Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Bessere geistige Leistung bei Gesunden

    Verschlechterung

    Kognition & Fokus · gesund · Mensch, randomisiert

    In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit gesunden Männern verschlechterte Baclofen den Abruf im Arbeitsgedächtnistest (Operation Span) und verursachte Schläfrigkeit und Konzentrationsprobleme [16]. In einer zweiten kleinen Studie (13 Gesunde, Design im Abstract nicht als randomisiert beschrieben) verbesserte es weder Leistung noch Gedächtniskonsolidierung [8]. Beide Studien sind klein; Fallzahlen der ersten stehen nicht im Abstract.

  • Hilft gegen Alkoholabhängigkeit

    kleiner Nutzen

    Stimmung & Stress · Patienten: Alkoholabhängigkeit · Mensch, randomisiert

    Cochrane-Übersicht (17 RCTs, 1818 Teilnehmende): Rückfallrisiko RR 0,87 (95-%-KI 0,77–0,99), mehr abstinente Tage, vor allem nach Entgiftung; kein Effekt auf starkes Trinken und Verlangen [11]. ALPADIR ohne Effekt auf Abstinenz [12], Bacloville mit mehr Erfolg bei der Konsumreduktion, aber mehr schweren unerwünschten Ereignissen [13].

  • Tieferer und längerer Schlaf

    nur bei künstlichem Defizit geprüft

    Schlaf · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Eine kleine placebokontrollierte Überkreuzstudie und eine weitere kleine Laborstudie mit Gesunden zeigen mehr Gesamtschlaf und Tiefschlaf, aber nur unter künstlich gestörtem Schlaf (vorverlegte Bettzeit bzw. Mittagsschlaf) [8][9]. Leistung und Gedächtnis am Folgetag besserten sich nicht [8]; die Atmung im Schlaf wurde in einem Hypoxiemodell unregelmäßiger [10]. Beleg für „kleine Studien“: 13 [8], 20 [9] und 14 Randomisierte, davon 9 ausgewertet [10].

  • Wirkt angstlösend

    kein Nutzen

    Stimmung & Stress · Patienten: Alkoholabhängigkeit · Mensch, randomisiert

    In der Cochrane-Übersicht kein Unterschied zu Placebo bei Angst (MD −0,01; 15 Studien, 1123 Teilnehmende) und Depression [11]. Bei Gesunden ist Angst als Endpunkt nicht untersucht.

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Baclofen

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Baclofen ist ein GABA-Abkömmling mit einem 4-Chlorphenyl-Ring und unterscheidet sich von Phenibut nur durch das Chloratom. Mit (−)-Baclofen wurde 1980 ein neuer GABA-Rezeptor beschrieben: In Gewebe des Säugetiergehirns senkte es die Freisetzung von Neurotransmittern über einen bis dahin unbekannten GABA-Rezeptor [1]. Dieser GABA-B-Rezeptor ist G-Protein-gekoppelt und dämpft Nervenzellen über Ionenkanäle, die Transmitterfreisetzung und die Adenylatcyclase. Er funktioniert nur als Heterodimer aus den Untereinheiten GABA-B1 und GABA-B2: Erst beide zusammen öffnen in Zellkultur Kaliumkanäle vom Kir3-Typ wirksam, und im Komplex binden Agonisten deutlich stärker [2]. Wirksam ist das R-Enantiomer (Arbaclofen); beim Menschen wird nur S-Baclofen stereoselektiv zu einem Desaminierungsprodukt abgebaut [3].

In zwei randomisierten Überkreuzstudien mit Gesunden lag die orale Bioverfügbarkeit bei 74 % bzw. etwa 80 %, die Halbwertszeit bei rund 5 Stunden [4][5]. Die Ausscheidung hängt von der Niere ab: Mit schlechterer Nierenfunktion stiegen Fläche unter der Kurve und Halbwertszeit, die Clearance sank [6].

Bei gesunden Männern steigerte eine hohe Einzelgabe gegenüber Placebo das subjektive Rauschgefühl und das Wachstumshormon im Plasma; bei abstinenten Alkoholabhängigen waren beide Effekte trotz gleicher Blutspiegel abgeschwächt, was die Autoren als geringere GABA-B-Empfindlichkeit deuten [7]. Im Schlaflabor verlängerte Baclofen bei Gesunden die Gesamtschlafzeit und den Tiefschlaf, allerdings nur unter künstlich gestörtem Schlaf [8][9], verbesserte aber weder die Leistung am Folgetag noch die Gedächtniskonsolidierung [8]. In einem Hypoxiemodell machte es die Atmung im Schlaf unregelmäßiger statt stabiler [10].

Gegen Alkoholabhängigkeit fand die Cochrane-Übersicht von 2023 (17 RCTs, 1818 Teilnehmende) ein etwas geringeres Rückfallrisiko (RR 0,87) und rund 9 Prozentpunkte mehr abstinente Tage, aber keinen Effekt auf Tage mit starkem Trinken, Verlangen, Angst oder Depression [11]. Die beiden großen französischen Studien mit hohen Mengen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen: ALPADIR verfehlte den Hauptendpunkt Abstinenz [12], Bacloville zeigte mehr Erfolg bei der Konsumreduktion, aber auch mehr schwere unerwünschte Ereignisse [13].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Querschnitt durch eine GABAerge Synapse, nicht maßstabsgetreu; unten die Aufsicht des GABA-A-Rezeptors α1β2γ2 mit seinen Bindungsstellen. Teilchenzahlen, Öffnungsdauern, Geschwindigkeiten und die Balken der Live-Anzeige sind Ausgaben eines illustrativen Modells, keine Messungen. Die Lage der Stellen in der Seitenansicht ist schematisch; die Grenzflächen zeigt die Aufsicht.
Wirkstoff
Ansicht

GABA  Cl⁻  K⁺  Wirkstoff (Form je Stelle)  Ringe = Bindungsstellen

Mit Baclofen wurde 1980 der GABA-B-Rezeptor entdeckt: Es senkte im Hirngewebe die Freisetzung von Neurotransmittern [24]. Der Rezeptor ist ein Heterodimer aus GABA-B1 und GABA-B2; erst beide zusammen öffnen Kir3-Kaliumkanäle wirksam [25]. Agonisten binden in der Spalte der Venusfliegenfallen-Domäne von B1, und nur B1 schließt sich dabei [26]. Postsynaptisch erzeugt der Rezeptor über GIRK-Kanäle einen auswärts gerichteten Kaliumstrom, präsynaptisch hemmt er ohne GIRK [28]; den Kanal öffnen die βγ-Untereinheiten des G-Proteins [29]. Bindungsaffinität im Rattenhirn: 6 µM [31].

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

  • Ashwagandha: Extrakt; partieller Agonist nur in Froscheizellen, Bindungsstelle offen
  • Cortexin: nur ein Bindungsscreening
  • Fasoracetam: nur veränderte Rezeptorexpression
  • IDRA-21: GABA-Ströme nur in Zellkultur verstärkt; vor allem AMPA-Modulator
  • Magnesiumglycinat: betrifft nur den Glycinanteil; Beleg nur eine Übersicht zu Glycin
  • Nefiracetam: Affinität nur laut einer Übersicht
  • Selank: Bindungsstelle ungeklärt

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
GABA-B-Rezeptor (Heterodimer GABA-B1/GABA-B2)RezeptorAgonistSenkt die Transmitterfreisetzung im Hirngewebe; Agonistenbindung im Heterodimer stärker als an einzelnen Untereinheiten Labor[1][2]
Kir3-Kaliumkanäle (GIRK)IonenkanalAktivatorindirekt über den GABA-B-Heterodimer (Zellkultur) Labor[2]
Wachstumshormon-FreisetzungHormonachseFreisetzungGH im Plasma gegenüber Placebo erhöht (gesunde Männer, doppelblind) Mensch, randomisiert[7]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABA↑ · Agonist am GABA-B-Rezeptor (Gewebe, Zellkultur); beim Menschen GABA-B-typische Effekte wie Sedierung, mehr Tiefschlaf und Wachstumshormonanstieg in placebokontrollierten Studien[1][2][7][9]
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Tablette

    74 % bzw. ≈ 80 % (Gesunde)

    Zwei randomisierte, offene Überkreuzstudien mit Gesunden (12 bzw. 36 Personen) im Vergleich zur intravenösen Gabe [4][5]. Die Spiegel steigen bei eingeschränkter Nierenfunktion deutlich an [6].[4][5]

    Mensch, randomisiert

  • Intravenös · Infusion (in Studien)

    Bisher nur in Studien geprüft, etwa als Überbrückung bei unterbrochener Einnahme; höhere Spitzenspiegel und häufiger vorübergehender Nystagmus (13 von 36 gegenüber 4 von 36 nach oraler Gabe) [5].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Cochrane-Übersicht Alkoholabhängigkeit

    systematisches Review und Metaanalyse von RCTs · Patienten: Alkoholabhängigkeit · n = 1818 · meist 12 Wochen

    Gemessen: Rückfall, abstinente Tage, starkes Trinken, Verlangen, Angst

    Ergebnis: Rückfall RR 0,87 (0,77–0,99), abstinente Tage +9,07 Prozentpunkte; kein Effekt auf starkes Trinken, Verlangen, Angst, Depression; mehr Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit.[11]

    Mensch, randomisiert

  • ALPADIR

    RCT, placebokontrolliert, multizentrisch · Patienten: Alkoholabhängigkeit nach Entgiftung · n = 320 · rund 26 Wochen

    Gemessen: durchgehende Abstinenz über 20 Wochen

    Ergebnis: Abstinenz 11,9 % gegenüber 10,5 % (nicht signifikant); Verlangen (OCDS) gesenkt; Konsumreduktion nicht signifikant.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Bacloville

    pragmatische RCT, doppelblind, 62 Hausarztzentren · Patienten: hoher Alkoholkonsum · n = 320 · 12 Monate

    Gemessen: risikoarmer Konsum im letzten Monat

    Ergebnis: Erfolg 57 % gegenüber 36 %; ohne Wertung der Wechsler als Versagen 62 % gegenüber 55 % (nicht signifikant); schwere unerwünschte Ereignisse bei 85 gegenüber 36 Personen (7 gegenüber 3 Todesfälle).[13]

    Mensch, randomisiert

  • Arbeitsgedächtnis und Schläfrigkeit

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Messwiederholung · gesund (Männer) · Einzelgaben

    Gemessen: Vigilanz, Arbeitsgedächtnis, Schläfrigkeit

    Ergebnis: Schlechterer Buchstabenabruf im Operation-Span-Test; Schläfrigkeit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Konzentrationsprobleme.[16]

    Mensch, randomisiert

  • Modell vorübergehender Schlaflosigkeit

    randomisiert, placebokontrolliert, Überkreuz · gesund · n = 20 · Einzelgabe je Nacht

    Gemessen: Polysomnografie, subjektiver Schlaf

    Ergebnis: Mehr Gesamtschlaf, höhere Schlafeffizienz, mehr Tiefschlaf, weniger Wachzeit; Einschlafzeit unverändert.[9]

    Mensch, randomisiert

  • Natriumoxybat und Baclofen im Schlaflabor

    kontrollierter Vergleich mit Natriumoxybat; Placebo und Randomisierung im Abstract nicht genannt · gesund · n = 13 · Einzelgaben

    Gemessen: Schlaf-EEG, Leistung, Gedächtnis

    Ergebnis: Kürzere Einschlafzeit, mehr Tiefschlaf; keine bessere Leistung oder Gedächtniskonsolidierung; häufiger Einschlaf-REM-Phasen.[8]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Pharmakodynamik bei Gesunden und Alkoholabhängigen

    Überkreuz, bei Gesunden randomisiert und doppelblind · gesund (Männer) und abstinente Alkoholabhängige · n = 20 · Einzelgaben

    Gemessen: Blutspiegel, subjektives Rauschgefühl, Wachstumshormon

    Ergebnis: Bei Gesunden Rauschgefühl und GH erhöht; bei Alkoholabhängigen abgeschwächt bei gleicher Kinetik.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Atmung im Schlaf unter Hypoxie

    RCT, doppelblind, Überkreuz · gesund (mit periodischer Atmung unter Hypoxie) · n = 9 · mehrere Tage

    Gemessen: Variabilität der Atemzyklen

    Ergebnis: Atemvariabilität im Leichtschlaf erhöht (Median 85 % gegenüber 56 %).[10]

    Mensch, randomisiert

  • Französische Kassendaten

    Kohortenstudie · Patienten: Alkoholprobleme, 18–70 Jahre · n = 165334 · 2009–2015

    Gemessen: Krankenhausaufnahme, Tod

    Ergebnis: Gegenüber zugelassenen Mitteln HR 1,13 für Krankenhausaufnahme und 1,31 für Tod, bei hohen Mengen 1,46 bzw. 2,27.[17]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Vergiftung

    Systematisches Review (1618 Personen aus Fallberichten und retrospektiven Studien): bei Vergiftung vor allem Dämpfung des Zentralnervensystems (68 %), Krampfanfälle (36 %) und Atemdepression (21 %); in den Fallberichten wurde rund die Hälfte maschinell beatmet. Die Sterblichkeit lag in den Kohorten meist bei 0–4 % [18].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Entzugssyndrom

    Nach abruptem Absetzen innerhalb von 1–4 Tagen Delir, Unruhe, vegetative Instabilität und schwere psychiatrische Symptome; erneute Gabe beendete die Symptome [18]. Bei Gabe über eine Pumpe in den Rückenmarkskanal (intrathekal) ist das Risiko höher als bei Tabletten [14].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Mehr Krankenhausaufnahmen und Todesfälle bei hohen Mengen

    In französischen Kassendaten (165 334 Personen, öffentlich finanziert) war Baclofen gegenüber zugelassenen Alkoholmedikamenten mit mehr Krankenhausaufnahmen und Todesfällen verbunden, dosisabhängig bis HR 2,27 für Tod [17]. Als Beobachtungsstudie belegt das keinen ursächlichen Zusammenhang; in Bacloville gab es unter Baclofen mehr schwere unerwünschte Ereignisse [13].

    Mensch, randomisiert

  • Häufige Nebenwirkungen

    Gegenüber Placebo mehr Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Missempfindungen und Muskelsteifigkeit [11]; bei Gesunden Konzentrationsprobleme und verschwommenes Sehen [16].

    Mensch, randomisiert

  • Atmung im Schlaf

    Bei Gesunden mit hypoxiebedingter periodischer Atmung nahm die Atemvariabilität zu; die Autoren raten von Baclofen bei Risiko für periodische Atmung ab [10].

    Mensch, randomisiert

  • Niereninsuffizienz

    Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigen Spiegel und Halbwertszeit; die Autoren leiten deutliche Mengenanpassungen ab [6].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Missbrauchspotenzial

    Gesunde berichteten nach einer hohen Einzelgabe ein Rauschgefühl [7]. Daten zu Abhängigkeit im engeren Sinn wurden hier nicht geprüft.

    Mensch, randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • widerlegt

    „Baclofen schärft Fokus und Gedächtnis“

    In einer placebokontrollierten Studie verschlechterte es den Abruf im Arbeitsgedächtnis und machte schläfrig [16]; in einer weiteren Studie keine Verbesserung von Leistung oder Gedächtnis [8].

  • nicht belegt

    „Baclofen löscht das Verlangen nach Alkohol“

    Über 17 RCTs gepoolt kein Effekt auf das Verlangen (SMD −0,16; 95-%-KI −0,37 bis 0,04) [11]; nur einzelne Studien wie ALPADIR fanden weniger Verlangen [12].

  • teilweise belegt

    „Baclofen verbessert den Schlaf“

    Mehr Tief- und Gesamtschlaf in zwei kleinen Studien mit künstlich gestörtem Schlaf [8][9]; kein Nutzen für Leistung am Folgetag, Atmung im Schlaf unregelmäßiger [8][10].

  • widerlegt

    „Baclofen lässt sich jederzeit problemlos absetzen“

    Abruptes Absetzen kann ein Entzugssyndrom mit Delir und vegetativer Instabilität auslösen [14][18].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Orale Bioverfügbarkeit 74 % bzw. etwa 80 % (Gesunde) [4][5].
Halbwertszeit
Etwa 5,2 Stunden bei Gesunden [5]; bei Niereninsuffizienz verlängert [6].
Abbau
Nur S-Baclofen wird nennenswert zu einem Desaminierungsprodukt abgebaut, das teils glucuronidiert wird [3]; die Ausscheidung hängt von der Nierenfunktion ab [6].
Weg ins Gehirn
Zentrale Effekte (Schlaf-EEG, Rauschgefühl, Wachstumshormon) beim Menschen belegt [7][8]; die Liquorkonzentration wurde hier nicht geprüft.

Rechtlicher Status

Deutschland
Verschreibungspflichtig als Arzneimittel (AMVV Anlage 1, Eintrag „Baclofen“) [19]. Als Arzneimittel gegen Spastik, etwa bei Multipler Sklerose und Rückenmarksverletzungen, eingesetzt [14]; deutsche Zulassungen (AMIce) nicht an einem Register geprüft.
EU
Frankreich hat Baclofen 2018 als bisher einziges Land für Alkoholabhängigkeit zugelassen, und zwar nur zur Verringerung des Konsums, nicht zur Abstinenz [15].
USA
Nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Wirkt Baclofen bei Alkoholabhängigkeit in bestimmten Gruppen (z. B. nach Entgiftung, bei Lebererkrankung) deutlich besser als im Durchschnitt?
  • Ist das in Kassendaten erhöhte Sterberisiko bei hohen Mengen ursächlich oder durch Unterschiede zwischen den Behandelten bedingt?
  • Wie stark ist das Abhängigkeitspotenzial bei Menschen ohne Spastik oder Alkoholerkrankung?

Referenzen

  1. Bowery NG, Hill DR, Hudson AL, Doble A, Middlemiss DN, Shaw J, et al. (-)Baclofen decreases neurotransmitter release in the mammalian CNS by an action at a novel GABA receptor. Nature. 1980;283(5742):92–4. doi:10.1038/283092a0 · PubMed
  2. Kaupmann K, Malitschek B, Schuler V, Heid J, Froestl W, Beck P, et al. GABA(B)-receptor subtypes assemble into functional heteromeric complexes. Nature. 1998;396(6712):683–7. doi:10.1038/25360 · PubMed
  3. Sanchez-Ponce R, Wang LQ, Lu W, von Hehn J, Cherubini M, Rush R. Metabolic and Pharmacokinetic Differentiation of STX209 and Racemic Baclofen in Humans. Metabolites. 2012;2(3):596–613. doi:10.3390/metabo2030596 · PubMed
  4. Agarwal SK, Kriel RL, Cloyd JC, Coles LD, Scherkenbach LA, Tobin MH, et al. A pilot study assessing pharmacokinetics and tolerability of oral and intravenous baclofen in healthy adult volunteers. J Child Neurol. 2015;30(1):37–41. doi:10.1177/0883073814535504 · PubMed
  5. Schmitz NS, Krach LE, Coles LD, Mishra U, Agarwal SK, Cloyd JC, et al. A Randomized Dose Escalation Study of Intravenous Baclofen in Healthy Volunteers: Clinical Tolerance and Pharmacokinetics. PM R. 2017;9(8):743–750. doi:10.1016/j.pmrj.2016.11.002 · PubMed
  6. Vlavonou R, Perreault MM, Barrière O, Shink E, Tremblay PO, Larouche R, et al. Pharmacokinetic characterization of baclofen in patients with chronic kidney disease: dose adjustment recommendations. J Clin Pharmacol. 2014;54(5):584–92. doi:10.1002/jcph.247 · PubMed
  7. Durant CF, Paterson LM, Turton S, Wilson SJ, Myers JFM, Muthukumaraswamy S, et al. Using Baclofen to Explore GABA-B Receptor Function in Alcohol Dependence: Insights From Pharmacokinetic and Pharmacodynamic Measures. Front Psychiatry. 2018;9:664. doi:10.3389/fpsyt.2018.00664 · PubMed
  8. Vienne J, Lecciso G, Constantinescu I, Schwartz S, Franken P, Heinzer R, et al. Differential effects of sodium oxybate and baclofen on EEG, sleep, neurobehavioral performance, and memory. Sleep. 2012;35(8):1071–83. doi:10.5665/sleep.1992 · PubMed
  9. Raad S, Wilkerson M, Jones KR, Orr WC. The effect of baclofen on objective and subjective sleep measures in a model of transient insomnia. Sleep Med. 2020;72:130–134. doi:10.1016/j.sleep.2020.03.028 · PubMed
  10. Straus C, Teulier M, Morel S, Wattiez N, Hajage D, Giboin C, et al. Baclofen destabilises breathing during sleep in healthy humans: A randomised, controlled, double-blind crossover trial. Br J Clin Pharmacol. 2021;87(4):1814–1823. doi:10.1111/bcp.14569 · PubMed
  11. Agabio R, Saulle R, Rösner S, Minozzi S. Baclofen for alcohol use disorder. Cochrane Database Syst Rev. 2023;1(1):CD012557. doi:10.1002/14651858.CD012557.pub3 · PubMed
  12. Reynaud M, Aubin HJ, Trinquet F, Zakine B, Dano C, Dematteis M, et al. A Randomized, Placebo-Controlled Study of High-Dose Baclofen in Alcohol-Dependent Patients-The ALPADIR Study. Alcohol Alcohol. 2017;52(4):439–446. doi:10.1093/alcalc/agx030 · PubMed
  13. Rigal L, Sidorkiewicz S, Tréluyer JM, Perrodeau E, Le Jeunne C, Porcher R, et al. Titrated baclofen for high-risk alcohol consumption: a randomized placebo-controlled trial in out-patients with 1-year follow-up. Addiction. 2020;115(7):1265–1276. doi:10.1111/add.14927 · PubMed
  14. Romito JW, Turner ER, Rosener JA, Coldiron L, Udipi A, Nohrn L, et al. Baclofen therapeutics, toxicity, and withdrawal: A narrative review. SAGE Open Med. 2021;9:20503121211022197. doi:10.1177/20503121211022197 · PubMed
  15. Rolland B, Karila L, Franchitto N, Barrault C, Naassila M. Should the French approval of baclofen for alcohol dependence be extended to abstinence maintenance? Encephale. 2025;51(3):335–337. doi:10.1016/j.encep.2024.05.001 · PubMed
  16. Weerts AP, Pattyn N, Van de Heyning PH, Wuyts FL. Evaluation of the effects of anti-motion sickness drugs on subjective sleepiness and cognitive performance of healthy males. J Psychopharmacol. 2014;28(7):655–64. doi:10.1177/0269881113516201 · PubMed
  17. Chaignot C, Zureik M, Rey G, Dray-Spira R, Coste J, Weill A. Risk of hospitalisation and death related to baclofen for alcohol use disorders: Comparison with nalmefene, acamprosate, and naltrexone in a cohort study of 165 334 patients between 2009 and 2015 in France. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2018;27(11):1239–1248. doi:10.1002/pds.4635 · PubMed
  18. Iqbal M, Modi P, Sehgal K, Costa GPA, Bhattacharya G, Nero N, et al. Clinical Presentations and Treatment of Baclofen Toxicity and Withdrawal: A Systematic Review. CNS Drugs. 2026;40(3):419–449. doi:10.1007/s40263-025-01254-9 · PubMed
  19. Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5). Stand: zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 19.5.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 26.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html (Eintrag „Baclofen“).
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • 26.10.2026 (Entscheidung n015, Prüfbericht E-20 Frage 14): `rx_referenz` gesetzt, `kategorie` bleibt Nootropikum. AMVV Anlage 1 im Volltext abgerufen (gesetze-im-internet.de, Stand: zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 19.5.2026, BGBl. 2026 I Nr. 149): Eintrag „Baclofen“ ohne Ausnahme oder Einschränkung [19]; die Verschreibungspflicht steht jetzt mit Beleg in status.deutschland. Die AMIce-Formel aus dem Prüfbericht wurde nicht übernommen, weil keine Dokumentanzeige eines Präparats mit Status „zugelassen“ oder „verlängert“ gelesen wurde (Prüfbericht, Methodik 1).
  • Alle Abstracts über PubMed gelesen; DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py über Crossref und PubMed aufgelöst.
  • Kernzahlen am Abstract: Bioverfügbarkeit 74 %, n = 12 [4]; ≈ 80 %, 3 × 12 Gesunde, t½ 5,24 h oral, Nystagmus 4/36 bzw. 13/36 [5]; AUC und t½ steigen mit CKD-Stadium [6]; Rauschgefühl und GH bei 12 Gesunden, abgeschwächt bei 8 Alkoholabhängigen [7]; n = 13 [8]; n = 20 [9]; n = 14 randomisiert, 9 ausgewertet, CoVar 56 % vs. 85 % [10]; 17 RCTs, 1818 Teilnehmende, RR 0,87, MD 9,07, Verlangen SMD −0,16, Angst MD −0,01 [11]; n = 320, 11,9 % vs. 10,5 % [12]; n = 320, 57 % vs. 36 %, SAE 85 vs. 36, Todesfälle 7 vs. 3 [13]; 1618 Personen, 68/36/21 %, Beatmung ≈ 54,5 %, Sterblichkeit 0–4 % [18]; n = 165 334, HR 1,13/1,31, hohe Mengen 1,46/2,27 [17]; französische Zulassung 2018 nur zur Konsumreduktion [15].
  • Im Volltext (PMC6282718): Autorinnen und Autoren der Kohortenstudie bei öffentlichen Einrichtungen, keine spezifische Finanzierung [17].
  • PubChem: CID 2284 (Racemat), CID 44602 (R-Enantiomer).
  • ClinicalTrials.gov: 193 Einträge zu „baclofen“ (23.10.2026).
  • Präzisions-Flags (m004; Regeln Leitfaden 26.10.2026; Teilnehmendenzahlen, Richtung und Finanzierung am 26.10.2026 per PubMed efetch an Abstract, COI-Angabe und Affiliationen geprüft): „Tieferer und längerer Schlaf“: kleine_studien – [8] 13, [9] 20, [10] 14 randomisiert/9 ausgewertet.
  • 26.10.2026, Gegenprüfung der Präzisions-Flags (m004): Belege für die gesetzten Flags zusätzlich in die begruendung übernommen („Beleg für …“, Leitfaden „Präzisions-Flags“); Zahlen und Angaben erneut per PubMed efetch (Abstract, Interessen- und Förderangaben, Affiliationen) geprüft: „Tieferer und längerer Schlaf“: [8] 13, [9] 20, [10] „n = 14“ randomisiert, „9 subjects“ ausgewertet.

Nicht verifiziert

  • Bowery 1980 [1] hat keinen Abstract; zitiert wird nur, was der Titel aussagt (Senkung der Transmitterfreisetzung über einen neuen GABA-Rezeptor).
  • Fallzahl der Arbeitsgedächtnis-Studie [16] steht nicht im Abstract.
  • Ob die Schlafstudie [8] randomisiert und placebokontrolliert war (Volltext nicht abrufbar); deshalb Evidenzstufe 3 für diese Studie.
  • Sponsor von ALPADIR [12] (vermutlich der Hersteller) und Finanzierung von Bacloville [13] und der Schlafstudie [9] nicht im Volltext geprüft.
  • Deutsche und US-amerikanische Zulassung sowie Dopingstatus nicht an einer Primärquelle geprüft; belegt ist die Verschreibungspflicht nach AMVV Anlage 1 [19].
  • Die Lancet-Studie bei Leberzirrhose (Addolorato 2007, PMID 18068515; 71 % vs. 29 % Abstinenz) wurde gelesen, aber nicht zitiert, weil sie in der Cochrane-Übersicht enthalten ist.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

Fehler gefunden oder etwas vermisst?

Wünsch dir einen Wirkstoff, schlag eine Verbesserung vor oder melde einen Fehler. Jede Rückmeldung wird gelesen.

Art der Nachricht

Die Website speichert nichts. Der Button öffnet dein E-Mail-Programm mit einer vorbereiteten Nachricht.