Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Wirkt wie Ozempic: deutlicher Gewichtsverlust
kleiner NutzenMetaanalyse von 23 Arbeiten: −0,88 kg Körpergewicht, −0,48 kg/m² BMI, mit Mängeln bei Verblindung und Produktangaben [12]. Semaglutid senkte das Gewicht in STEP 1 um 12,7 kg mehr als Placebo [13]; der GLP-1-Effekt von Berberin ist nur bei Ratten und in Zellen gezeigt [4].
Senkt Blutzucker und HbA1c
nur bei Kranken belegtBei Typ-2-Diabetes sank HbA1c in einer großen placebokontrollierten Studie um 0,99 gegenüber 0,59 Prozentpunkten [8], in einer Metaanalyse um 0,73 Prozentpunkte [10]. Studien an Gesunden mit normalem Stoffwechsel wurden nicht gefunden.
Senkt Cholesterin und Triglyceride
nur bei Kranken belegtBei Fettstoffwechselstörungen kleine Senkung von LDL-Cholesterin (−0,46 mmol/l) und Triglyceriden (−0,34 mmol/l) in 18 placebokontrollierten Studien [11]; klinische Endpunkte fehlen, Daten bei Gesunden nicht gefunden.
Aktiviert AMPK und wirkt wie Metformin gegen das Altern
nicht untersuchtAMPK-Aktivierung über Hemmung der Atmungskette ist nur in Zellen und Nagern gezeigt [1][2]; Studien zu Alterung oder Lebensdauer beim Menschen wurden nicht gefunden.[1][2]
Wirkweise
Evidenzkarte: Berberin
In Fettzellen und Muskelzellen aktivierte Berberin die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) und förderte die Verlagerung des Glukosetransporters GLUT4; bei diabetischen db/db-Mäusen und fettreich gefütterten Ratten sanken Körpergewicht und Triglyceride, die Glukosetoleranz besserte sich [1]. Der Grund ist wahrscheinlich ein Energiemangel der Zelle: Berberin hemmt wie Metformin den Komplex I der Atmungskette, und die AMPK-Aktivierung hing weder von LKB1 noch von CaMKKβ ab [2]. Unabhängig davon stabilisiert Berberin in Leberzellen die mRNA des LDL-Rezeptors; in Hamstern stieg dessen mRNA 3,5-fach und das Protein 2,6-fach [3]. Bei Ratten verstärkte Berberin über fünf Wochen die glukosebedingte Freisetzung des Darmhormons GLP-1, in einer menschlichen L-Zell-Linie stieg die GLP-1-Abgabe konzentrationsabhängig [4]. Diese Tier- und Zelldaten sind die einzige Grundlage für den Vergleich mit Semaglutid, das selbst den GLP-1-Rezeptor aktiviert.
Oral gelangt Berberin kaum in den Kreislauf. Bei Ratten lag die absolute Bioverfügbarkeit bei 0,36 %; etwa die Hälfte passierte den Darm unverändert, die andere Hälfte wurde in der Darmwand abgebaut, und in der Leber war die Fläche unter der Kurve 70-fach höher als im Plasma [5]. Beim Menschen ist Berberrubin der wichtigste Metabolit im Plasma [6]. In einer Pilotstudie mit fünf jungen Männern erreichte Berberin nach Gabe von Berberin im Mittel nur 0,4 ng/ml; das Derivat Dihydroberberin führte zu höheren Berberinspiegeln, der Studienleiter berät einen Hersteller [7]. Die geringe Systemverfügbarkeit stützt die Hypothese, dass Berberin über den Darm wirkt: In einer placebokontrollierten Studie mit 409 neu diagnostizierten Menschen mit Typ-2-Diabetes sank HbA1c unter Berberin um 0,99 Prozentpunkte gegenüber 0,59 unter Placebo; Metagenom-Analysen verknüpften den Effekt mit einer gehemmten Umwandlung von Desoxycholsäure durch Ruminococcus bromii [8]. Das ist ein Zusammenhang innerhalb der Studie, kein Kausalnachweis.
Klinisch liegen viele, überwiegend chinesische Studien vor. In einer kleinen randomisierten Pilotstudie mit 36 neu diagnostizierten Menschen mit Typ-2-Diabetes senkte Berberin den Blutzucker ähnlich wie Metformin, HbA1c fiel von 9,5 % auf 7,5 %; insgesamt hatten 20 Teilnehmende (34,5 %) vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden [9]. Eine Metaanalyse von 46 Studien fand eine HbA1c-Senkung um 0,73 Prozentpunkte, oft als Zusatz zur Standardtherapie [10]. Eine Metaanalyse von 18 placebokontrollierten Studien mit 1788 Personen mit Fettstoffwechselstörungen ergab LDL-Cholesterin −0,46 mmol/l und Triglyceride −0,34 mmol/l, 83 % der Studien stammten aus China und Hongkong [11]. Beim Körpergewicht betrug der gepoolte Unterschied −0,88 kg (23 Arbeiten); die Autoren bemängeln fehlende Verblindung und unzureichende Angaben zu den Präparaten [12]. Zum Vergleich: Semaglutid senkte das Gewicht in der Zulassungsstudie STEP 1 über 68 Wochen um 14,9 % gegenüber 2,4 % unter Placebo, also 12,7 kg mehr [13]. Ein direkter Vergleich beider Substanzen wurde nicht gefunden.
Berberin ist pharmakologisch nicht harmlos. Bei 18 gesunden Männern hemmte es nach zwei Wochen CYP2D6 (Verhältnis Dextromethorphan zu Dextrorphan 9-fach erhöht), CYP2C9 (Verhältnis Losartan zu E-3174 verdoppelt) und CYP3A4 (Midazolam-Fläche unter der Kurve um 40 % erhöht) [14]. Im Labor verdrängt Berberin Bilirubin rund zehnmal stärker von Albumin als Phenylbutazon, bei Ratten stieg das freie Bilirubin; der Autor rät von berberinreichen Präparaten bei Neugeborenen mit Gelbsucht und in der Schwangerschaft ab [15].
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Nährstoffe da: mTORC1 an · AMPK niedrig · Autophagie auf Grundniveau · seneszente Zellen leben
- AMPK
- niedrigviel ATP
- mTORC1
- anAminosäuren da
- Autophagie
- GrundniveaumTORC1 bremst
- Seneszente Zellen
- leben, SASPÜberlebensnetz aktiv
FKBP12–Sirolimus an der FRB-Domäne · mTORC1 gehemmt · AMPK und Autophagie: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- gehemmtZellkultur · Maus
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
FKBP12–Everolimus an der FRB-Domäne · mTORC1 gehemmt · in vitro schwächer als Sirolimus
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- gehemmtFachinfo · in vitro
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMPK an · über AMP? umstritten · Glukoseabgabe der Leber sinkt
- AMPK
- anRattenleberzellen · RCT
- mTORC1
- Anstieg tendenziell ↓RCT, Muskel nach Training
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMPK an (Zellkultur) · AMP-Anstieg nicht gezeigt
- AMPK
- anZellkultur
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMP steigt · AMPK an (Zellkultur, Mausleber)
- AMPK
- anZellkultur · Mausleber
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
AMPK im Muskel: in einer RCT an, in einer anderen unverändert · Ergebnis uneinheitlich
- AMPK
- uneinheitlich2 RCTs, gegensätzlich
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Folatzyklus und Purin-Neusynthese gehemmt · AMPK an (Maus, Zellen) · Komplex I: nicht gemessen
- AMPK
- anMaus · Zellkultur
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Autophagie und Mitophagie häufiger (Mäuseherz) · AMPK und mTORC1: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- häufigerMäuseherz
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Mitophagie häufiger (Wurm, Nager) · AMPK und mTORC1: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- Mitophagie ↑Wurm · Nager
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Präadipozyte stirbt (Zellkultur) · Endothelzelle bleibt · p16 im Herz ↓ (Maus)
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- Präadipozyten sterbenZellkultur; Maus: p16 ↓
Endothelzelle stirbt (Zellkultur) · Präadipozyte bleibt · Seneszenzmarker ↓ (Maus)
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- Endothelzellen sterbenZellkultur; Maus: Marker ↓
Endothelzelle stirbt (v. a., Zellkultur) · Präadipozyte bleibt weitgehend
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- v. a. EndothelZellkultur
ATP AMP Aminosäuren SASP mTORC1-Hemmer AMPK-Aktivatoren Autophagie Senolytika Teilchen illustrativ
Normalzustand
Berberin
Links der Normalzustand, rechts derselbe Schnitt mit dem gewählten Wirkstoff. Teilchenflüsse und Schalterstellungen sind Ausgaben dieser Abbildung, keine Messungen: Sie zeigen nur die Richtung eines Befunds, nicht sein Ausmaß, und Befunde aus Zellkultur, Tier und Mensch stehen nebeneinander.
Berberin aktivierte in Fett- und Muskelzellen die AMPK und förderte die Verlagerung von GLUT4 [20]. Als Ursache gilt die Atmungskette: Berberin hemmte in Muskelzellen und isolierten Muskelmitochondrien Komplex I, und die AMPK-Aktivierung hing weder von LKB1 noch von CaMKKβ ab (Zellkultur) [21]. Einen Anstieg von AMP nennen die Quellen des Profils nicht; die Figur zeigt ihn deshalb nicht. Ob genug Berberin die Zellen erreicht, ist fraglich: Bei Ratten lag die absolute orale Bioverfügbarkeit bei 0,36 %, die Fläche unter der Kurve war in der Leber 70-fach höher als im Plasma [22]. Lebensdauerdaten gibt es nicht.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- AICAR: nicht gezeichnet
- Calcium-Alpha-Ketoglutarat: Daten widersprüchlich: TOR-abhängige Lebensverlängerung nur beim Wurm, bei Mäusen keine mTORC1-Hemmung
- Epitalon: Angriffspunkt Telomerase (hTERT), in dieser Abbildung nicht gezeichnet
- Noopept: Angriffspunkt HIF/PHD2, ein anderer Wirkort
- Pentadecansäure (C15:0): nur Herstellerangaben
- Pinealon: Befund an Caspase-3 und p53, in dieser Abbildung nicht gezeichnet
- Sulforaphan: Befund an der Glukoneogenese (Zellen, Tiere; beim Menschen nur Blutzucker in einer Untergruppe), im Profil kein Angriffspunkt an AMPK oder mTOR
- Tauroursodesoxycholsäure (TUDCA): wirkt als Chaperon am endoplasmatischen Retikulum, ein anderer Wirkort
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) | Signalweg | Aktivator | indirekt, unabhängig von LKB1 und CaMKKβ (Zellkultur) | Labor[1][2] |
| Atmungskette Komplex I | Enzym | Hemmer | dosisabhängig (L6-Myotuben, Muskelmitochondrien) | Labor[2] |
| LDL-Rezeptor (mRNA-Stabilisierung) | Rezeptor | Expression ↑ | Leber-mRNA 3,5-fach, Protein 2,6-fach (Hamster) | Tierversuch[3] |
| GLP-1-Freisetzung aus L-Zellen | Hormonachse | Freisetzung | Tierversuch[4] | |
| CYP2D6 | Enzym | Hemmer | Dextromethorphan/Dextrorphan im Urin 9-fach (Mensch) | Mensch, randomisiert[14] |
| CYP2C9 | Enzym | Hemmer | Losartan/E-3174 verdoppelt (Mensch) | Mensch, randomisiert[14] |
| CYP3A4 | Enzym | Hemmer | Midazolam-AUC +40 %, Clearance −27 % (Mensch) | Mensch, randomisiert[14] |
| Bilirubin-Bindungsstelle von Albumin | Sonstiges | Bindung | Verdrängung etwa 10-fach stärker als Phenylbutazon (in vitro) | Tierversuch[15] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechselhemmt Komplex I der Atmungskette und aktiviert dadurch AMPK (Zellkultur)[1][2]
- Insulin · GlukoseHbA1c und Nüchternglukose bei Typ-2-Diabetes gesenkt (RCTs, Metaanalyse); bei Gesunden nicht belegt[8][9][10]
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Berberin (Chlorid oder Hydrochlorid)
≈ 0,36 % absolut (Ratte)Starker Abbau schon in der Darmwand, Anreicherung in der Leber [5]. Beim Menschen sehr niedrige Plasmaspiegel (im Mittel 0,4 ng/ml bei fünf Männern) [7]; Hauptmetabolit im Plasma ist Berberrubin [6].
Mensch, nicht randomisiert
Oral (geschluckt) · Dihydroberberin
höhere Berberinspiegel als nach Berberin (Pilotstudie, 5 Personen)Randomisierte Überkreuz-Pilotstudie ohne Effekt auf Glukose oder Insulin; der Studienleiter ist bezahlter Berater eines Herstellers [7]. Bei Nagern bessere Wirksamkeit, vermutlich durch höhere Bioverfügbarkeit [2].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
PREMOTE: Berberin und Probiotika bei Typ-2-Diabetes
Gemessen: HbA1c
Ergebnis: Berberin allein −0,99 Prozentpunkte, Placebo −0,59; mehr Magen-Darm-Nebenwirkungen.[8]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse Typ-2-Diabetes
Gemessen: HbA1c, Nüchternglukose, Blutfette
Ergebnis: 46 Studien; HbA1c −0,73 Prozentpunkte (95-%-KI −0,97 bis −0,51), häufig als Zusatztherapie.[10]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse Fettstoffwechselstörungen
Gemessen: LDL-C, Triglyceride, HDL-C, ApoB
Ergebnis: LDL-C −0,46 mmol/l, Triglyceride −0,34 mmol/l; Magen-Darm-Beschwerden tendenziell häufiger.[11]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse Körpergewicht
Gemessen: Gewicht, BMI, Taillenumfang
Ergebnis: 23 Arbeiten; Gewicht −0,88 kg (95-%-KI −1,36 bis −0,39), BMI −0,48 kg/m².[12]
Mensch, randomisiert
Pilotstudie gegen Metformin
Gemessen: HbA1c, Nüchtern- und postprandiale Glukose
Ergebnis: Teilstudie A (36): ähnlich wie Metformin, HbA1c 9,5 % auf 7,5 %; 34,5 % vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden.[9]
Mensch, randomisiert
CYP-Hemmung bei Gesunden
Gemessen: Aktivität von CYP3A4, 2C19, 2D6, 2C9, 1A2 (Testsubstanzen)
Ergebnis: CYP2D6, 2C9 und 3A4 gehemmt; 17 Personen beendeten die Studie.[14]
Mensch, randomisiert
Plasmaspiegel Berberin vs. Dihydroberberin
Gemessen: Berberin im Plasma, Glukose, Insulin
Ergebnis: Berberin-Cmax nach Berberin 0,4 ng/ml, nach Dihydroberberin höher; Glukose und Insulin unverändert.[7]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Magen-Darm-Beschwerden
Vorübergehende Beschwerden bei 34,5 % in einer Pilotstudie [9], häufiger als unter Placebo in einer großen RCT [8] und tendenziell in einer Metaanalyse (2–23 % gegenüber 2–15 %) [11].
Mensch, randomisiert
Hemmung von CYP-Enzymen
Nach zwei Wochen gehemmte Aktivität von CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4 bei Gesunden; Spiegel von Arzneimitteln, die über diese Enzyme abgebaut werden, können steigen [14].
Mensch, randomisiert
Neugeborene und Schwangerschaft
Verdrängt Bilirubin von Albumin (in vitro) und erhöhte bei Ratten das freie Bilirubin; berberinhaltige Heilpflanzen wurden mit Kernikterus bei Neugeborenen in Verbindung gebracht [15].
Tierversuch
Wechselwirkungen
- Substrate von CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4 (z. B. Dextromethorphan, Losartan, Midazolam): Erhöhte Spiegel bzw. verminderter Abbau der Testsubstanzen nach zwei Wochen Berberin [14].
- Metformin und andere Blutzuckersenker: Ähnliche Glukosesenkung wie Metformin in einer Pilotstudie [9] und Wirkung über denselben Angriffspunkt (Komplex I) in Zellen [2]; Studien zur Kombination und zum Unterzuckerungsrisiko wurden nicht geprüft.
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- widerlegt
„Berberin ist das „Ozempic der Natur““
Gepoolter Gewichtsverlust −0,88 kg [12] gegenüber 12,7 kg Mehrverlust unter Semaglutid in STEP 1 [13]; ein GLP-1-Effekt ist nur bei Ratten und in Zellen gezeigt [4]. Kein direkter Vergleich, aber die Größenordnungen liegen mehr als zehnfach auseinander.
- teilweise belegt
„Berberin senkt den Blutzucker so stark wie Metformin“
In einer kleinen randomisierten Pilotstudie mit 36 Personen ähnlich wirksam [9]; HbA1c-Senkung in Metaanalyse und großer RCT bestätigt [8][10], aber nur bei Typ-2-Diabetes und ohne große Vergleichsstudien.
- teilweise belegt
„Berberin aktiviert AMPK“
In Zellen und Nagern gezeigt, wohl indirekt über Hemmung der Atmungskette [1][2]; im menschlichen Gewebe nicht nachgewiesen.
- teilweise belegt
„Berberin wirkt vor allem über die Darmflora“
Geringe Bioverfügbarkeit [5] und Metagenom-Befunde in einer großen RCT [8] stützen die Hypothese; ein Kausalnachweis beim Menschen fehlt.
- widerlegt
„Als Naturstoff hat Berberin keine Wechselwirkungen“
Hemmt beim Menschen CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4 [14] und verdrängt Bilirubin von Albumin [15].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Sehr gering; absolute Bioverfügbarkeit 0,36 % bei Ratten, Plasmaspiegel beim Menschen im Bereich weniger ng/ml oder darunter [5][7].
- Halbwertszeit
- Nicht verifiziert.
- Abbau
- Ausgeprägter Abbau in der Darmwand (Ratte) [5]; beim Menschen ist Berberrubin der wichtigste Plasmametabolit [6].
- Weg ins Gehirn
- Nicht verifiziert.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verifiziert.
- EU
- Nicht verifiziert.
- USA
- Nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Laut einer Metaanalyse als Nahrungsergänzungsmittel oder rezeptfreies Arzneimittel leicht erhältlich [11]; Zulassungsstatus nicht geprüft.
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Welche Effekte hat Berberin bei Menschen ohne Stoffwechselerkrankung?
- Wie robust sind die Ergebnisse, wenn nur verblindete, präregistrierte Studien außerhalb Chinas betrachtet werden?
- Ist der Darm (Mikrobiom, Gallensäuren) tatsächlich der Hauptwirkort?
- Senkt Berberin klinische Endpunkte wie Herzinfarkt oder diabetische Folgeschäden?
Referenzen
- Lee YS, Kim WS, Kim KH, Yoon MJ, Cho HJ, Shen Y, et al. Berberine, a natural plant product, activates AMP-activated protein kinase with beneficial metabolic effects in diabetic and insulin-resistant states. Diabetes. 2006;55(8):2256–64. doi:10.2337/db06-0006 · PubMed
- Turner N, Li JY, Gosby A, To SW, Cheng Z, Miyoshi H, et al. Berberine and its more biologically available derivative, dihydroberberine, inhibit mitochondrial respiratory complex I: a mechanism for the action of berberine to activate AMP-activated protein kinase and improve insulin action. Diabetes. 2008;57(5):1414–8. doi:10.2337/db07-1552 · PubMed
- Kong W, Wei J, Abidi P, Lin M, Inaba S, Li C, et al. Berberine is a novel cholesterol-lowering drug working through a unique mechanism distinct from statins. Nat Med. 2004;10(12):1344–51. doi:10.1038/nm1135 · PubMed
- Yu Y, Liu L, Wang X, Liu X, Liu X, Xie L, et al. Modulation of glucagon-like peptide-1 release by berberine: in vivo and in vitro studies. Biochem Pharmacol. 2010;79(7):1000–6. doi:10.1016/j.bcp.2009.11.017 · PubMed
- Liu YT, Hao HP, Xie HG, Lai L, Wang Q, Liu CX, et al. Extensive intestinal first-pass elimination and predominant hepatic distribution of berberine explain its low plasma levels in rats. Drug Metab Dispos. 2010;38(10):1779–84. doi:10.1124/dmd.110.033936 · PubMed
- Spinozzi S, Colliva C, Camborata C, Roberti M, Ianni C, Neri F, et al. Berberine and its metabolites: relationship between physicochemical properties and plasma levels after administration to human subjects. J Nat Prod. 2014;77(4):766–72. doi:10.1021/np400607k · PubMed
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- Elahi Vahed I, Shahir-Roudi E, Nojumi S, Golmohammadi S, Moradi Shahrebabak M, Sharafi Tafreshi Moghadam N, et al. The effect of berberine on obesity indices: a systematic review and meta-analysis. Int J Obes (Lond). 2026;50(1):53–73. doi:10.1038/s41366-025-01943-x · PubMed
- Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, Davies M, Van Gaal LF, Lingvay I, et al. Once-weekly semaglutide in adults with overweight or obesity. N Engl J Med. 2021;384(11):989–1002. doi:10.1056/NEJMoa2032183 · PubMed
- Guo Y, Chen Y, Tan ZR, Klaassen CD, Zhou HH. Repeated administration of berberine inhibits cytochromes P450 in humans. Eur J Clin Pharmacol. 2012;68(2):213–7. doi:10.1007/s00228-011-1108-2 · PubMed
- Chan E. Displacement of bilirubin from albumin by berberine. Biol Neonate. 1993;63(4):201–8. doi:10.1159/000243932 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle Abstracts über PubMed gelesen; DOIs und PMIDs über PubMed-Esummary abgeglichen.
- Am Abstract: AMPK, GLUT4, db/db-Mäuse und Ratten [1]; Komplex I, unabhängig von LKB1/CaMKKβ [2]; LDLR-mRNA 3,5-fach, Protein 2,6-fach, 32 Patienten [3]; GLP-1 bei Ratten und NCI-H716 [4]; 0,36 %, Leber/Plasma 70-fach [5]; Berberrubin [6]; n = 5, Cmax 0,4 ng/ml, Interessenkonflikt NNB Nutrition [7]; n = 409, −0,99 vs. −0,59, R. bromii [8]; n = 36 und 48, HbA1c 9,5 auf 7,5 %, 34,5 % Magen-Darm [9]; 46 Studien, −0,73 [10]; 18 Studien, 1788 Personen, LDL −0,46, TG −0,34, 83 % China/Hongkong [11]; 23 Arbeiten, −0,88 kg [12]; STEP 1 −14,9 vs. −2,4 %, −12,7 kg [13]; CYP2D6 9-fach, 2C9 doppelt, Midazolam-AUC +40 % [14]; Bilirubin-Verdrängung, Rat bei Neugeborenen und Schwangeren [15].
- Im Volltext (PMC4898966): 18 gesunde chinesische Männer, 17 beendeten die Studie [14].
- ClinicalTrials.gov: 134 Einträge zu „berberine“ (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Rechtlicher Status in Deutschland, der EU und den USA.
- Absolute Bioverfügbarkeit und Halbwertszeit beim Menschen.
- Zusammensetzung der Populationen in der Gewichts-Metaanalyse [12] (nur Abstract gelesen).
- Ob Kernikterus-Fälle bei Neugeborenen kausal belegt sind (nur als Bericht im Abstract von [15] erwähnt).
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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