Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Verlängert das Leben, auch bei Gesunden
nicht untersuchtLebensverlängerung nur bei männlichen Mäusen im ITP, auch bei spätem Beginn [3][5]; bei Weibchen kein Effekt [3] bzw. bei spätem Beginn eine um 6 % kürzere Lebensdauer [5]. Beim Menschen gibt es keine Studie zur Lebensdauer und keine Studie an Gesunden mit klinischem Endpunkt. Der Nutzen bei Typ-2-Diabetes hebt diese Stufe nicht [7][8]. Nur Abstract geprüft.[7][8]
Schützt Herz und Nieren, auch ohne Diabetes
nicht untersuchtDie großen Canagliflozin-Studien schlossen nur Menschen mit Typ-2-Diabetes ein [7][8]. Studien bei Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung ohne Diabetes betreffen andere SGLT2-Hemmer und zählen nach der Wirkstoffregel nicht. Nur Abstract geprüft.[7][8]
Senkt Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Typ-2-Diabetes mit hohem Risiko
Nutzen belegtCANVAS: kombinierter Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall mit Hazard Ratio 0,86, aber fast doppelt so viele Amputationen [7]. Herstellerfinanziert (Janssen). Nur Abstract geprüft.
Bremst das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung
Nutzen belegtCREDENCE: Nierenversagen, Kreatininverdopplung oder renaler bzw. kardiovaskulärer Tod mit Hazard Ratio 0,70; Studie nach einer Zwischenanalyse vorzeitig beendet, herstellerfinanziert (Janssen) [8]. Bereich „Niere & Harnwege“, weil der kombinierte Endpunkt vor allem Nierenendpunkte enthält; der kardiovaskuläre Tod ist Teil davon. Nur Abstract geprüft.
vom Hersteller finanziert: Alle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.
Wirkweise
Evidenzkarte: Canagliflozin
SGLT2 resorbiert im proximalen Tubulus den größten Teil der filtrierten Glukose. Canagliflozin hemmt diesen Transporter, senkt die Nierenschwelle für Glukose und erhöht die Glukoseausscheidung im Urin; daraus folgen eine osmotische Diurese, ein leichter Blutdruckabfall und ein Kalorienverlust. Der Effekt ist unabhängig von Insulin. Canagliflozin ist außerdem ein schwacher Hemmer von SGLT1; laut Fachinformation trägt eine lokale Hemmung im Darm vor der Aufnahme möglicherweise zur stärkeren Senkung des Blutzuckers nach der Mahlzeit bei, ohne dass eine Glukose-Malabsorption gezeigt wurde [1]. Anders als Dapagliflozin und Empagliflozin aktivierte Canagliflozin in Zellkultur die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), indem es den Komplex I der Atmungskette hemmte und so AMP bzw. ADP erhöhte, bei Konzentrationen, wie sie im Plasma von Behandelten gemessen werden; bei Mäusen war AMPK in der Leber, nicht aber in Muskel, Fettgewebe oder Milz aktiviert [2].
Im Interventions Testing Program (ITP) des US National Institute on Aging verlängerte Canagliflozin im Futter ab einem Alter von sieben Monaten die mediane Lebensspanne männlicher, genetisch gemischter Mäuse um 14 % und das Alter bei 90 % Sterblichkeit um 9 %, an allen drei Standorten; bei weiblichen Tieren gab es keinen Effekt auf die Lebensdauer, obwohl Nüchternblutzucker und Glukosetoleranz in beiden Geschlechtern besser waren [3]. Die Autorinnen und Autoren erklären den Effekt mit gedämpften Blutzuckerspitzen, weil Acarbose über einen anderen Mechanismus ähnlich wirkt [3]. Bei 22 Monate alten Männchen fanden sich weniger Kardiomyopathie, Glomerulonephropathie, Arteriosklerose, Leberverfettung und Nebennierentumoren [4]. Mit Beginn erst im Alter von 16 Monaten verlängerte Canagliflozin die mediane Lebensdauer der Männchen wieder um 14 %, verkürzte die der Weibchen aber um 6 %; die Blutspiegel lagen bei alten Weibchen etwa 20-fach höher als bei jungen Männchen [5]. In einer japanischen Arbeit senkte Canagliflozin bei fettreich gefütterten Mäusen die Zahl seneszenter Zellen im viszeralen Fettgewebe, offenbar indirekt über eine bessere Immunabwehr gegen diese Zellen, und verlängerte die Lebensdauer vorzeitig alternder Mäuse; das Canagliflozin stellte die Firma Mitsubishi Tanabe Pharma, von der ein Autor Forschungsmittel und Vortragshonorare erhielt [6]. Alle diese Befunde sind Tierbefunde (Stufe 2); die Lebensdauer von Menschen wurde mit Canagliflozin nicht untersucht, und Studien an Gesunden mit klinischen Endpunkten gibt es nicht.
Beim Menschen ist der Nutzen nur bei Typ-2-Diabetes gezeigt. Im CANVAS-Programm (10 142 Menschen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko, im Mittel 188 Wochen) senkte Canagliflozin den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall (Hazard Ratio 0,86), verdoppelte aber nahezu das Risiko für Amputationen, vor allem an Zehen und Mittelfuß (Hazard Ratio 1,97) [7]. In CREDENCE (4401 Menschen mit Typ-2-Diabetes und albuminurischer Nierenerkrankung, vorzeitig beendet nach median 2,62 Jahren) sank der kombinierte Endpunkt aus Nierenversagen, Kreatininverdopplung und renalem oder kardiovaskulärem Tod um 30 % (Hazard Ratio 0,70); Amputationen und Frakturen unterschieden sich hier nicht [8]. Beide Studien finanzierte der Hersteller Janssen [7][8].
Die EMA führt die diabetische Ketoazidose, auch bei nur mäßig erhöhtem Blutzucker, als seltene, teils lebensbedrohliche Klassennebenwirkung [9]. Das Amputationsverfahren wurde 2016 zunächst nur für Canagliflozin eröffnet und dann auf die Klasse ausgeweitet; seitdem steht ein möglicher Klasseneffekt in den Fachinformationen [10]. Laut Fachinformation lag die Frakturrate in CANVAS unter Canagliflozin höher als unter Placebo, in CANVAS-R, CREDENCE und weiteren Studien dagegen nicht; dazu kommen Genitalpilzinfektionen, Volumenmangel und die Fournier-Gangrän als seltene Klassennebenwirkung [1]. Canagliflozin ist in Deutschland verschreibungspflichtig [11] und in der EU nur zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zentral zugelassen [12].
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Nährstoff aus der Nahrung gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte) Hemmstoff gebunden Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein
Normalzustand
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): Ausgangslage
Canagliflozin
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): etwas weniger
Beide Felder zeigen dieselbe Zelle, links ohne, rechts mit dem gewählten Wirkstoff. Wort und Balken unter den Feldern zeigen ohne Zahl nur die Richtung (z. B. weniger Glucose bei gehemmten Enzymen, mehr Aufnahmen, wenn der Wirkstoff selbst aufgenommen wird). Das Teilchenmodell ist illustrativ, keine Messung, und sagt nichts über das Ausmaß beim Menschen.
Canagliflozin hemmt vor allem SGLT2 in der Niere, ist aber auch ein schwacher Hemmer von SGLT1. Laut Fachinformation trägt eine lokale Hemmung im Darm möglicherweise zur stärkeren Senkung des Blutzuckers nach der Mahlzeit bei; eine Glukose-Malabsorption wurde nicht gezeigt [10]. Wie stark SGLT1 im Darm gehemmt wird, ist nicht beziffert; die Abbildung zeigt deshalb nur gelegentliches Binden und kein Kreuz, und fast alle Glucose wird weiter aufgenommen (Modell).
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- Magnesiumglycinat: Aufnahme über den Dipeptidweg im Profil nur vermutet
- Nicotinamidmononukleotid (NMN): vorgeschlagener Transporter Slc12a8 umstritten
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Nährstoffe da: mTORC1 an · AMPK niedrig · Autophagie auf Grundniveau · seneszente Zellen leben
- AMPK
- niedrigviel ATP
- mTORC1
- anAminosäuren da
- Autophagie
- GrundniveaumTORC1 bremst
- Seneszente Zellen
- leben, SASPÜberlebensnetz aktiv
FKBP12–Sirolimus an der FRB-Domäne · mTORC1 gehemmt · AMPK und Autophagie: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- gehemmtZellkultur · Maus
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
FKBP12–Everolimus an der FRB-Domäne · mTORC1 gehemmt · in vitro schwächer als Sirolimus
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- gehemmtFachinfo · in vitro
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMPK an · über AMP? umstritten · Glukoseabgabe der Leber sinkt
- AMPK
- anRattenleberzellen · RCT
- mTORC1
- Anstieg tendenziell ↓RCT, Muskel nach Training
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMPK an (Zellkultur) · AMP-Anstieg nicht gezeigt
- AMPK
- anZellkultur
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Komplex I gedämpft · AMP steigt · AMPK an (Zellkultur, Mausleber)
- AMPK
- anZellkultur · Mausleber
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
AMPK im Muskel: in einer RCT an, in einer anderen unverändert · Ergebnis uneinheitlich
- AMPK
- uneinheitlich2 RCTs, gegensätzlich
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Folatzyklus und Purin-Neusynthese gehemmt · AMPK an (Maus, Zellen) · Komplex I: nicht gemessen
- AMPK
- anMaus · Zellkultur
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Autophagie und Mitophagie häufiger (Mäuseherz) · AMPK und mTORC1: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- häufigerMäuseherz
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Mitophagie häufiger (Wurm, Nager) · AMPK und mTORC1: nicht gemessen
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- Mitophagie ↑Wurm · Nager
- Seneszente Zellen
- nicht gemessen
Präadipozyte stirbt (Zellkultur) · Endothelzelle bleibt · p16 im Herz ↓ (Maus)
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- Präadipozyten sterbenZellkultur; Maus: p16 ↓
Endothelzelle stirbt (Zellkultur) · Präadipozyte bleibt · Seneszenzmarker ↓ (Maus)
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- Endothelzellen sterbenZellkultur; Maus: Marker ↓
Endothelzelle stirbt (v. a., Zellkultur) · Präadipozyte bleibt weitgehend
- AMPK
- nicht gemessen
- mTORC1
- nicht gemessen
- Autophagie
- nicht gemessen
- Seneszente Zellen
- v. a. EndothelZellkultur
ATP AMP Aminosäuren SASP mTORC1-Hemmer AMPK-Aktivatoren Autophagie Senolytika Teilchen illustrativ
Normalzustand
Canagliflozin
Links der Normalzustand, rechts derselbe Schnitt mit dem gewählten Wirkstoff. Teilchenflüsse und Schalterstellungen sind Ausgaben dieser Abbildung, keine Messungen: Sie zeigen nur die Richtung eines Befunds, nicht sein Ausmaß, und Befunde aus Zellkultur, Tier und Mensch stehen nebeneinander.
Canagliflozin hemmt eigentlich den Glukosetransporter SGLT2 der Niere. Anders als Dapagliflozin und Empagliflozin aktivierte es in Zellkultur zusätzlich die AMPK, indem es Komplex I hemmte und so AMP bzw. ADP erhöhte; bei Mäusen war AMPK in der Leber aktiviert, nicht aber in Muskel, Fettgewebe oder Milz [23]. Im Interventions Testing Program verlängerte Canagliflozin die mediane Lebensspanne männlicher Mäuse um 14 %, bei Weibchen blieb sie unverändert; die Autorinnen und Autoren erklären das mit gedämpften Blutzuckerspitzen [24]. Das sind Tierdaten.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- AICAR: nicht gezeichnet
- Calcium-Alpha-Ketoglutarat: Daten widersprüchlich: TOR-abhängige Lebensverlängerung nur beim Wurm, bei Mäusen keine mTORC1-Hemmung
- Epitalon: Angriffspunkt Telomerase (hTERT), in dieser Abbildung nicht gezeichnet
- Noopept: Angriffspunkt HIF/PHD2, ein anderer Wirkort
- Pentadecansäure (C15:0): nur Herstellerangaben
- Pinealon: Befund an Caspase-3 und p53, in dieser Abbildung nicht gezeichnet
- Sulforaphan: Befund an der Glukoneogenese (Zellen, Tiere; beim Menschen nur Blutzucker in einer Untergruppe), im Profil kein Angriffspunkt an AMPK oder mTOR
- Tauroursodesoxycholsäure (TUDCA): wirkt als Chaperon am endoplasmatischen Retikulum, ein anderer Wirkort
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| SGLT2 (SLC5A2), proximaler Tubulus | Transporter | Hemmer | senkt die Nierenschwelle für Glukose, Glukosurie (Fachinformation) | Mensch, randomisiert[1] |
| SGLT1 (Darm) | Transporter | Hemmer | schwacher Hemmer; lokale Hemmung im Darm laut Fachinformation möglich | Mensch, nicht randomisiert[1] |
| Komplex I der Atmungskette | Enzym | Hemmer | bei im Plasma gemessenen Konzentrationen (Zellkultur); mit Dapagliflozin und Empagliflozin kaum | Labor[2] |
| AMPK | Enzym | Aktivator | indirekt über AMP/ADP-Anstieg; in der Mausleber aktiviert, nicht in Muskel, Fett oder Milz | Tierversuch[2] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- DurchblutungOsmotische Diurese mit leichtem Blutdruckabfall und Volumenmangel als Nebenwirkung, besonders bei Älteren (Fachinformation)[1]
- Stickstoffmonoxid
- EnergiestoffwechselHemmt Komplex I der Atmungskette in Zellkultur; ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nicht untersucht[2]
- Insulin · GlukoseSenkt den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes über Glukosurie, unabhängig von Insulin (Zulassung); bei Mäusen bessere Glukosetoleranz in beiden Geschlechtern[1][3]
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · SeneszenzAMPK-Aktivierung in der Mausleber; weniger seneszente Zellen im Fettgewebe fettreich gefütterter Mäuse; beim Menschen nicht untersucht[2][6]
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Filmtablette (Fertigarzneimittel)
≈ 65 % (Mensch)Schnelle Aufnahme mit Höchstspiegel nach 1 bis 2 Stunden; eine fettreiche Mahlzeit veränderte die Kinetik nicht [1].
Mensch, nicht randomisiert
Studien am Menschen
CANVAS-Programm (Neal 2017)
Gemessen: kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall
Ergebnis: Hazard Ratio 0,86 (signifikant); Amputationen 6,3 gegenüber 3,4 je 1000 Patientenjahre (Hazard Ratio 1,97); Nierenendpunkte nach der Teststrategie nicht als signifikant gewertet. Finanziert von Janssen.[7]
Mensch, randomisiert
CREDENCE (Perkovic 2019)
Gemessen: Nierenversagen, Kreatininverdopplung, renaler oder kardiovaskulärer Tod
Ergebnis: Hazard Ratio 0,70; Nierenversagen allein 0,68; kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall 0,80; keine Unterschiede bei Amputationen und Frakturen. Finanziert von Janssen.[8]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Diabetische Ketoazidose
Seltene, teils lebensbedrohliche oder tödliche Ketoazidosen, häufig mit nur mäßig erhöhtem Blutzucker; Risiko unter anderem bei eingeschränkter Nahrungsaufnahme, schwerer Dehydratation, Operationen und Alkoholmissbrauch (Fachinformation, EMA-Klassenverfahren) [1][9].
Mensch, nicht randomisiert
Amputationen der unteren Gliedmaßen
In CANVAS fast doppelt so viele Amputationen wie unter Placebo, vor allem an Zehen und Mittelfuß [7]; in CREDENCE mit Vorsichtsmaßnahmen kein Unterschied [8]. Die EMA nahm das Risiko als möglichen Klasseneffekt in die Fachinformationen auf [10].
Mensch, randomisiert
Knochenbrüche
In CANVAS mehr adjudizierte Frakturen als unter Placebo, vor allem in den ersten 26 Wochen; in CANVAS-R, CREDENCE und weiteren Studien kein Unterschied (Fachinformation) [1][8].
Mensch, randomisiert
Volumenmangel und Blutdruckabfall
Schwindel beim Aufstehen, orthostatische Hypotonie und vorübergehender Abfall der Nierenfunktion, häufiger bei Älteren, eingeschränkter Nierenfunktion und mit Diuretika (Fachinformation) [1].
Mensch, randomisiert
Genitalinfektionen und Fournier-Gangrän
Vulvovaginale Candidose und Balanitis gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen; nach der Markteinführung wurden komplizierte Harnwegsinfekte und als seltene Klassennebenwirkung die nekrotisierende Fasziitis des Perineums berichtet (Fachinformation) [1].
Mensch, randomisiert
Geschlechtsunterschied im Tiermodell
Bei spätem Beginn verkürzte Canagliflozin die Lebensdauer weiblicher Mäuse um 6 % bei etwa 20-fach höheren Blutspiegeln als bei jungen Männchen (Tierbefund) [5]. Ob das auf Menschen übertragbar ist, ist nicht untersucht.
Tierversuch
Wechselwirkungen
- Insulin und Sulfonylharnstoffe: Hypoglykämien in Kombination gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen; die Dosis dieser Mittel muss gegebenenfalls gesenkt werden (Fachinformation) [1].
- Schleifendiuretika: Gleichzeitige Gabe wegen des Volumenmangel-Risikos nicht empfohlen (Fachinformation) [1].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Canagliflozin verlängert das Leben“
Nur bei männlichen Mäusen belegt [3][5]; bei Weibchen kein Effekt bzw. bei spätem Beginn eine kürzere Lebensdauer [5]. Beim Menschen nicht untersucht.
- nicht belegt
„Canagliflozin ist ein Senolytikum“
In einer Mausstudie sanken seneszente Zellen im Fettgewebe, nach den Autorinnen und Autoren indirekt über die Immunabwehr, nicht durch direktes Abtöten [6]. Beim Menschen wurden Seneszenzmarker unter Canagliflozin in den geprüften Quellen nicht erhoben.
- teilweise belegt
„Canagliflozin wirkt wie ein Kalorienrestriktions-Mimetikum über AMPK“
Die AMPK-Aktivierung über eine Hemmung von Komplex I ist in Zellkultur und in der Mausleber gezeigt [2]; dass sie beim Menschen auftritt oder die Lebensverlängerung der Mäuse trägt, ist nicht belegt. Die ITP-Autorinnen und -Autoren vermuten eher gedämpfte Blutzuckerspitzen [3].
- teilweise belegt
„Unter Canagliflozin steigt das Amputationsrisiko“
In CANVAS fast doppelt so viele Amputationen [7], in CREDENCE kein Unterschied [8]; die EMA führt ein mögliches Klassenrisiko [10].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Mittlere absolute orale Bioverfügbarkeit etwa 65 %, Höchstspiegel nach 1 bis 2 Stunden [1].
- Halbwertszeit
- Terminal etwa 10,6 bis 13,1 Stunden [1].
- Abbau
- Überwiegend O-Glucuronidierung über UGT1A9 und UGT2B4 zu inaktiven Metaboliten; CYP3A4 nur etwa 7 %; Ausscheidung über Stuhl und Urin, weniger als 1 % unverändert im Urin [1].
- Weg ins Gehirn
- Nicht an einer Primärquelle geprüft.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Verschreibungspflichtig als Arzneimittel (AMVV Anlage 1, Eintrag „Canagliflozin und seine Derivate“, Stand der Verordnung 19.05.2026) [11]. Nationale Zulassungen nicht an AMIce/PharmNet geprüft (nicht verifiziert). Eine Anwendung bei Gesunden oder gegen das Altern ist keine zugelassene Indikation (off label).
- EU
- Zentral zugelassen als Invokana (EMEA/H/C/002649, seit 15.11.2013) bei unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren und als Kombination mit Metformin Vokanamet (EMEA/H/C/002656, seit 23.04.2014) bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes [12]. Anders als Empagliflozin und Dapagliflozin ist Canagliflozin in der EU nicht für Herzinsuffizienz oder chronische Nierenerkrankung als eigene Indikation zugelassen; die Fachinformation verweist auf die Herz- und Nierenergebnisse unter Abschnitt 5.1 [1][12]. Klassenverfahren der EMA zur diabetischen Ketoazidose (EMEA/H/A-20/1419, Kommissionsbeschluss für Invokana 25.04.2016) [9] und zu Amputationen der unteren Gliedmaßen (EMEA/H/A-20/1442, zunächst nur für Canagliflozin eröffnet, Kommissionsbeschluss für Invokana 20.04.2017) [10].
- USA
- nicht verifiziert
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Warum verlängert Canagliflozin nur bei männlichen Mäusen das Leben, und spielt der Spiegelunterschied bei alten Weibchen eine Rolle?
- Trägt die Komplex-I-Hemmung beim Menschen zur Wirkung bei, oder ist sie eine Zellkulturbeobachtung?
- Hätte eine Studie an Menschen ohne Diabetes mit Alterungsendpunkten ein ähnliches Nutzen-Risiko-Verhältnis wie bei Typ-2-Diabetes?
Referenzen
- European Medicines Agency. Invokana (canagliflozin): EPAR – Product Information, Annex I: Summary of Product Characteristics. EMEA/H/C/002649 [Internet]. Amsterdam: EMA; Seite zuletzt aktualisiert 18.12.2025 [abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/invokana-epar-product-information_en.pdf
- Hawley SA, Ford RJ, Smith BK, Gowans GJ, Mancini SJ, Pitt RD, et al. The Na+/Glucose Cotransporter Inhibitor Canagliflozin Activates AMPK by Inhibiting Mitochondrial Function and Increasing Cellular AMP Levels. Diabetes. 2016;65(9):2784-94. doi:10.2337/db16-0058 · PubMed
- Miller RA, Harrison DE, Allison DB, Bogue M, Debarba L, Diaz V, et al. Canagliflozin extends life span in genetically heterogeneous male but not female mice. JCI Insight. 2020;5(21):e140019. doi:10.1172/jci.insight.140019 · PubMed
- Snyder JM, Casey KM, Galecki A, Harrison DE, Jayarathne H, Kumar N, et al. Canagliflozin retards age-related lesions in heart, kidney, liver, and adrenal gland in genetically heterogenous male mice. Geroscience. 2023;45(1):385-397. doi:10.1007/s11357-022-00641-0 · PubMed
- Miller RA, Harrison DE, Cortopassi GA, Dehghan I, Fernandez E, Garratt M, et al. Lifespan effects in male UM-HET3 mice treated with sodium thiosulfate, 16-hydroxyestriol, and late-start canagliflozin. Geroscience. 2024;46(5):4657-4670. doi:10.1007/s11357-024-01176-2 · PubMed
- Katsuumi G, Shimizu I, Suda M, Yoshida Y, Furihata T, Joki Y, et al. SGLT2 inhibition eliminates senescent cells and alleviates pathological aging. Nat Aging. 2024;4(7):926-938. doi:10.1038/s43587-024-00642-y · PubMed
- Neal B, Perkovic V, Mahaffey KW, de Zeeuw D, Fulcher G, Erondu N, et al. Canagliflozin and Cardiovascular and Renal Events in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2017;377(7):644-657. doi:10.1056/NEJMoa1611925 · PubMed
- Perkovic V, Jardine MJ, Neal B, Bompoint S, Heerspink HJL, Charytan DM, et al. Canagliflozin and Renal Outcomes in Type 2 Diabetes and Nephropathy. N Engl J Med. 2019;380(24):2295-2306. doi:10.1056/NEJMoa1811744 · PubMed
- European Medicines Agency. SGLT2 inhibitors – referral (Article 20), EMEA/H/A-20/1419: diabetische Ketoazidose. PRAC-Empfehlung 11.02.2016, CHMP-Gutachten 25.02.2016, Kommissionsbeschlüsse 25.04.2016 (Invokana, Jardiance) und 28.04.2016 [Internet]. Amsterdam: EMA [abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/sglt2-inhibitors
- European Medicines Agency. SGLT2 inhibitors (previously canagliflozin) – referral (Article 20), EMEA/H/A-20/1442: Amputationen der unteren Gliedmaßen. Verfahrensbeginn 15.04.2016, PRAC-Empfehlung 09.02.2017, CHMP-Gutachten 23.02.2017, Kommissionsbeschlüsse 20.04.2017 (u. a. Invokana) und 04.05.2017 [Internet]. Amsterdam: EMA [abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/sglt2-inhibitors-previously-canagliflozin
- Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5), zuletzt geändert durch Art. 1 der Verordnung vom 19.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 24.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html
- European Medicines Agency. Invokana (EMEA/H/C/002649, zugelassen 15.11.2013) und Vokanamet (EMEA/H/C/002656, zugelassen 23.04.2014): Status „Authorised“ und Anwendungsgebiete laut Medicines output – medicines JSON report [Internet]. Amsterdam: EMA; Stand 24.10.2026 [abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/report/medicines-output-medicines_json-report_en.json
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Abstracts über PubMed (efetch, XML mit Affiliationen und COI-Angaben) gelesen; DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py online aufgelöst.
- Am Abstract: Komplex-I-Hemmung und AMPK-Aktivierung bei Plasmakonzentrationen, nicht mit Dapagliflozin und Empagliflozin, Mausleber ja, Muskel, Fett und Milz nein [2]; Beginn mit 7 Monaten, Männchen median +14 %, 90. Perzentil +9 %, drei Standorte, Weibchen ohne Effekt, Glukosehypothese mit Verweis auf Acarbose [3]; Läsionen bei 22 Monate alten Männchen [4]; später Beginn mit 16 Monaten: Männchen +14 % (p = 0,004), Weibchen −6 % (p = 0,03), etwa 20-fach höhere Spiegel bei alten Weibchen, COI-Erklärung [5]; Seneszenz im Fettgewebe, progeroide Mäuse, Wirkstoff von Mitsubishi Tanabe Pharma, Forschungsmittel und Vortragshonorare eines Autors [6]; CANVAS 10 142 Teilnehmende, Hazard Ratio 0,86, Amputationen 1,97, Finanzierung Janssen [7]; CREDENCE 4401 Teilnehmende, Hazard Ratio 0,70, vorzeitig beendet, Finanzierung Janssen [8].
- Fachinformation Invokana (EPAR, englisch, abgerufen 24.10.2026): Abschnitte 4.4, 4.8 (Zusammenfassung, Genitalinfektionen, Frakturen), 5.1 (Mechanismus, SGLT1) und 5.2 gelesen [1].
- EMA-Referral-Seiten am 24.10.2026 gelesen: EMEA/H/A-20/1419 (Daten, Kommissionsbeschluss für Invokana 25.04.2016) [9]; EMEA/H/A-20/1442 (Verfahrensbeginn 15.04.2016 zunächst für Canagliflozin, Ausweitung auf die Klasse, Kommissionsbeschluss für Invokana 20.04.2017) [10].
- AMVV Anlage 1 am 24.10.2026 bei gesetze-im-internet.de abgerufen: Eintrag „Canagliflozin und seine Derivate“; Stand der Verordnung 19.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149) [11]. Nicht in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz (Volltextsuche am 24.10.2026, ohne eigene Referenz).
- EMA-Datenexport (medicines JSON, Zeitstempel 24.10.2026): Invokana EMEA/H/C/002649 (Janssen-Cilag International), Vokanamet EMEA/H/C/002656, Anwendungsgebiete nur Typ-2-Diabetes [12].
- PubChem (CID 24812758): Summenformel und SMILES.
- 25.10.2026, Entscheidung q010 (Bereich „Niere & Harnwege“): CREDENCE-Versprechen von „Herz & Gefäße“ auf „Niere & Harnwege“ (Endpunkt laut Abstract [8]: Nierenversagen, Kreatininverdopplung, renaler oder kardiovaskulärer Tod); Stufe und Ergebnis unverändert. Beleg der Indikation in status (Invokana, Typ-2-Diabetes; Nierenergebnisse in Abschnitt 5.1 der Fachinformation [1][12]).
- 25.10.2026, Entscheidung q099: Querlink zu acarbose mit „gleiche Klasse“ bleibt.
- 25.10.2026, Entscheidung q012 (nur Abstract geprüft): Alle Bewertungen aus Zeitschriftenartikeln beruhen nur auf den Abstracts; im Wortlaut gelesen wurden die Fachinformation [1], die EMA-Referral-Seiten [9][10], die AMVV [11] und der EMA-Export [12].
- 25.10.2026, Entscheidung q018 (Handelsnamen): „Invokana“ stand schon in synonyme (EMEA/H/C/002649 laut EMA-Export [12]). „Vokanamet“ (Kombination mit Metformin, EMEA/H/C/002656 laut EMA-Export [12]) bleibt in synonyme, bis entschieden ist, ob Kombinationspräparate dort stehen sollen.
- 25.10.2026, Entscheidung q040: rx_referenz gesetzt (Paket P1, Tier 2; Verschreibungspflicht laut AMVV Anlage 1 [11]).
- 25.10.2026, Handelsnamen einheitlich (q018; Leitfaden „Handelsnamen“, Entscheidung 25.10.2026: Art.-57-Datenbank als Beleg gleichrangig mit EPAR, Fachinformation und Drugs@FDA; US-Namen nur ohne DE/EU-Namen; keine Kombinationspräparate): „Vokanamet“ aus synonyme entfernt, weil es ein Kombinationspräparat mit Metformin ist (EMA-Datenbank nach Art. 57 (Article 57 product data, EMA/518502/2018 Rev. 90, Datenstand 09.10.2026, am 25.10.2026 abgerufen): Wirkstoffe Metforminhydrochlorid und Canagliflozin, zentral für die EU; EMEA/H/C/002656 laut EMA-Export [12]); es bleibt in status.eu genannt. „Invokana“ ist dort als Monopräparat zentral für die EU gelistet (EMEA/H/C/002649 [12]).
- Präzisions-Flags (m004; Regeln Leitfaden 26.10.2026; Teilnehmendenzahlen, Richtung und Finanzierung am 26.10.2026 per PubMed efetch an Abstract, COI-Angabe und Affiliationen geprüft): „Senkt Herz-Kreislauf-Ereignisse“ (CANVAS [7]) und „Bremst das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung“ (CREDENCE [8]): herstellerfinanziert – jeweils „Funded by Janssen Research and Development“.
Nicht verifiziert
- Nationale Zulassungen in Deutschland (AMIce/PharmNet) und der aktuelle Vertriebsstatus von Invokana in Deutschland nicht geprüft.
- US-Zulassungsstatus nicht an einer Primärquelle geprüft.
- Ob Mitsubishi Tanabe Pharma Canagliflozin selbst vermarktet, wurde nicht geprüft; im Profil steht nur die in der Quelle erklärte Bereitstellung des Wirkstoffs.
- ZNS-Gängigkeit beim Menschen nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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