6]
GABA-A-vermittelte StrömeRezeptorpositiver Modulatorautaptische GABA-Ströme +27 % (Hippocampusneuronen) Labor[4]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPA↑ · schwächt AMPA-Desensitisierung ab (Zellkultur); Lerneffekte bei Ratten und Affen[1][3][4][7]
  • Glutamat · NMDA↓ · hemmt NMDA-Ströme, bevorzugt NR2B (Zellkultur)[6]
  • GABAmoduliert · leicht verstärkte GABA-Ströme mit gegenläufigen Teileffekten[4]
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Studien am Menschen

  • Keine Studien am Menschen gefunden.

Risiken und Warnhinweise

  • Verstärkung von Nervenzellschäden bei Ischämie

    Bei Ratten erhöhte IDRA-21 den Verlust von CA1-Neuronen nach globaler Ischämie; mit Glutamat tötete es kultivierte Neuronen über AMPA-Rezeptoren [9]. Die Autoren warnen besonders bei Schlaganfall und Krampfanfällen.

    Tierversuch

  • Keine Daten am Menschen

    Sicherheit und Verträglichkeit beim Menschen wurden nie untersucht; in Kultur bis 100 µM nicht neurotoxisch [3], bei Affen keine offensichtlichen unerwünschten Effekte [7].

    Keine Daten

Wechselwirkungen

  • Benzodiazepine (Alprazolam): Hob bei Ratten und Affen die Lernstörung durch Alprazolam auf [1][2]; die klinische Bedeutung ist unbekannt.

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „IDRA-21 steigert Gedächtnis und Lernen bei Gesunden“

    Bei gesunden Ratten und jungen Affen verbesserte es Gedächtnisaufgaben [1][7][8]; Studien am Menschen fehlen.

  • belegt

    „IDRA-21 ist ein Ampakin“

    Schwächt die AMPA-Desensitisierung in mehreren Laborstudien ab, auch an menschlichen Rezeptoren in Zellkultur [3][4][7]; die Einstufung gilt für das Labor.

  • teilweise belegt

    „IDRA-21 ist nicht neurotoxisch“

    In Kleinhirnneuronen bis 100 µM nicht toxisch [3], mit Glutamat in Hippocampusneuronen aber toxisch und bei Ischämie schädigend [9].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Bei Ratten und Affen nach oraler Gabe wirksam [1][7].
Halbwertszeit
Nicht untersucht; bei Affen hielt die Wirkung bis 48 Stunden nach einer Gabe an [7].
Abbau
Nicht untersucht.
Weg ins Gehirn
Bei Ratten nach oraler Gabe zentral wirksam, die Autoren schließen auf Hirngängigkeit [1].

Rechtlicher Status

Deutschland
nicht verifiziert; in den geprüften Quellen kein Arzneimittel und keine Studie am Menschen.
EU
nicht verifiziert.
USA
nicht verifiziert.
Andere Länder
Sport: Status unklar; in einer Marktanalyse unter den Substanzen mit unklarem WADA-Status geführt [10].

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Wie verhält sich das Verhältnis von Gedächtniseffekt und Exzitotoxizität beim Menschen?
  • Warum hält die Wirkung bei Affen bis zu zwei Tage an?
  • Welches Enantiomer wird in Online-Angeboten tatsächlich verkauft?

Referenzen

  1. Zivkovic I, Thompson DM, Bertolino M, Uzunov D, DiBella M, Costa E, et al. 7-Chloro-3-methyl-3-4-dihydro-2H-1,2,4 benzothiadiazine S,S-dioxide (IDRA 21): a benzothiadiazine derivative that enhances cognition by attenuating DL-alpha-amino-2,3-dihydro-5-methyl-3-oxo-4-isoxazolepropanoic acid (AMPA) receptor desensitization. J Pharmacol Exp Ther. 1995;272(1):300–9. PubMed
  2. Thompson DM, Guidotti A, DiBella M, Costa E. 7-Chloro-3-methyl-3,4-dihydro-2H-1,2,4-benzothiadiazine S,S-dioxide (IDRA 21), a congener of aniracetam, potently abates pharmacologically induced cognitive impairments in patas monkeys. Proc Natl Acad Sci U S A. 1995;92(17):7667–71. doi:10.1073/pnas.92.17.7667 · PubMed
  3. Impagnatiello F, Oberto A, Longone P, Costa E, Guidotti A. 7-Chloro-3-methyl-3,4-dihydro-2H-1,2,4-benzothiadiazine S,S-dioxide: a partial modulator of AMPA receptor desensitization devoid of neurotoxicity. Proc Natl Acad Sci U S A. 1997;94(13):7053–8. doi:10.1073/pnas.94.13.7053 · PubMed
  4. Yamada KA, Hill MW, Hu Y, Covey DF. The diazoxide derivative 7-chloro-3-methyl-3,4-dihydro-2H-1,2,4-benzothiadiazine-S,S-dioxide augments AMPA- and GABA-mediated synaptic responses in cultured hippocampal neurons. Neurobiol Dis. 1998;5(3):196–205. doi:10.1006/nbdi.1998.0196 · PubMed
  5. Ahmed AH, Oswald RE. Piracetam defines a new binding site for allosteric modulators of alpha-amino-3-hydroxy-5-methyl-4-isoxazole-propionic acid (AMPA) receptors. J Med Chem. 2010;53(5):2197–203. doi:10.1021/jm901905j · PubMed
  6. Losi G, Puia G, Braghiroli D, Baraldi M. IDRA-21, a positive AMPA receptor modulator, inhibits synaptic and extrasynaptic NMDA receptor mediated events in cultured cerebellar granule cells. Neuropharmacology. 2004;46(8):1105–13. doi:10.1016/j.neuropharm.2004.02.011 · PubMed
  7. Buccafusco JJ, Weiser T, Winter K, Klinder K, Terry AV. The effects of IDRA 21, a positive modulator of the AMPA receptor, on delayed matching performance by young and aged rhesus monkeys. Neuropharmacology. 2004;46(1):10–22. doi:10.1016/j.neuropharm.2003.07.002 · PubMed
  8. Malkova L, Kozikowski AP, Gale K. The effects of huperzine A and IDRA 21 on visual recognition memory in young macaques. Neuropharmacology. 2011;60(7–8):1262–8. doi:10.1016/j.neuropharm.2010.12.018 · PubMed
  9. Yamada KA, Covey DF, Hsu CY, Hu R, Hu Y, He YY. The diazoxide derivative IDRA 21 enhances ischemic hippocampal neuron injury. Ann Neurol. 1998;43(5):664–9. doi:10.1002/ana.410430517 · PubMed
  10. Pokrywka A, Surała O, Grabowska K, Przybyła M, Granda D, Małecki A, et al. “Brain doping” substances: prohibited or not in sports? Biol Sport. 2025;42(4):189–201. doi:10.5114/biolsport.2025.150047 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle 9 DOIs über Crossref und alle 10 PMIDs über PubMed aufgelöst (Prüfskript); [1] ohne DOI.
  • Kernzahlen an Abstracts: Wasserlabyrinth bei normalen Ratten, 20- bis 30-fach stärker als Aniracetam, nur (+)-Form aktiv [1]; Alprazolam-Defizit bei Patas-Affen, allein ohne Effekt, 10-fach stärker als Aniracetam [2]; Schwelle 5 µM, nicht toxisch bis 100 µM [3]; 5,6-fach, EC50 150 µM, GABA +27 % [4]; NR2B-Präferenz [6]; 70 µM, +34 %, 48 h [7]; gesunde junge Makaken [8]; Ischämie-Schaden, Glutamat-Toxizität [9].
  • Volltext von [5]: Benzothiadiazide (Cyclothiazid, IDRA-21 usw.) binden an die seitlichen Teilstellen der Dimer-Grenzfläche. Volltext von [10]: IDRA-21 in der Liste mit unklarem WADA-Status.
  • ClinicalTrials.gov: 0 Einträge (23.10.2026).

Nicht verifiziert

  • Rechtsstatus in Deutschland, der EU und den USA.
  • Ob IDRA-21 jemals am Menschen geprüft wurde (in PubMed keine Studie gefunden).
  • Die Zuordnung zu den seitlichen Teilbindungsstellen steht in [5] als Zusammenfassung früherer Arbeiten; die zugrunde liegende Kristallstruktur wurde nicht gelesen.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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