Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Magnesiumöl: Aufnahme über die Haut, am Darm vorbei
uneinheitlichNur Statusmarker; ein Magnesiumchlorid-Spray wurde nie randomisiert geprüft. In der einzigen randomisierten Studie mit Magnesiumchlorid auf der Haut (Creme, 25 Personen) stieg das Serummagnesium insgesamt nicht signifikant, nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; die Autoren werten den Anstieg als klinisch relevant [13]. Spray ohne Kontrollgruppe: Serumspiegel bei sechs Personen mit Ileostoma gehalten oder leicht gestiegen, herstellerfinanziert [16]. Die Labordaten widersprechen sich und betreffen andere bzw. nicht genannte Salze: Durchtritt über Haarfollikel in menschlicher Haut [11], kaum Durchtritt durch intakte Schweinehaut mit Magnesiumsulfat [12]. Ein Gel unbekannten Salzes ohne Effekt auf Muskelkater (RCT, 35 Personen) [14] zählt nur als Hinweis zu transdermalem Magnesium allgemein. Bereich gewählt, weil Sprays vor allem für Muskeln und Krämpfe beworben werden.
Wird über den Mund besser aufgenommen als Magnesiumoxid
Einzelbefund, unbestätigtNur Statusmarker: In einer Urinstudie an Gesunden war Chlorid deutlich besser verfügbar als Oxid und gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3]; eine Randomisierung nennt der Abstract nicht. Im Zellmodell schnitt Chlorid schlechter ab als Oxid [6]. Bereich gewählt, weil es nur um die Versorgung geht.
Verbessert den Blutzucker bei Diabetes
nur bei Kranken belegtRCT mit 63 Personen: Serummagnesium höher, HOMA-IR, Nüchternglukose und HbA1c nach 16 Wochen niedriger als unter Placebo [7]. Nur Menschen mit niedrigem Magnesium; eine unabhängige Bestätigung mit Magnesiumchlorid wurde hier nicht ausgewertet.
Hilft gegen Depressionen
Einzelbefund, unbestätigtOffene, randomisierte Überkreuzstudie mit 126 Personen: PHQ-9 netto −6,0 Punkte gegenüber keiner Behandlung [8]. Ohne Placebo und Verblindung; eine verblindete Bestätigung mit Magnesiumchlorid wurde nicht gefunden.
Lindert Fibromyalgie-Beschwerden
uneinheitlichDoppelblinde RCT mit Retardtablette: Hauptendpunkt Stress ohne Unterschied, Vorteile nur in einer Untergruppe und bei der Schmerzstärke [9]. Unkontrollierte Pilotstudie mit Spray: bessere Fragebogenwerte [15].
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
Wirkweise
Evidenzkarte: Magnesiumchlorid
Magnesium ist nach Kalium das zweithäufigste Kation in Zellen und an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt; Darm, Niere und Knochen regeln den Bestand, und erbliche Defekte des Kanals TRPM6 führen zu Magnesiummangel [1]. Magnesiumchlorid (MgCl2, meist als Hexahydrat) steht in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG unter den Magnesiumverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel [2].
Über den Mund gehört Chlorid zu den besser untersuchten anorganischen Formen. In einer Studie an Gesunden, die die Verwertung über den Anstieg der Urinausscheidung maß, war Magnesiumoxid schlecht verfügbar (berechnete Aufnahme 4 %), Chlorid dagegen deutlich besser und gleichwertig mit Lactat und Aspartat; anorganische Salze können demnach so gut verfügbar sein wie organische [3]. In einer randomisierten, doppelblinden Überkreuzstudie mit 12 Gesunden erreichte eine Magnesiumchlorid-Retardtablette trotz deutlich geringeren Magnesiumgehalts 87 % der Urinausscheidung einer Referenztablette, die laut Studienregister Magnesiumcarbonat enthielt [4][5]; wegen der stark unterschiedlichen Magnesiummengen und der Retardierung ist das kein Vergleich der beiden Salze. Im Zellmodell der Darmschleimhaut (Caco-2) nahmen die Zellen aus Chlorid dagegen weniger Magnesium auf als aus Carbonat, Pidolat und Oxid [6].
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Mexiko schloss gezielt 63 Menschen mit Typ-2-Diabetes und niedrigem Serummagnesium ein: Unter einer Magnesiumchlorid-Lösung lag nach 16 Wochen das Serummagnesium höher, Insulinresistenz (HOMA-IR), Nüchternglukose und HbA1c niedriger als unter Placebo [7]. In einer offenen, randomisierten Überkreuzstudie mit 126 Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Depression sank der PHQ-9 unter rezeptfreiem Magnesiumchlorid um netto 6,0 Punkte gegenüber der Phase ohne Behandlung; ohne Placebo und Verblindung ist ein Erwartungseffekt nicht auszuschließen [8]. Bei Fibromyalgie verfehlte eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 75 Personen und einer Magnesiumchlorid-Retardtablette ihren Hauptendpunkt Stress; Vorteile zeigten sich nur in einer Untergruppe mit leichtem bis mittlerem Stress und bei der Schmerzstärke. Eine Mitautorin gehört derselben privaten Forschungsorganisation an wie drei Autoren der Kinetikstudie; laut Artikel gab es keine externe Finanzierung und keine Interessenkonflikte [9].
Das wichtigste Werbeversprechen dieser Form ist die Aufnahme über die Haut. Eine Übersichtsarbeit bewertete transdermales Magnesium als wissenschaftlich nicht gestützt; laut Artikel bestehen keine Interessenkonflikte [10]. Im Laborversuch mit menschlicher Haut drang Magnesium aus einer Lösung (Salz im Abstract nicht genannt) konzentrations- und zeitabhängig ein, vor allem über Haarfollikel [11]. Mit einer gesättigten Magnesiumsulfat-Lösung an Schweinehaut in der Franz-Zelle unterschied sich die Durchdringung intakter Haut dagegen nicht von der Kontrolle, erst nach Entfernen der Hornschicht stieg sie um Größenordnungen [12]. Beide Laborversuche verwendeten also kein nachweislich chloridhaltiges Präparat. Beim Menschen stieg in einer randomisierten, einfach verblindeten Pilotstudie mit 25 Personen das Serummagnesium unter einer Creme mit Magnesiumchlorid (laut Zutatenliste im Anhang des Artikels) insgesamt nicht signifikant, nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; die Autoren nennen den Anstieg dennoch klinisch relevant, und eine Mitautorin erwartete Lizenzeinnahmen aus einer anderen Magnesiumcreme [13]. Ein kommerzielles Magnesiumgel, dessen Salz der Abstract nicht nennt, verringerte in einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 35 aktiven Personen weder Muskelkater noch Muskelschadensmarker nach Bergablaufen [14]. Unkontrollierte Pilotstudien mit Magnesiumchlorid-Spray berichten bessere Fragebogenwerte bei Fibromyalgie [15] und bei sechs Personen mit Ileostoma einen gehaltenen oder leicht gestiegenen Serumspiegel; diese Studie bezahlte der Hersteller des Sprays [16].
Formulierungen und Herkunft: Neben Lösungen und Tabletten gibt es Retardtabletten mit Magnesiumchlorid, deren Kinetik in einer randomisierten Überkreuzstudie untersucht wurde [4]. Als „Magnesiumöl“ werden Sprays mit Magnesiumchlorid-Lösung bezeichnet, wie sie in den beiden Spray-Studien verwendet wurden [15][16]. Vergleichende Humandaten zu Magnesiumchlorid aus bestimmten Lagerstätten (etwa „Zechstein-Magnesium“) wurden nicht gefunden.
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Nährstoff aus der Nahrung gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte) Hemmstoff gebunden Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein
Normalzustand
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): Ausgangslage
Magnesiumchlorid
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): mehr
Beide Felder zeigen dieselbe Zelle, links ohne, rechts mit dem gewählten Wirkstoff. Wort und Balken unter den Feldern zeigen ohne Zahl nur die Richtung (z. B. weniger Glucose bei gehemmten Enzymen, mehr Aufnahmen, wenn der Wirkstoff selbst aufgenommen wird). Das Teilchenmodell ist illustrativ, keine Messung, und sagt nichts über das Ausmaß beim Menschen.
Auch für Magnesiumchlorid zeigt die Abbildung nur gelöstes Mg²⁺ am Kanal TRPM6, dessen erbliche Defekte zu Magnesiummangel führen [42] und den eine Gewebestudie an der Bürstensaummembran des Dünndarms fand [43]. Die Magnesiumaufnahme hat außerdem einen nicht sättigbaren Anteil (gemessen mit Magnesiumacetat) [44]; diesen Weg und das Chlorid zeigt die Abbildung nicht.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- Magnesiumglycinat: Aufnahme über den Dipeptidweg im Profil nur vermutet
- Nicotinamidmononukleotid (NMN): vorgeschlagener Transporter Slc12a8 umstritten
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Insulin Glukose H⁺ Phosphokreatin Bicarbonat Wirkstoff Leuchten = aktiver Signalknoten
Normalzustand
Magnesiumchlorid
Links ohne Wirkstoff, rechts mit dem gewählten; beide Felder laufen mit demselben Wechsel aus Ruhe mit Insulin und Belastung. Die Balken sind Modellausgaben dieser Abbildung, keine Messungen: Sie zeigen die Richtung laut Studienlage, nicht das Ausmaß beim Menschen.
In einer placebokontrollierten Studie mit 63 Menschen mit Typ-2-Diabetes und niedrigem Serummagnesium lag nach 16 Wochen Magnesiumchlorid-Lösung die Insulinresistenz (HOMA-IR) bei 3,8 gegenüber 5,0, der HbA1c bei 8,0 gegenüber 10,1 % [23]. HOMA-IR ist ein Endpunkt aus Nüchternglukose und Insulin im Blut; wo im Muskel Magnesium dabei wirkt, wurde nicht gemessen. Die Figur zeigt den Befund deshalb nur als leicht verstärktes Insulinsignal mit Hinweis „Endpunkt“. Nur bei Kranken mit Magnesiummangel belegt.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- Benfotiamin: nur Tierbefunde an der Netzhaut
- Calanusöl: nur Indizes der Insulinempfindlichkeit, uneinheitlich, vom Hersteller finanziert
- Guanidinoessigsäure (GAA): nicht gezeichnet
- Kreatin-Citrat: nicht gezeichnet
- Kreatin-Ethylester: nicht gezeichnet
- Kreatin-Nitrat: nicht gezeichnet
- Kreatin-Pyruvat: nicht gezeichnet
- Lacticaseibacillus rhamnosus GG + Bifidobacterium animalis subsp. lactis BB-12 (Zweierkombination): Befund zu Schwangerschaftsdiabetes, kein Angriffspunkt im Muskel
- Lacticaseibacillus rhamnosus HN001: Befund zu Schwangerschaftsdiabetes, kein Angriffspunkt im Muskel
- MOTS-c: beim Menschen nur eine Genvariante untersucht, Gabe nur bei Mäusen
- Panax Ginseng: Befund zum Nüchternblutzucker, kein Angriffspunkt im Muskel
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Mg2+-abhängige Enzyme (u. a. Energiestoffwechsel) | Enzym | Aktivator | Cofaktor in über 600 enzymatischen Reaktionen (Übersichtsarbeit) | Labor[1] |
| TRPM6 (Magnesiumkanal) | Ionenkanal | Bindung | Mutationen verursachen erbliche Hypomagnesiämie (Übersichtsarbeit) | Mensch, nicht randomisiert[1] |
| Insulinsignalweg (Insulinsensitivität) | Signalweg | Aktivator | HOMA-IR 3,8 vs. 5,0 nach 16 Wochen (RCT, Typ-2-Diabetes mit niedrigem Magnesium) | Mensch, randomisiert[7] |
| Hornschicht der Haut (Barriere) | Sonstiges | Bindung | intakte Schweinehaut ohne Unterschied zur Kontrolle (ex vivo, Magnesiumsulfat-Lösung); menschliche Haut: Durchtritt über Haarfollikel (Salz nicht genannt) | Labor[11][12] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- EnergiestoffwechselMg2+ ist Cofaktor zahlreicher Enzyme (Übersichtsarbeit); kein formspezifischer Effekt bei Gesunden belegt[1]
- Insulin · GlukoseInsulinresistenz, Nüchternglukose und HbA1c niedriger als unter Placebo, nur bei Typ-2-Diabetes mit niedrigem Serummagnesium geprüft[7]
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Chlorid (Tablette bzw. Lösung)
Urinstudie an Gesunden: Chlorid deutlich besser verfügbar als Oxid (berechnete Aufnahme 4 %) und gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3].
Mensch, nicht randomisiert
Oral (geschluckt) · Retardtablette
Randomisierte, doppelblinde Überkreuzstudie mit 12 Gesunden: über sechs Stunden gleichmäßige Freisetzung im Labor; Urinausscheidung über 24 Stunden 87 % der Carbonat-Referenz trotz deutlich weniger Magnesium [4][5]. Wegen der stark unterschiedlichen Magnesiummengen und der Retardierung kein Vergleich der Salze. Patentierte Formulierung, drei Mitautoren aus einer privaten Forschungsorganisation [4].[5]
Mensch, randomisiert
Transdermal (über die Haut) · Spray („Magnesiumöl“), Creme
Creme mit Magnesiumchlorid: Serummagnesium insgesamt ohne signifikanten Anstieg, signifikant nur in einer Untergruppe (RCT, 25 Personen) [13]. Spray bei sechs Personen mit Ileostoma: Serumspiegel gehalten oder leicht gestiegen, ohne Kontrollgruppe, vom Hersteller finanziert [16]. Labordaten mit anderen bzw. nicht genannten Salzen: kaum Durchtritt durch intakte Schweinehaut (Magnesiumsulfat) [12], in menschlicher Haut über Haarfollikel [11].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Magnesiumchlorid-Creme und Serummagnesium
Gemessen: Serummagnesium, Magnesium im 24-Stunden-Urin
Ergebnis: Serum 0,82 → 0,89 mmol/l (p = 0,29), signifikant nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; Urin ohne signifikante Änderung. Salz laut Zutatenliste im Anhang: Magnesiumchlorid.[13]
Mensch, randomisiert
Magnesiumgel (Salz nicht genannt) und Muskelkater
Gemessen: Muskelkater (VAS), Kraft, Kreatinkinase, IL-6
Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo bei allen Endpunkten.[14]
Mensch, randomisiert
Magnesiumchlorid-Lösung bei Typ-2-Diabetes
Gemessen: HOMA-IR, Nüchternglukose, HbA1c
Ergebnis: HOMA-IR 3,8 vs. 5,0 (p = 0,005); HbA1c 8,0 vs. 10,1 % (p = 0,04).[7]
Mensch, randomisiert
Magnesiumchlorid bei Depression
Gemessen: PHQ-9, GAD-7
Ergebnis: PHQ-9 netto −6,0 Punkte, GAD-7 netto −4,5 Punkte (p < 0,001); 112 auswertbar.[8]
Mensch, randomisiert
Retardtablette bei Fibromyalgie
Gemessen: Stress (DASS-42)
Ergebnis: Hauptendpunkt ohne Unterschied (21,8 vs. 21,6, p = 0,93); Untergruppe mit leichtem bis mittlerem Stress und Schmerzstärke verbessert. 37 Magnesium, 38 Placebo (Volltext, Tabelle 1).[9]
Mensch, randomisiert
Kinetik Chlorid-Retardtablette vs. Carbonat
Gemessen: kumulierte Magnesiumausscheidung im Urin
Ergebnis: 76 % (0–5 h), 89 % (0–10 h) und 87 % (0–24 h) der Referenz bei deutlich weniger Magnesium; wegen der unterschiedlichen Mengen und der Retardierung kein Formvergleich.[4]
Mensch, randomisiert
Magnesiumchlorid-Spray bei Fibromyalgie
Gemessen: Fibromyalgie-Fragebogen (FIQR), SF-36
Ergebnis: FIQR-Gesamtwert verbessert (p = 0,001); 24 von 40 beendeten die Studie.[15]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Hypermagnesiämie bei eingeschränkter Nierenfunktion
Die Niere regelt den Magnesiumbestand [1]. In einer Krankenhauskohorte mit Magnesiumoxid waren eingeschränkte Nierenfunktion, größere Mengen und längere Anwendung Risikofaktoren für erhöhte Werte [17]; dass das für Chlorid ebenso gilt, ist eine Schlussfolgerung.
Mensch, nicht randomisiert
Wechselwirkungen
- Tetrazykline und Fluorchinolone: Mehrwertige Kationen bilden mit diesen Antibiotika schwer lösliche Chelate und senken ihre Aufnahme; klinisch belegt für magnesiumhaltige Antazida, für Magnesiumchlorid nicht eigens untersucht [18].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Über die Haut wird Magnesium besser aufgenommen als über den Darm“
Keine Studie hat Haut und Mund direkt verglichen. Die einzige randomisierte Messung im Blut (Magnesiumchlorid-Creme) fand insgesamt keinen signifikanten Anstieg [13]; intakte Schweinehaut ließ ex vivo kaum Magnesium aus einer Magnesiumsulfat-Lösung durch [12]. Eine Übersichtsarbeit hält transdermales Magnesium für nicht gestützt [10].
- nicht belegt
„Magnesiumöl hilft gegen Muskelkater und Krämpfe“
Ein Magnesiumgel, dessen Salz nicht genannt wird, verringerte Muskelkater nicht (RCT, 35 Personen) [14]. Die Verbesserung von Krämpfen bei Personen mit Ileostoma stammt aus einer unkontrollierten, herstellerfinanzierten Studie mit sechs Personen [16].
- nicht belegt
„Magnesiumchlorid ist als anorganisches Salz schlecht verfügbar“
Die Datenlage ist dünn: In einer Urinstudie an Gesunden, deren Randomisierung der Abstract nicht nennt, war Chlorid so gut verfügbar wie Lactat und Aspartat und deutlich besser als Oxid [3]; in einer RCT lag das Serummagnesium unter Chlorid-Lösung bei Menschen mit niedrigem Ausgangswert höher als unter Placebo [7]. Im Zellmodell nahmen die Zellen aus Chlorid dagegen weniger Magnesium auf als aus Carbonat und Oxid [6]. Belege für eine beim Menschen schlechte Verfügbarkeit wurden nicht gefunden.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Über den Mund besser verfügbar als Oxid [3]; Retardtabletten verlängern die Freisetzung [4]. Über die Haut beim Menschen kein signifikanter Anstieg des Serummagnesiums nachgewiesen [13].
- Halbwertszeit
- Für ein körpereigenes Mineral nicht sinnvoll angebbar; nicht verifiziert.
- Abbau
- Dissoziiert in Mg2+ und Chlorid; die Niere regelt die Magnesiumausscheidung [1].
- Weg ins Gehirn
- Keine formspezifischen Daten.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Magnesiumchlorid verzeichnet (Abruf 24.10.2026) [20]; als Mineralstoffverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [2].
- EU
- Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Magnesiumchlorid“); damit als Magnesiumquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [2]. Für Sprays und Öle zum Auftragen auf die Haut gilt die Richtlinie nicht; deren Einstufung wurde nicht geprüft.
- USA
- Nicht verifiziert.
Zugelassene EU-Angaben
„trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“
- Nährstoff
- Magnesium
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[19]
- Einordnung
- rechtlich zulässig für Lebensmittel, die eine Magnesiumquelle sind (also für orales Magnesiumchlorid), nicht für Sprays oder Öle zum Auftragen auf die Haut; zur Wirkung auf Muskeln mit Magnesiumchlorid bei Gesunden keine Studie gefunden
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Steigt das Magnesium im Blut oder Urin bei Gesunden mit niedrigem Ausgangsspiegel unter Magnesiumöl, gemessen in einer verblindeten, placebokontrollierten Studie mit ausreichender Fallzahl?
- Lassen sich die Ergebnisse der mexikanischen Studie zu Insulinresistenz in unabhängigen Studien mit Magnesiumchlorid bestätigen?
- Hält der Depressionseffekt einer placebokontrollierten, verblindeten Prüfung stand?
Referenzen
- de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev. 2015;95(1):1–46. doi:10.1152/physrev.00012.2014 · PubMed
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
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- Ogawa R, Echizen H. Clinically significant drug interactions with antacids: an update. Drugs. 2011;71(14):1839–64. doi:10.2165/11593990-000000000-00000 · PubMed
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1. Konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820).
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Magnesiumchlorid“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
- Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG in der konsolidierten Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): Eintrag „Magnesiumchlorid“.
- Am Abstract: Oxid 4 %, Chlorid gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3]; 12 Gesunde, 76/89/87 % [4]; Caco-2-Reihenfolge [6]; 63 Patienten, HOMA-IR 3,8 vs. 5,0, HbA1c 8,0 vs. 10,1 % [7]; 126 Personen, 112 auswertbar, PHQ-9 −6,0, GAD-7 −4,5 [8]; DASS-42 21,8 vs. 21,6 [9]; Follikelweg [11]; Schweinehaut intakt vs. tape-stripped [12]; 25 Personen, 0,82 → 0,89 mmol/l, p = 0,29 [13]; 35 Personen ohne Effekt [14]; 40 Frauen, 24 beendet [15]; 6 Patienten, BetterYou finanziert [16].
- Registereintrag NCT01935570: Referenz Mag2 = Magnesiumcarbonat [5].
- Volltext [9] (Europe PMC): Chronomag ist eine patentierte Magnesiumchlorid-Retardformulierung; Tabelle 1: n = 75 (37 Magnesium, 38 Placebo); eine Mitautorin von FJ Recherche et Développement (fj-lifesciences.com); laut Artikel keine externe Finanzierung und keine Interessenkonflikte.
- Volltext [13] (Europe PMC) und Anhang „S1 Text“ (Europe PMC, supplementaryFiles, Gegenprüfung 24.10.2026): Prüfcreme mit Magnesiumchlorid laut Zutatenliste, Placebo eine handelsübliche Grundcreme ohne Magnesium; keine spezifische Finanzierung; Mitautorin Rosanoff mit erwarteten Lizenzeinnahmen aus einer anderen Magnesiumcreme.
- Abstract [12]: gesättigte Magnesiumsulfat-Monohydrat-Lösung, Schweinehaut ex vivo (Franz-Zelle), kein Magnesiumchlorid.
- Abstract [7]: Serummagnesium am Ende 0,74 vs. 0,65 mmol/l (p = 0,02).
- PubMed-XML [10]: zwei Autoren mit Anschrift IPEV Ismaning, eine davon mit E-Mail-Domain protina.de; Erklärung „no potential conflict of interest“.
- PubChem: CID 5360315, Cl2Mg (wasserfrei).
- ClinicalTrials.gov: 94 Treffer „magnesium chloride“, 2 Treffer „transdermal magnesium“ (24.10.2026).
- 24.10.2026 (Regelentscheidungen K1–K8): Wortlaut „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“ und Bedingung „Magnesiumquelle“ in VO (EU) Nr. 432/2012, Basisfassung (CELEX 32012R0432) und konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820), unverändert gefunden. Die Chlorid-Angabe der Verordnung (Magensäure) betrifft den Nährstoff Chlorid und wurde nicht aufgenommen, weil Magnesiumchlorid nicht damit beworben wird.
- Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Magnesiumchlorid“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 178 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [20]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Verbessert den Blutzucker bei Diabetes“ → kleine_studien: [7] n = 63 (Abstract).
Nicht verifiziert
- Rechtsstatus in den USA; Einstufung von Magnesiumsprays (Kosmetikum oder Lebensmittel) nicht geprüft.
- Welches Magnesiumsalz das Gel [14] (Abstract ohne Angabe, Volltext nicht frei zugänglich) und die Lösung in [11] (Abstract ohne Angabe) enthielten; [12] verwendete Magnesiumsulfat. Diese drei Studien sind keine Daten zu Magnesiumchlorid, sondern zu transdermalem Magnesium allgemein.
- Ob die Urinstudie [3] randomisiert war und wie viele Personen teilnahmen (Volltext nicht zugänglich).
- Ob die E-Mail-Domain protina.de einer Mitautorin von [10] auf eine Verbindung zu einem Hersteller oraler Magnesiumpräparate hinweist; nicht in einer Quelle geprüft, deshalb im Text nur die Erklärung „keine Interessenkonflikte“.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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